Corona-Krise Eldorado für aktive Manager?

Christian Jasperneite ist Investmentchef der Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO. | © M.M. Warburg & CO

Christian Jasperneite ist Investmentchef der Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO. Foto: M.M. Warburg & CO

Die letzten Monate werden unzweifelhaft in die Lehrbücher der Kapitalmarktgeschichte Einzug halten. Erst fielen große Aktienindizes im Rekordtempo um bis zu 35 Prozent, um dann ebenfalls im Rekordtempo einen nicht unerheblichen Teil der Verluste wieder aufzuholen. Noch deutlich turbulenter verlief die Entwicklung der einzelnen Aktien. Während sich in „normalen Zeiten“ Aktien und Sektoren nicht selten wie ein homogener Schwarm von Fischen bewegen, entstand im Kontext der Corona-Krise ein extremes „Eigenleben“, gepaart mit einer hohen Diffusion in der Kursentwicklung.

Dies zeigt bereits ein erster Blick auf die Wertentwicklung der Sektoren in Europa und in den USA. So entwickelten sich beispielsweise wenig überraschend Aktien aus dem Pharma- und Gesundheitssektor in beiden Regionen substanziell besser als Energiewerte. Auf den ersten Blick erscheint dies als perfektes Umfeld für aktive Manager, die nicht auf eine Abbildung von Benchmarks abstellen, sondern gerade gezielte Abweichungen von der Benchmark im Portfolio anstreben. Trotzdem ist zu beobachten, dass es in dieser Marktphase nicht einfach war, die Benchmark zu schlagen, obwohl doch die Divergenz der Wertentwicklung zwischen vielen Wertpapieren und Sektoren wie eine Steilvorlage für aktive Manager wirken müsste.

Damit setzt sich in gewisser Weise der Trend des letzten Jahres fort, in dem es empirisch nachweisbar ebenfalls vielen Asset Managern schwergefallen ist, die Benchmark zu schlagen. Vordergründig ließe sich argumentieren, dass dies das Ergebnis einer gestiegenen Effizienz des Marktes sein könnte – doch hier macht man es sich vermutlich etwas zu einfach, denn warum sollte die Effizienz des Marktes ausgerechnet in den letzten Quartalen gestiegen sein? Vermutlich ist die Wahrheit etwas komplexer.