Gold und das Szenario der Deutschen Bank polarisieren – die Einschätzungen der befragten Experten gehen auseinander:
Ulrich Stephan, Deutsche Bank
1. Grundsätzliche Einschätzung Die beiden Autoren der Studie halten diese Preisentwicklung für möglich, da sie argumentieren, dass der Anteil von Gold an den Währungsreserven der Notenbanken primär von dem geopolitischen Umfeld abhängt. Zuletzt war der Anteil des US-Dollars an den globalen Währungsreserven rückläufig. Er ist von über 60 Prozent auf rund 40 Prozent gefallen, während sich der Goldanteil von seinen Tiefständen aus auf derzeit etwa 30 Prozent verdreifacht hat – was aber auch wesentlich auf den starken Kursanstieg der Goldpreise in den vergangenen drei Jahren zurückzuführen ist.
Auch gehen die Autoren davon aus, dass Schwellenländer in den kommenden fünf Jahren den Goldanteil ihrer Reserven weiter erhöhen werden, und zwar auf mindestens 40 Prozent. Unter diesen Voraussetzungen wäre ein Anstieg der Goldpreise auf 8.000 US-Dollar je Unze denkbar. Dabei handelt es sich um ein Szenario unter spezifischen Annahmen, aus dem keine konkrete Prognose abgeleitet werden sollte. Ohne mich auf eine konkrete Kursprognose festlegen zu wollen, dürfte der Goldpreis in diesem Szenario tatsächlich kräftig zulegen, schließlich rechnen die Autoren mit Devisenreserven der Schwellenländer in Höhe von mindestens 5 Billionen US-Dollar in fünf Jahren.
2. Zentralbanknachfrage Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass auch bei einer im Vergleich zu den beiden Vorjahren geringeren Nachfrage der Notenbanken der Goldpreis dennoch kräftig zulegen kann. Dies ist in erster Linie auf massive Käufe chinesischer Privatanleger in physischem Gold und in ETFs sowie eine Diversifizierung großer Kapitalsammelstellen wie Pensionsfonds und Versicherungen in Asien sowie auch in Nordamerika und Europa zurückzuführen. Während die physische Nachfrage unter dem hohen Preisniveau leidet, verzeichnen börsengehandelte, mit physischem Gold hinterlegte Produkte eine wachsende Nachfrage.
3. De-Dollarisierung In Anbetracht der geopolitischen Entwicklungen ist zu vermuten, dass der Trend zur Diversifizierung der Währungsreserven weiter anhalten wird. Zuletzt ist unter Marktakteuren verstärkt die Diskussion aufgekommen, ob eine Verringerung der Nachfrage nach „Petrodollar" – Staaten im Nahen Osten verkaufen Erdöl gegen US-Dollar und legen die Erträge zinsbringend in US-Staatsanleihen an – zu erwarten ist. Dies dürfte keine abrupte Abkehr aus US-Staatsanleihen auslösen, aber möglicherweise auf lange Sicht ein schleichender Prozess werden, der für eine verstärkte Nachfrage nach Gold sorgen sollte. Entscheidend ist hierbei, dass Gold nicht negativ von der Problematik stark steigender Verschuldung vieler Staaten beziehungsweise Diskussionen um deren Schuldentragfähigkeit betroffen sein dürfte, sondern davon profitieren sollte.
„Ein Niveau von 8.000 US-Dollar je Unze erscheint etwas sportlich“
4. Geopolitik vs. Fundamentaldaten Dies dürfte auf kurzfristige Positionierungen der Marktteilnehmer zurückzuführen sein, denn:
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Gold und das Szenario der Deutschen Bank polarisieren – die Einschätzungen der befragten Experten gehen auseinander:
Ulrich Stephan, Deutsche Bank
1. Grundsätzliche Einschätzung Die beiden Autoren der Studie halten diese Preisentwicklung für möglich, da sie argumentieren, dass der Anteil von Gold an den Währungsreserven der Notenbanken primär von dem geopolitischen Umfeld abhängt. Zuletzt war der Anteil des US-Dollars an den globalen Währungsreserven rückläufig. Er ist von über 60 Prozent auf rund 40 Prozent gefallen, während sich der Goldanteil von seinen Tiefständen aus auf derzeit etwa 30 Prozent verdreifacht hat – was aber auch wesentlich auf den starken Kursanstieg der Goldpreise in den vergangenen drei Jahren zurückzuführen ist.
Auch gehen die Autoren davon aus, dass Schwellenländer in den kommenden fünf Jahren den Goldanteil ihrer Reserven weiter erhöhen werden, und zwar auf mindestens 40 Prozent. Unter diesen Voraussetzungen wäre ein Anstieg der Goldpreise auf 8.000 US-Dollar je Unze denkbar. Dabei handelt es sich um ein Szenario unter spezifischen Annahmen, aus dem keine konkrete Prognose abgeleitet werden sollte. Ohne mich auf eine konkrete Kursprognose festlegen zu wollen, dürfte der Goldpreis in diesem Szenario tatsächlich kräftig zulegen, schließlich rechnen die Autoren mit Devisenreserven der Schwellenländer in Höhe von mindestens 5 Billionen US-Dollar in fünf Jahren.
2. Zentralbanknachfrage Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass auch bei einer im Vergleich zu den beiden Vorjahren geringeren Nachfrage der Notenbanken der Goldpreis dennoch kräftig zulegen kann. Dies ist in erster Linie auf massive Käufe chinesischer Privatanleger in physischem Gold und in ETFs sowie eine Diversifizierung großer Kapitalsammelstellen wie Pensionsfonds und Versicherungen in Asien sowie auch in Nordamerika und Europa zurückzuführen. Während die physische Nachfrage unter dem hohen Preisniveau leidet, verzeichnen börsengehandelte, mit physischem Gold hinterlegte Produkte eine wachsende Nachfrage.
3. De-Dollarisierung In Anbetracht der geopolitischen Entwicklungen ist zu vermuten, dass der Trend zur Diversifizierung der Währungsreserven weiter anhalten wird. Zuletzt ist unter Marktakteuren verstärkt die Diskussion aufgekommen, ob eine Verringerung der Nachfrage nach „Petrodollar" – Staaten im Nahen Osten verkaufen Erdöl gegen US-Dollar und legen die Erträge zinsbringend in US-Staatsanleihen an – zu erwarten ist. Dies dürfte keine abrupte Abkehr aus US-Staatsanleihen auslösen, aber möglicherweise auf lange Sicht ein schleichender Prozess werden, der für eine verstärkte Nachfrage nach Gold sorgen sollte. Entscheidend ist hierbei, dass Gold nicht negativ von der Problematik stark steigender Verschuldung vieler Staaten beziehungsweise Diskussionen um deren Schuldentragfähigkeit betroffen sein dürfte, sondern davon profitieren sollte.
„Ein Niveau von 8.000 US-Dollar je Unze erscheint etwas sportlich“
4. Geopolitik vs. Fundamentaldaten Dies dürfte auf kurzfristige Positionierungen der Marktteilnehmer zurückzuführen sein, denn:
- Erstens mussten viele Anleger Gold zum Zwecke der Liquiditätsgewinnung verkaufen, um damit Verlustpositionen an anderen Marktsegmenten auszugleichen.
- Zweitens hatte der Goldpreis 2025 um 65 Prozent zugelegt und startete auch 2026 mit kräftigen Kursanstiegen ins neue Jahr, sodass viele Anleger mit hohen Gewinnen Kasse machen konnten.
- Drittens leidet der Goldpreis unter der Neubepreisung der Geldpolitik der Notenbanken rund um den Globus. Waren vor der Eskalation im Nahen Osten noch Zinssenkungen vieler Notenbanken erwartet worden, sind es mittlerweile oft kräftige Zinserhöhungen.
Dies und der darauffolgende robuste Anstieg der Renditen von Anleihen bremsen das weder Zins noch Dividende zahlende Gold momentan aus. Mittelfristig sollten jedoch die weiterhin positiven Fundamentaldaten den Goldpreisen wieder Rückenwind verleihen.
5. Eigene Fünfjahresprognose Der Goldpreis sollte aufgrund der oben genannten Annahmen – wie weiter stark ansteigende Nachfrage von Notenbanken und Kapitalsammelstellen zum Zwecke der Diversifizierung, anhaltend hohe Nachfrage in Ländern mit einer weiter wachsenden Mittelschicht (China, Indien, Teile Afrikas und Südamerikas) sowie ein möglicherweise etwas schwächerer Kurs des US-Dollars – weiteres Aufwärtspotenzial besitzen.
Zudem ist Gold auch in einigen industriellen Anwendungen gefragt. Wenngleich ein Niveau von 8.000 US-Dollar je Unze vielleicht etwas sportlich erscheint, könnte sich der Goldpreis zumindest deutlich in diese Richtung bewegen.
6. Risikoszenario Die stärksten Kursauswirkungen hätte vermutlich ein Kurswechsel der Notenbanken. 2023 und 2024 hat der Goldpreis demonstriert, dass er in einem ansonsten passenden Umfeld auch in Zeiten einer Aufwertung des US-Dollars und eines steilen Zinsanstiegs zulegen kann. Ein merklich festerer Kurs des US-Dollars könnte aber ebenfalls die Goldpreise in ihrem Vorwärtsdrang moderat bremsen.
7. Anlegerempfehlung Etwa fünf bis zehn Prozent als Absicherung eines Portfolios erscheinen sinnvoll. Die Rallye beeinflusste die Empfehlung eher gering, da Studien bereits zuvor für einen langen Zeitraum nachgewiesen haben, dass Gold zum einen die Volatilität eines Portfolios spürbar reduziert und zum anderen der Goldpreis gerade in Zeiten von Konjunkturdellen und Rückschlägen an Aktienmärkten zulegte – was die Performance des Portfolios stabilisierte.
Ulrich Stephan ist seit März 2010 Chief Investment Officer der Deutschen Bank und damit verantwortlich für die Markteinschätzungen und Anlagestrategien für Privat- und Firmenkunden in Deutschland. Zuvor war er Head of Private Banking Germany sowie in verschiedenen leitenden Funktionen im Wealth Management tätig. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche.