Wegen Energieabhängigkeit Deutsche Versicherer verlieren Lust am heimischen Immobilienmarkt

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„Nachhaltigkeit und insbesondere die Emissionsoptimierung von Immobilienbeständen werden nicht zuletzt auch durch die striktere Regulatorik zum ökonomischen Faktor“, sagt Ohligs. „Auch ein höherer Wiederverkaufswert scheint realistisch – aktuell steht jedoch die Finanzierung der notwendigen Maßnahmen an. Eine rein cashflowbasierte Herangehensweise könnte sich als zu optimistisch herausstellen, wenn wir die Entwicklung der Bau- und Materialkosten in der Rechnung berücksichtigen.“

Von finanziellen Aspekten abgesehen identifizieren 95 Prozent der Befragten fehlende valide Daten als große Herausforderung bei der Umsetzung von ESG-Strategien.

Risikoneigung steigt

„Core“ und „Core Plus“ bleiben mit 70, beziehungsweise 85 Prozent als die risikoärmsten Kategorien die favorisierten Investitionsziele der Assekuranz. Jedoch nimmt der Fokus darauf im Vergleich zum Vorjahr ab, in dem die Quote noch 91 beziehungsweise 86 Prozent lag. Die risikoreichste Kategorie „Opportunistic“ hingegen erfährt einen höheren Zuspruch von nun 40 Prozent zu noch 18 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig bleibt die Renditeerwartung der Versicherer mit minimalen Abschlägen mit 4,5 Prozent bei direkten, 5,5 Prozent bei indirekten Anlagen 2022 im Gegensatz zu 4,7 und 5,6 Prozent im Vorjahr stabil.

 

 

 


„Versicherer müssen trotz knappem Produktangebot und entsprechendem Druck ihre Renditeerwartungen erfüllen und können diese nicht beliebig senken“, sagt Ohligs. „Hinzu kommt, dass nicht wenige Immobilien, die zuvor noch als ‚Core‘ eingestuft wurden, durch die neuen Anforderungen an den Klimaschutz nun in eine risikoreichere Kategorie fallen.“

Wohnimmobilien bleiben bevorzugt – Bürobereich mit leichter Erholung

Die unter Versicherungen auch im Vorjahr bereits favorisierten Wohnimmobilien stehen erneut für 95 Prozent der Befragten im Fokus (2021: 96 Prozent). Auch Logistikimmobilien und Infrastrukturinvestments bleiben beliebt (75 bzw. 63 Prozent), büßen aber leicht an Attraktivität ein (2021: 84 bzw. 79 Prozent). Etwas Boden gutmachen kann das einstige Lieblingskind der Investoren, die Büroimmobilie (nun 75 Prozent versus 62 Prozent 2021). Gesundheitsimmobilien, die in der Pandemie an Zuspruch gewonnen hatten (2021: 46 Prozent), büßen wieder leicht ein und liegen nun bei 42 Prozent der Befragten im Fokus. Einzelhandelsimmobilien, die sich während der Pandemie leicht stabilisiert hatten, verlieren deutlich in der Gunst der Assekuranz (nun 20 Prozent versus 37 Prozent 2021). Gleiches gilt für das Hotelsegment, das nur noch bei fünf Prozent der Befragten im Fokus steht (2021: 14 Prozent). 

 

Über die Studie

Das „Trendbarometer Immobilienanlagen der Assekuranz“ wurde 2022 zum 15. Mal erstellt. Im Mai 2022 wurde dafür eine Umfrage unter 30 führenden Unternehmen der hiesigen Versicherungsbranche durchgeführt. An der Befragung beteiligten sich verschiedene Akteure, etwa Pensionskassen sowie Lebens- und Rückversicherungen.