Spezialfondsmarkt Quarterly Corona-Krise beeinflusst Cashflows in Spezialfonds kaum

Hinweisschild zur Deutschen Bundesbank in Frankfurt

Hinweisschild zur Deutschen Bundesbank in Frankfurt: Die Kommalpha-Publikation "Spezialfondsmarkt Quarterly" stützt sich auf Daten der Bundesbank Foto: Imago / Jan Huebner

Sowohl beim Nettomittelaufkommen als auch bei den Mittelzuflüssen in Spezialfonds hat die Corona-Krise im dritten Quartal 2020 keine negative Spur hinterlassen. Das geht aus dem „Spezialfondsmarkt Quarterly“-Report des Beratungsunternehmens Kommalpha hervor, das die Cashflows sowie ausgewählte Strukturmerkmale des deutschen Spezialfondsmarktes auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank analysiert.

Das Nettomittelaufkommen betrug im vergangenen Quartal 18,9 Milliarden Euro bei Mittelzuflüssen von 80,5 Milliarden Euro, es sei eine hohe Differenz zwischen beiden Größen festzustellen, was auf eine extrem hohe Dynamik von Anteilsscheingeschäften von Spezialfonds hinweise, heißt es in dem Report.

Negatives Nettomittelaufkommen bei nur zwei Investorengruppen

Bei fast allen Investorensegmenten war das Nettomittelaufkommen im dritten Quartal 2020 positiv – bis auf zwei Ausnahmen: So zogen Altersvorsorgeeinrichtungen im September 239 Millionen Euro ab, bei Sozialversicherungen und öffentliche sowie kirchliche Zusatzvorsorgeeinrichtungen waren es 121 Millionen Euro. Für Versicherungen meldet Kommalpha sehr volatile Netto-Cashflows mit dem Spitzenwert 5,4 Milliarden Euro im September. Unterm Strich allokierten Versicherungen im dritten Quartal rund sechs Milliarden Euro in Spezialfonds.

Bemerkenswert seien ebenfalls die positiven Netto-Cashflows von privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (überwiegend Stiftungen) sowie nicht finanzieller Kapitalgesellschaften (Corporates) in Spezialfonds: Aus beiden Segmente flossen netto 3,7 Milliarden Euro in Spezialfonds. Altersvorsorgeeinrichtungen trugen mit einem Nettomittelaufkommen von 2,2 Milliarden Euro Kommalpha zufolge eher wenig zu den Cashflows in Spezialfonds bei.

Bilanz für Januar bis September: Kein Corona-Effekt, aber hohe Umschlagshäufigkeit

Auch für den Zeitraum Januar bis September 2020 ist laut „Spezialfondsmarkt Quarterly“ kein Covid-19-Effekt festzustellen. Das Nettomittelaufkommen liege mit 53,5 Milliarden Euro nahezu exakt auf dem Niveau des Vorjahres, in dem Spezialfonds einen Rekordwert erreichten. Mit 213 Milliarden Euro seien die kumulierten Zuflüsse sogar höher als zum Stichtag 30. September 2019. Es sei somit sehr viel frische Liquidität vorhanden beziehungsweise durch Anteilsscheinrückgaben seitens institutioneller Investoren geschaffen worden.

Da von 213 Milliarden Euro netto lediglich rund 53 Milliarden Euro in Spezialfonds geflossen seien, bedeute dies im Umkehrschluss, dass Institutionelle in den ersten neun Monaten des Jahres rund 160 Milliarden Euro an Liquidität aus dem Spezialfondsmarkt abgezogen hätten. „Das ist nicht zwingendermaßen ein schlechtes Signal, muss aber ganz klar als bemerkenswert herausgestellt werden. Unruhige Zeiten ist eine passende Formulierung für diese hohe Umschlagshäufigkeit, kommentiert Kommalpha-Vorstand Clemens Schuerhoff die Auswertungen zu den Cashflows.