Private-Capital-Barometer Investoren treten bei Private Credit auf die Bremse

Jeremy Coller, Investmentchef und Managing Partner bei Coller Capital

Jeremy Coller, Investmentchef und Managing Partner bei Coller Capital Bildquelle: Coller

Noch im Winter 2025/26 wollten 42 Prozent der befragten Limited Partners ihre Private-Credit-Allokation erhöhen – jetzt sind es nur noch 29 Prozent. Die aktuelle Ausgabe der Private-Capital-Studie von Coller Capital, für die 108 LPs mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt über 2 Billionen US-Dollar befragt wurden, zeichnet ein differenzierteres Bild: Privatmärkte bleiben gesetzt, aber die Selektivität steigt.

Geopolitik beeinflusst Allokationsentscheidungen – besonders in Europa

37 Prozent der befragten LPs geben an, dass das geopolitische Umfeld ihre Allokationsentscheidungen auf den Privatmärkten stärker beeinflusst als früher. Nordamerikanische Investoren sind deutlich gelassener: Nur 23 Prozent von ihnen gewichten Geopolitik höher als bisher. In Europa und im asiatisch-pazifischen Raum sagen das dagegen jeweils knapp die Hälfte der Befragten (46 beziehungsweise 47 Prozent).

Das Grundvertrauen in Privatmärkte bleibt dennoch intakt. Ein Drittel der LPs erwartet, sein Investitionstempo in den nächsten zwei Jahren zu beschleunigen, 57 Prozent wollen es beibehalten.

Private Credit: Abkühlung bei Neuallokationen, Konsolidierung bei Managern

Der Rückgang bei den Aufstockungsabsichten trifft Private Credit stärker als andere Anlageklassen. Bei Infrastruktur fiel der Wert im gleichen Zeitraum von 39 auf 31 Prozent; bei Private Equity blieb er mit 31 Prozent annähernd stabil.

Bei der Managerwahl werden die LPs wählerischer. Neue Private-Credit-Fondsmanager gelten heute in allen Regionen mehrheitlich als weniger attraktiv. Das Kapital fließt zu etablierten Anbietern, mit denen die LPs bereits gewachsene Portfoliobeziehungen unterhalten. 2022 bevorzugte noch mehr als die Hälfte der LPs neue Manager in Nordamerika und Europa.

 

Diese Verschiebung dürfte zwei Ursachen haben: Zum einen haben LPs ihre Private-Credit-Portfolios in den vergangenen Jahren ausgebaut und konzentrieren sich nun auf das Bestehende. Zum anderen schlagen negative Medienberichte über Risiken in der Anlageklasse auf die Stimmung.

Dabei sehen nur 18 Prozent der LPs sehen ein systemisches Problem in der Anlageklasse. 53 Prozent sprechen von isolierten Risiken oberhalb der ursprünglichen Erwartungen, 29 Prozent sind mit dem Risikoniveau einverstanden. Eine Wissenslücke zeigt sich jedoch beim Thema Verlustquoten: Nur 49 Prozent der Befragten schätzen ihr Verständnis der erwarteten Verlustquoten in ihren Private-Credit-Portfolios als gut oder sehr gut ein – 45 Prozent stufen es lediglich als ausreichend ein.

Secondaries werden strukturell – nicht nur als Notlösung

Bereits im Sommer 2025 zeigte das Barometer, dass Investoren den Sekundärmarkt zunehmend als eigenständiges Instrument nutzen. Seitdem hat sich dieser Trend weiter verfestigt.

LPs erwarten, dass Private-Credit-Secondaries in den nächsten drei Jahren das proportional stärkste Wachstum im Sekundärmarkt verzeichnen werden – noch vor Private Equity, Infrastruktur und Venture Capital. 36 Prozent setzen Private Credit auf Rang eins.

Continuation Vehicles haben sich dabei als festes Strukturelement etabliert. 40 Prozent der LPs gehen davon aus, dass deren Aktivität weiter zunehmen wird – selbst dann, wenn sich die traditionellen Exit-Kanäle verbessern. Das GP-geführte Sekundärvolumen erreichte 2025 rund 106 Milliarden US-Dollar, ein Rekordwert.

Jeremy Coller, Chief Investment Officer und Managing Partner von Coller Capital, sieht darin keine vorübergehende Erscheinung: „Secondaries sind zu einem zentralen Weg zur Liquidität geworden und ein wesentlicher Bestandteil davon, wie LPs Kapital allokieren, Portfolios neu ausrichten und ein Engagement in Vermögenswerten halten, in die sie weiterhin überzeugt sind.“ IPOs und Secondaries seien keine konkurrierenden Wege zur Liquidität, sondern ergänzten sich gegenseitig.

GP-Beziehungen werden reduziert

Hintergrund ist auch eine anhaltende Spannung zwischen LPs und GPs über das richtige Exit-Timing: 39 Prozent der LPs meinen, GPs stellten Liquidität nicht früh genug bereit. 22 Prozent sagen, die besten Portfoliounternehmen würden zu früh verkauft. Nur 40 Prozent halten die Balance für richtig.

Die zunehmende Selektivität zeigt sich auch in der Breite der GP-Beziehungen. Fast ein Viertel der LPs (23 Prozent) erwartet, die Zahl seiner GP-Beziehungen in den nächsten drei Jahren zu verringern. 2020 waren es noch 16 Prozent. Gleichzeitig plant gut ein Drittel eine Ausweitung.

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