Vater und Sohn Budelmann im Interview „Als Duo kommen wir nicht so schlecht an“

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Wenn Sie sagen, „ich bin ein Menschenfreund“, hat das auch eine ganz andere emotionale Ladung als der Satz „Ich habe ein großes Netzwerk“.

Claus-Günther Budelmann: Ich kann diesen Begriff Netzwerker nicht hören. Vielleicht kennen Sie das: Auf einem Empfang begrüßt Sie jemand, und während Sie mit ihm sprechen, schaut er sich permanent um, ob jemand Interessanteres reinkommt. Das spiegelt diese Attitüde wider. Ich habe immer den Weg der „passiven Akquisition“ verfolgt. Die Leute wissen ja, was ich mache. Und wenn Sie mir vertrauen und mich mögen, kommen Sie irgendwann zu mir.

„Wenn man einen Beruf ergreift, gibt es meist einen idealistischen Kern.“

Machen Sie sich Sorgen um den Ruf des Bankers?

Claus-Günther Budelmann: Nein, die mache ich mir nicht. Ich mache mir eher Sorgen um die Menschen, die in unserer Branche tätig sind. Die unter Druck stehen und sich auch selbst unter Druck setzen.

Till Christian Budelmann: Wenn man einen Beruf ergreift, gibt es meist einen idealistischen Kern. Im Banking, muss man ehrlicherweise sagen – und das hat sich verstärkt über die Zeit –, kommen viele in die Branche, weil sie viel Geld verdienen wollen. Umso wichtiger ist es, bei der Mitarbeiterauswahl darauf zu achten, Leute zu finden, die diese Werte teilen, die mein
Vater gerade beschrieben hat.

Am Ende ist eine Bank eine kaufmännische Veranstaltung. Und wenn man sieht, dass beispielsweise eine Berenberg mit einer Kapitalerhöhung viel mehr Geld verdient als im Plain-Vanilla-Beratungsgeschäft, verschieben sich auch die Gewichte ...

Till Christian Budelmann: Das stimmt. Und die Kulturen, weil die Banker, die das Investmentbanking betreiben, eine andere Kultur leben. Und das schwappt dann in die ganze Bank. Das ist nicht besser oder schlechter, aber eben anders. Sowas haben wir bei Bergos aber nicht. Wir machen kein Investmentbanking, sondern Vermögensverwaltung.

Till Christian Budelmann, Geschäftsleitungsmitglied und Investmentchef der Bergos Privatbank.
Till Christian Budelmann, Geschäftsleitungs-
mitglied und Investmentchef der Bergos
Privatbank. © Anna Mutter/pbm

Geben Sie uns doch mal einen Einblick in die Gründungsgeschichte von Bergos.

Claus-Günther Budelmann: Berenberg war nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge des
Wiederaufbaus der Republik und des großen Exports lange zu 80 Prozent Commercial Bank und nur zu geringen Teilen eine Wertpapierbank. Sehr stark war die Bank im Außenhandelsfinanzierungsgeschäft. Von den internationalen Kunden gab es immer größer werdendes Interesse Richtung Geldanlage in Europa und eben auch in der Schweiz. Wir haben lange mit uns befreundete Schweizer Banken empfohlen – Pictet, Julius Bär, Rahn+Bodmer. Ich habe dann vorangetrieben, dass wir selbst in der Schweiz aktiv werden, und 1988 wurde die Berenberg Schweiz gegründet.

Wie ist daraus die eigenständige Bergos entstanden?

Claus-Günther Budelmann: 2018 hat Berenberg unserem CEO und dem Verwaltungsrat mitgeteilt, dass sie die Schweizer Bank verkaufen wollen. Das wurde dann im Verwaltungsrat diskutiert, der mit herausragenden Schweizer Unternehmerpersönlichkeiten besetzt ist. Ich konnte zum Beispiel Michael Pieper, Eigentümer der Franke Holding, und Adrian Keller von
DKSH schon vor rund 25 beziehungsweise 17 Jahren für uns gewinnen. Die beiden stellten dann die Frage: ,Warum kaufen wir die Bank nicht?‘ und haben mich als denjenigen, der die Bank 1988 gegründet hatte und seitdem im Verwaltungsrat war und auch die aktive Geschäftsleitung
hatte, gebeten, sich ebenfalls zu beteiligen. Außerdem konnten wir noch Andreas
Jacobs und Sylvie Mutschler-von Specht, eine Großnichte von Baron Heinrich von
Berenberg-Gossler, als Aktionäre gewinnen. 2018 wurden zunächst 80,1 Prozent übernommen und dann zum 1. Januar 2021 planmäßig die restlichen Anteile. Bei der zweiten Tranche sind dann noch die Hamburger Immobilienunternehmer Hendrick de Waal und Hans-Wilhelm Jenckel von DWI dazugekommen, sodass die Bank seitdem zu 100 Prozent in privaten Händen ist.