Für Klimavest Fonds Landgericht stoppt ESG-Werbung von Commerz Real

Justitia

Justitia: Die Richter monierten die bisherige Werbung auch wegen der Unklarheit von Begriffen wie „umweltfreundlich“, „umweltverträglich“ oder „umweltschonend“. Foto: IMAGO / Jan Huebner

Das Landgericht Stuttgart hat der Commerz Real Grenzen bei der Werbung für den Klimavest Fonds (ISIN: LU2183939003) gezogen. Konkret ist es der Gesellschaft künftig verboten, für den Fonds mit dessen positiver ökologischer Wirkung in einer Weise zu werben, dass der Verbraucher einen von der Investitionssumme abhängigen „CO2-Ausgleich“ als positive Wirkung auf den „persönlichen CO2-Fußabdruck“ unter Angabe konkreter Einsparergebnisse berechnen können soll. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

„Signal an die gesamte Branche“

Die Richter monierten die bisherige Werbung auch wegen der Unklarheit von Begriffen wie „umweltfreundlich“, „umweltverträglich“ oder „umweltschonend“, da durch diese die Irreführungsgefahr besonders groß sei. Die so beworbenen Produkte seien meist nur in Teilbereichen mehr oder weniger umweltschonender als andere Waren, so die Richter weiter. Unter diesen Umständen bestehe ein gesteigertes Aufklärungsbedürfnis der angesprochenen Kreise über Bedeutung und Inhalt der verwendeten Begriffe und Zeichen.

„Dieses Urteil ist nicht nur ein wichtiges und klares Signal an die gesamte Branche, sondern auch an den Gesetzgeber. Es zeigt deutlich, dass Nachhaltigkeit eine reine Marketingstrategie ist, solange weder belastbare Methoden zur Wirkungsmessung bestehen noch gesetzliche Definitionen und Kennzeichnungen. Verbraucherinnen und Verbraucher werden mit Werbeaussagen getäuscht“, sagt Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Um dem Einhalt zu gebieten, seien aber nicht nur Gerichte gefordert: „Wir brauchen ein gesetzliches Kennzeichnungssystem für nachhaltige Geldanlagen um irreführendes Greenwashing in den Griff zu bekommen.“

Die Commerz Real zeigte sich dennoch zufrieden. „Damit haben wir die von uns angestrebte Rechtssicherheit erreicht“, so Henning Koch, Vorsitzender des Vorstands der Commerz Real. „Die entsprechenden Änderungen auf der Website hatten wir bereits Ende letzten Jahres vorgenommen“. So wurde der ursprünglich hergestellte direkte Zusammenhang zwischen der Investition in den Fonds und dem persönlichen Kohlenstoffdioxid (CO2)-Fußabdruck entfernt und das Vermeidungsziel und dessen Bedingungen deutlicher dargestellt.