Neue Phase Commerzbank-Deal: So verlief das Gespräch zwischen Orcel und Klingbeil

Unicredit-Chef Andrea Orcel

Unicredit-Chef Andrea Orcel könnte bald am Ziel sein und die Commerzbank übernehmen: Am Montag traf er sich erstmals mit dem Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Bildquelle: IMago IMages / ZUMA Press Wire

Rund zwei Jahre lang hat die Bundesregierung Gesprächsangebote von Unicredit-Chef Andrea Orcel ausgeschlagen. Am Montagabend traf Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) in Berlin nun erstmals persönlich mit ihm zusammen.

Klingbeils Forderungskatalog 

Beide Banken befänden sich inzwischen in einer neuen Phase, gab ein Sprecher des Finanzministeriums nach dem Treffen bekannt. Sie verhandelten jetzt konkret über eine Transaktion, also über ein Zusammengehen. Dabei gehe es nicht mehr nur um die Frage einer feindlichen Übernahme, sondern darum, den besten Weg für beide Institute zu finden. Damit deutet sich ein Kurswechsel gegenüber der bisherigen Linie an, die auf Abwehr und Unabhängigkeit der Commerzbank gesetzt hatte. Wie ein „Zusammengehen“ am Ende konkret aussehen könnte, ließ der Sprecher offen.

Klingbeil selbst sprach nach dem Treffen von einem „konstruktiven Gespräch“ mit Orcel. Ein Ministeriumssprecher nannte drei Themen, die das Gespräch bestimmten: die Mittelstandsfinanzierung, der Finanzstandort Frankfurt und die Interessen der Beschäftigten.

Die Bundesregierung erwarte, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr Mittelstandsgeschäft im In- und Ausland fortführt. Darüber hinaus fordere der Bund, betriebsbedingte Kündigungen beim erwarteten Stellenabbau nach einer Übernahme zu vermeiden.

 

Orcel spricht von gutem Start

Auch Orcel äußerte sich nach dem Treffen positiv: Laut Medienberichten nannte er das Gespräch „gut und konstruktiv“ und kündigte zeitnah weitere Treffen an. Nun müssten beide Seiten das Gespräch reflektieren und gemeinsam einen Weg finden, der die Interessen aller Beteiligten bestmöglich berücksichtigt.

Hintergrund: ein zweijähriger Übernahmepoker

Die aktuelle Annäherung folgt auf einen langen Streit, den das private banking magazin seit dem Einstieg von Unicredit im Herbst 2024 begleitet. Merz und Klingbeil hatten sich lange gegen eine „unfreundliche“ Übernahme ausgesprochen und auf die Unabhängigkeit der Commerzbank gepocht. Im Herbst 2025 reagierte Unicredit darauf mit dem Angebot, mehr deutsche Vorstandsposten zu besetzen, um die Bundesregierung ins Boot zu holen.

Im April 2026 ging Unicredit dann in die Offensive: In einer eigenen Präsentation attestierte das Institut der Commerzbank strategische Schwäche und Überbewertung und kündigte an, im Übernahmefall rund 7.000 Vollzeitstellen in Deutschland zu streichen sowie das Auslandsnetz zu verkleinern. Die Commerzbank konterte im Mai 2026 mit ihrer Strategie „Momentum 2030“: Sie will die Eigenkapitalrendite bis 2030 auf 21 Prozent steigern, streicht dafür aber weitere 3.000 Stellen und verspricht ihren Aktionären, den gesamten Nettogewinn auszuschütten.

Im Juni 2026 eskalierte der Streit schließlich um die von Unicredit gemeldete Andienungsquote ihres Tauschangebots: Die Commerzbank warf den Italienern vor, ihre tatsächliche Beteiligung über Derivate zu verschleiern, und schaltete die Bafin ein. Im August 2026 rückte Unicredit der Übernahme dann einen Schritt näher: Die EZB startete ein Prüfverfahren zur Anerkennung einer qualifizierten Beteiligung, für das sie 60 Arbeitstage Zeit hat.

 

Die Ausgangslage

Unicredit hat ihren Anteil an der Commerzbank seit dem Einstieg 2024 kontinuierlich ausgebaut und hält nach aktuellen Angaben mittlerweile fast 50 Prozent der Anteile. Der Bund selbst ist mit rund 12 Prozent zweitgrößter Aktionär – ein Erbe der Commerzbank-Rettung während der Finanzkrise. Diese Beteiligung verschafft der Bundesregierung eine Schlüsselrolle in den nun anlaufenden Verhandlungen.

Die Formulierung „nicht nur feindliche Übernahme, sondern bester Weg für beide Banken“ liefert bislang das deutlichste Signal, dass Berlin von reiner Abwehr zu aktiver Verhandlungsführung übergeht. Offen bleibt, welche Form ein „Zusammengehen“ am Ende annimmt – eine einvernehmliche Übernahme mit Zugeständnissen bei Standort, Jobs und Governance, oder ein weitergehendes Strukturmodell. Beide Seiten kündigten weitere Gespräche an.

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