Frau Moledina, AAA-geratete CLO-Tranchen (Collateralized Loan Obligations) sind die vorrangig besicherten, am besten bewerteten Teile eines verbrieften Portfolios aus Unternehmenskrediten, die dank struktureller Kreditverbesserungen als besonders ausfallsicher gelten. Warum werden AAA-CLOs von Investoren als Cash-Alternative genutzt?
Janus Henderson Investors
Kareena Moledina: AAA-geratete CLO-Tranchen haben sich in den vergangenen Jahren als funktionaler „Cash-Ersatz“ in Portfolios etabliert. Der Grund liegt weniger in einem einzelnen Vorteil als vielmehr in der Kombination mehrerer struktureller Eigenschaften, die sie zwischen Geldmarkt und klassischen Anleihen positionieren.
Wo liegen die Qualitäten?
Moledina: AAA-CLOs haben eine kurze Laufzeit von meist unter fünf Jahren, sind variabel verzinst, tragen ein AAA-Rating und gelten als liquide Anlagen. Gleichzeitig bieten sie eine attraktive Rendite oberhalb von Cash-Erträgen. Der Vorteil der variablen Verzinsung liegt darin, dass sie sich an das Zinsumfeld anpasst. Damit ist sie weniger anfällig für Zinsänderungen. Es handelt sich folglich um eine hochwertige Möglichkeit, eine bessere Verzinsung zu erreichen. Und insgesamt ist die Volatilität in der Regel niedriger als bei Unternehmensanleihen. Kurz gesagt: Investoren erhalten eine attraktive Verzinsung bei vergleichsweise geringer Schwankung.
Demzufolge könnten AAA-CLOs in unsicheren Marktphasen wie derzeit ein Anlagebereich sein, den Investoren sich näher ansehen sollten?
Moledina: AAA-CLOs können gerade in unsicheren Marktphasen eine attraktive Portfolioergänzung sein, weil sie mehrere positive Effekte kombinieren. In der Praxis zeigt sich: Wenn man 10, 20 oder 30 Prozent AAA-CLOs in ein Portfolio integriert, steigen in der Regel die Gesamtrenditen, während die Schwankungsbreite sinkt. Dadurch verbessert sich das Verhältnis von Rendite zu Risiko – also auch die Sharpe Ratio.
AAA-CLOs bieten gerade in Zeiten der Unsicherheit eine Möglichkeit, das Portfolio gezielt umzubauen: hin zu mehr Diversifikation, hoher Qualität und gleichzeitig guter Liquidität.
Ein wesentlicher Vorteil ist die variable Verzinsung. Die Kupons sind an kurzfristige Zinssätze gekoppelt, wodurch die Anlagen kaum Zinsänderungsrisiken haben. Die Duration ist entsprechend sehr gering, und die Bewertungen reagieren deutlich weniger sensibel auf steigende Zinsen. Auch wenn AAA-CLOs ein Mark-to-Market Risko beinhalten, verhalten sie sich damit ähnlich wie Cash – allerdings mit einem zusätzlichen Renditeaufschlag.
Wie es scheint, dürfte eine volatile Zinsphase anstehen – nicht zuletzt angesichts des Iran-Konflikts?
Moledina: In einem Umfeld, in dem die Zinsen – auch vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten wie etwa des Iran-Konflikts – stärker schwanken könnten, stellt sich die Frage nach geeigneten stabilisierenden Anlagebausteinen. Genau in solchen Phasen können AAA-CLOs ihre Stärken ausspielen. Zwar weiten sich in Stressphasen wie im ersten Quartal dieses Jahres, vor allem im März, auch bei AAA-CLOs die Risikoaufschläge aus – ähnlich wie bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Dennoch bleibt die Anlageklasse insgesamt robuster und erzielt im Vergleich oft höhere Gesamtrenditen.
Gerade in volatilen Marktphasen haben sich AAA-CLOs als vorteilhaft erwiesen – nicht nur im aktuellen Quartal, sondern auch in früheren Stressphasen wie der Covid-Pandemie oder dem Inflationsschock 2022. Im Vergleich zu Investment Grade, High Yield, europäischen Unternehmensanleihen oder Aktien zeigen sie in volatilen Phasen eine insgesamt stabilere Wertentwicklung.
Wie hoch liegt die Rendite von AAA-CLOs derzeit?
Moledina: Die Rendite von AAA-CLOs ist im Vergleich zu anderen hochwertigen Anlageklassen attraktiv, insbesondere im Verhältnis zum eingegangenen Kreditrisiko. Aktuell liegt die Verzinsung von europäischen AAA-CLOs bei rund 4 Prozent. Zum Vergleich: Investment-Grade-Unternehmensanleihen (IG Corporates) bieten etwa 3,7 Prozent – bei einer durchschnittlichen Bonität von A-. Selbst im unteren Bereich des Investment-Grade-Segments, also bei BBB-Unternehmensanleihen, liegt die Rendite derzeit bei etwa 3,9 Prozent.
Das bedeutet: AAA-CLOs bieten eine leicht höhere Rendite als klassische Investment-Grade-Anleihen, obwohl sie gleichzeitig eine sehr hohe Bonität und ein geringes Volatilitätsprofil aufweisen.
Viele Investoren empfinden CLOs als komplex – ist dieser Eindruck aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?
Moledina: Viele Investoren sprechen bei CLOs von einer Art „Komplexitätsprämie“. Ich würde das jedoch anders einordnen: Es geht weniger um Komplexität als vielmehr um eine Spezialistenprämie – also eine Vergütung für das nötige Fachwissen.
Um CLO-Transaktionen richtig beurteilen zu können, muss man sehr genau verstehen, welche Kredite im Portfolio enthalten sind. Ebenso wichtig ist es, die Struktur der Transaktion und die vertraglichen Dokumente im Detail zu kennen. Dazu kommt die sorgfältige Evaluierung des CLO-Managers, also dessen Entscheidungsprozesse und der Historie.
Ein CLO-Investor, wie wir es sind, ist ein Spezialist: Er muss die Liquidität des Instruments, regulatorische Rahmenbedingungen und die konkrete Struktur der jeweiligen Transaktion treffsicher bewerten können. Kein CLO ist identisch mit einem anderen.
Wichtig ist außerdem der Blick auf mögliche Risiken im Extremfall – etwa ob sich problematische oder ausfallgefährdete Kredite im Portfolio befinden und wie sich das gesamte Konstrukt in unterschiedlichen Marktphasen verhält.
All das erfordert spezialisierte Expertise sowie den Einsatz moderner Technologie und Datenanalyse, um die Risiken laufend bewerten zu können. Genau deshalb handelt es sich nicht um eine Komplexitätsprämie, sondern um eine Vergütung für tiefgehendes Spezialwissen und die Fähigkeit, diese Strukturen professionell zu analysieren.
Was unterscheidet AAA-CLOs strukturell von klassischen Investment-Grade-Anleihen oder Geldmarktinstrumenten?
Moledina: Der zentrale Unterschied liegt in der Struktur: AAA-CLOs profitieren von einer mehrstufigen Absicherung innerhalb des Portfolios – das ist einer ihrer wichtigsten Vorteile.
Bei den Zahlungsströmen stehen AAA-CLO-Anleihen ganz oben in der Kapitalstruktur. Wer eine AAA-CLO-Tranche hält, wird bei den laufenden Cashflows zuerst bedient. Das Rating von CLO-Anleihen spiegelt ihre Position in der Auszahlungsrangfolge wider, und es besteht eine klare Zahlungspriorität zugunsten dieser obersten Stufe. Das unterscheidet sie grundlegend von klassischen Unternehmensanleihen, bei denen bei denen das Kreditrating das allgemeine Kreditrisiko des Emittenten widerspiegelt und nicht einen vorrangigen Anspruch auf Cashflows.
In der Praxis ist ein CLO von einem gebündelten Kreditportfolio gestützt: Fällt ein einzelner zugrunde liegender Kredit aus, wird dieser Verlust zunächst von den nachrangigen Tranchen aufgefangen. Die AAA-Tranche bleibt davon in der Regel unberührt, solange die Puffer in den unteren Strukturen ausreichen.
Hält ein Investor die AAA-Tranche einer CLO-Struktur, genießt er in der Regel ein hohes Maß an Schutz. Können Sie das anhand eines Beispiels erläutern?
Moledina: Die First Brands Group, ein bedeutender Automobilzulieferer, stellte im Herbst 2025 einen Antrag auf Gläubigerschutz, mit Verbindlichkeiten von über einer Milliarde US-Dollar. Auslöser waren verborgene Schulden, mutmaßlicher Betrug und eine gescheiterte Refinanzierung. Der Zahlungsausfall legte dabei nicht offengelegte, außerbilanzielle Verbindlichkeiten in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar offen.
Solche Kredite können auch in CLO-Strukturen enthalten sein. Entscheidend ist dort die Risikoverteilung: Ein CLO-Manager darf in der Regel nur einen kleinen Anteil eines einzelnen Kredits halten, wodurch Risiken breit gestreut werden. Kommt es zu einem Ausfall, trifft dieser zunächst die nachrangigen Tranchen wie Equity oder Junior-Stufen. Die AAA-Tranche bleibt in der Regel geschützt, da Verluste erst entstehen, wenn diese unteren Puffer vollständig aufgezehrt sind.
Im Gegensatz zu klassischen Unternehmensanleihen sorgt diese Struktur für einen zusätzlichen Schutzmechanismus: Ein einzelner Kreditausfall führt nicht automatisch zu Verlusten in der AAA-Tranche. Genau daraus resultiert die hohe Stabilität von AAA-CLOs – selbst in Stressphasen wie der Finanzkrise bleiben sie historisch gesehen äußerst ausfallsicher.
AAA-CLOs sind in Phasen steigender Ausfallraten oder wirtschaftlicher Belastung folglich extrem widerstandsfähig?
Moledina: AAA-CLOs haben bislang keinen einzigen Zahlungsausfall erlebt – selbst nicht während der globalen Finanzkrise. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Kreditinstrumenten, insbesondere zu Unternehmensanleihen.
In Stressphasen zeigen sich AAA-CLOs widerstandsfähig. In der Corona-Krise Anfang 2020 etwa gehörten sie neben Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren zu den wenigen festverzinslichen Anlagen, die überhaupt noch liquide handelbar waren. Zwar sind CLOs keine klassischen Geldmarktinstrumente, aber die AAA-Tranchen gelten im strukturierten Kreditmarkt als vergleichsweise liquide. Kurz gesagt: In Stressphasen bleiben AAA-CLOs stabil und gut handelbar – und bieten Investoren damit eine verlässliche Möglichkeit, auch in schwierigen Marktphasen schnell Liquidität zu schaffen.
Zusammengefasst: Für Anleger sind AAA-CLOs besonders attraktiv: Sie kombinieren stabile und hochwertige Erträge mit einer hohen Einsetzbarkeit im Liquiditätsmanagement. Gerade in Phasen steigender Ausfälle oder wirtschaftlicher Unsicherheit bieten sie damit einen seltenen Mix aus Stabilität und Liquidität.
Zur Person:
Kareena Moledina ist Client Portfoliomanager Lead, EMEA bei Janus Henderson Investors. Sie ist seit 2022 für die Leitung der EMEA-Kundenportfolio-Managementgruppe verantwortlich und seit ihrer Ernennung zur Kunden-Portfoliomanagerin im Jahr 2021 für Multi-Sektor-Kredit-, verbriefte Anleihen und Unternehmenskreditstrategien verantwortlich.
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