Wille vor Vermögen Studie sieht Nachholbedarf bei Nachlassplanung

Christian Hassel ist Bereichsvorstand Wealth Management und Private Banking bei der Commerzbank

Christian Hassel ist Bereichsvorstand Wealth Management und Private Banking bei der Commerzbank: „Mit einer geregelten Nachlassplanung geht man sicher, dass das erarbeitete Vermögen nach den eigenen Wünschen weitergegeben wird.“ Foto: Commerzbank

Bei der Vermögensübertragung ist den meisten Menschen der eigene Wille am wichtigsten. Der Wunsch, das Vermögen über die Generationen zu erhalten, folgt an zweiter Stelle. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Vermögen über Generationen sichern“ der Commerzbank. Dafür wurden 500 Personen ab 55 Jahren und mit einem persönlichen Nettoeinkommen von mehr als 4.000 Euro befragt. 45 Prozent der Befragten besitzen bis zu 100.000 Euro an Konto- und Wertpapiervermögen, bei 24 Prozent liegt das Vermögen zwischen 100.000 Euro und 250.000 Euro.

45 Prozent der Befragten haben gar kein Testament. Und nur 60 Prozent haben einer Vertrauensperson eine Konto- oder Depotvollmacht für den Notfall erteilt. „In den Gesprächen mit unseren Mandantinnen und Mandanten stellen wir immer wieder fest, hier gibt es Nachholbedarf“, sagt Christian Hassel, Bereichsvorstand Wealth Management und Private Banking der Commerzbank.

Mit einer geregelten Nachlassplanung gehe man sicher, dass das erarbeitete Vermögen nach den eigenen Wünschen weitergegeben werde, die Angehörigen in emotional schwierigen Zeiten geordnete Verhältnisse vorfänden und der Familienfrieden gewahrt bleibe, erläutert Hassel.

Handschriftliches Testament ist der Favorit

In der Regel werden im Testament Ehe- oder Lebenspartner am häufigsten bedacht, gefolgt von Kindern und Enkelkindern. Das handschriftliche Testament ist mit 59 Prozent die favorisierte Form, weil es jederzeit unkompliziert und ohne Anwaltskosten geändert werden kann.

Fast die Hälfte der Befragten findet Schenkungen und das damit verbundene Ausschöpfen von Freibeträgen sinnvoll. 29 Prozent schätzen daran, ihren Erbinnen und Erben schon zu Lebzeiten etwas Gutes tun zu können. Andere möchten damit Streit unter den Erbberechtigten vermeiden oder auf diese Weise den Vermögenserhalt steuern.

Mehrheit besitzt Konto- oder Wertpapiervermögen – Vollmacht fehlt jedoch

4 von 5 Befragten besitzen ein Konto- und Wertpapiervermögen. Dies wurde meist über die eigene Erwerbsarbeit angespart. Dabei ist eine erteilte Vollmacht wichtig – nicht nur im Todesfall. Denn ein Unfall oder Krankheit können dazu führen, dass der Besitzer handlungsunfähig wird. Dann können wichtige Bankgeschäfte nicht mehr selbstständig getätigt werden. „Eine Vollmacht ist nicht nur für Vermögende sinnvoll. Wir empfehlen all unseren Kundinnen und Kunden, für den Fall des Falles einer Vertrauensperson den Zugang zum Konto zu ermöglichen“, sagt Hassel.

Eigene Stiftung lohnt sich ab 1 Million Euro

14 Prozent der Studienteilnehmer haben Teile ihres Vermögens gestiftet oder wollen dies noch tun. Die Mehrheit von ihnen verspricht sich davon, etwas Sinnstiftendes zu tun. Es folgen steuerliche Erwägungen und die Begründung, keine Nachkommen zu haben. „Eine selbstständige Stiftung zu gründen ist ab einer Summe von etwa 1 Million Euro zu empfehlen“, erklärt Frank Heinsohn, Leiter des Nachlass- und Stiftungsmanagements der Commerzbank. Für Beträge darunter sei eine unselbständige Stiftung meistens die bessere Wahl.

 

„Grundsätzlich sollte sich jeder von uns besser früher als später mit dem Thema beschäftigen, bevor ein unerwartetes Ereignis die Fähigkeit zur Selbstbestimmung nimmt“, sagt Hassel zur Nachlassplanung. Je größer und komplexer das Vermögen sei, desto notwendiger werde eine strukturierte Nachfolgeregelung.


Die gesamte Studie finden Sie hier.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen