private banking magazin: Herr Linden, mit Blick auf den Ruhestand und die neuen gesetzlichen Regelungen zum Altersvorsorge-Depot: Haben Menschen, die sich auf die Rente vorbereiten, wieder Grund zur Freude?
Patrick Linden: Es ist grundsätzlich gut, dass die Bundesregierung jetzt für die Menschen, die in den Ruhestand gehen, etwas macht. Jetzt wird der Fokus sehr stark auf die Kosten gelegt, ein Learning aus der Riester-Rente, bei der die Vertriebskosten an der Rendite gezehrt haben. Auch die Absicherungsgarantien für das Kapital schmälerten die Rendite. Wie die neue gesetzliche Regelung im Detail ausgestaltet sein wird, müssen wir uns dann nochmal ansehen. Das Altersvorsorge-Depot richtet sich allerdings vorrangig an Menschen, die mitten in ihrer beruflichen Karriere stehen und noch viel Zeit zum Ansparen haben.
Wir bei Clartan Associés richten uns mit dem Ruhestands-Portfolio an Menschen, die sich ein gewisses Vermögen aufgebaut haben und jetzt den Erhalt und Konsum ihres Kapitals anstreben. Für diese Menschen gibt es unserer Erfahrung nach noch nicht ausreichend Orientierung. Genau hier sehen wir bislang eine Versorgungslücke im Markt und daher großes Wachstumspotenzial.
Während sich bislang viele Angebote entweder an junge Menschen in der Vermögensaufbauphase oder an sehr wohlhabende Standardkunden – den zahlungskräftigen Zahnarzt! – richten, fehlt es oft an spezifischen Lösungen für den Übergang in die Entsparphase. Und genau dieser Bereich gewinnt angesichts der demografischen Entwicklung deutlich an Bedeutung.
Wer gespart hat oder erbt – was sollte man jetzt über das Clartan-Ruhestandskonzept wissen?
Linden: Wir sind seit rund 15 Jahren im B2B-Geschäft in Deutschland aktiv und haben parallel auch eine direkte Betreuung für vermögende Privatkunden aufgebaut, die sich eine persönliche Ansprache wünschen. Unser Schwerpunkt bleibt jedoch klar im institutionellen Bereich – insbesondere mit einem Konzept, das auf die Bedürfnisse von Ruheständlern zugeschnitten ist.
Dabei wollen wir mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen: Dass man im Ruhestand grundsätzlich kein Risiko mehr eingehen dürfe und Volatilität komplett aus dem Portfolio verschwinden müsse. Auch die bekannte Faustregel „100 minus Lebensalter“ für die Aktienquote ist aus unserer Sicht überholt und wird der heutigen Lebenserwartung und Kapitalmarktrealität nicht mehr gerecht.
Entscheidend ist vielmehr eine intelligente Kombination: ein wachstumsorientierter Aktienanteil und ein defensiv ausgerichteter Rentenbaustein können so strukturiert werden, dass regelmäßige Cashflows für die Lebenshaltung entstehen, ohne dass das Vermögen zwangsläufig aufgezehrt wird.
Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt das Problem klassischer Entnahmestrategien: Bei einem Vermögen von 250.000 Euro und einer monatlichen Entnahme von 1.000 Euro wäre das Kapital nach rund 20 Jahren aufgebraucht. Gleichzeitig steigt aber gerade im höheren Alter oft der Kapitalbedarf wieder an – etwa durch Pflegekosten oder unvorhergesehene Ausgaben.
Deshalb ist unser Ansatz ein anderer: Das Kapital soll mindestens erhalten bleiben, idealerweise sogar weiterentwickelt werden. Und wenn am Ende noch Vermögen vorhanden ist, profitieren davon gegebenenfalls auch die Erben.
Lassen Sie uns einen Blick in die Mechanik des Ruhestands-Portfolios werfen.
Linden: Wir arbeiten dabei mit zwei bewährten Fonds, dem Clartan Valeurs und dem Clartan Patrimoine. Beide zählen mit einer Historie von rund 35 Jahren zu den ältesten aktiv gemanagten Mischfonds in Europa. Der Blick auf diese lange Historie zeigt: Trotz zahlreicher Krisen an den Kapitalmärkten hätten Anleger mit diesen Strategien langfristig sehr solide Ergebnisse erzielen können. Auf dieser Grundlage lässt sich auch heute ein realistischer Orientierungsrahmen ableiten, wie hoch regelmäßige Entnahmen sein können, ohne das Vermögen dauerhaft anzugreifen.
Wichtig ist dabei: Diese Berechnungen sind immer mit Unsicherheiten verbunden – etwa durch künftige Steuern oder die schleichende Wirkung der Inflation, die die Kaufkraft mindern kann.
Aber zum Vergleich: Wer sein Geld klassisch auf dem Sparbuch parkt, erzielt aktuell oft nur Zinsen im Bereich von 0,1 bis 0,5 Prozent. Werden daraus monatlich größere Beträge entnommen, ist klar, dass das Kapital über die Zeit zwangsläufig sinkt.
Mit unserem Ruhestands-Portfolio setzen wir genau hier an: Ziel ist es, stabile Erträge und Wachstum so zu kombinieren, dass regelmäßige Entnahmen möglich sind, ohne dass das Vermögen systematisch aufgezehrt wird.
Aktienfonds unterliegen einer gewissen Marktschwankung. Wie geht Clartan Associés mit diesem Punkt im Ruhestands-Portfolio um?
Linden: Der Kunde entscheidet zunächst selbst, welches Risikoniveau zu seiner Situation passt. Der defensivere Baustein, der Clartan Patrimoine (Risikoklasse 2), weist dabei eine sehr geringe Schwankung von unter 3 Prozent auf. Der größere Teil des Vermögens – in der Regel rund 80 bis 90 Prozent – wird im wachstumsorientierten Clartan Valeurs investiert. Der kleinere Anteil von 10 bis 20 Prozent bleibt im defensiven Fonds und dient als Entnahmebaustein.
Einmal im Jahr wird der defensive Clartan-Patrimoine-Topf wieder aus dem Clartan Valeurs neu befüllt, in einer Höhe, die vorher mit dem Kunden definiert wird. Will der Kunde monatlich 2.000 Euro entnehmen, kommen zu Jahresbeginn 28.000 bis 30.000 Euro in den defensiven Topf.
Die Struktur erlaubt eine sehr flexible Planung. Ruheständler können genau festlegen, welche monatlichen Auszahlungen, die am 1. oder 15. des Monats auf das Konto kommen, sinnvoll sind, um das Vermögen über einen Zeitraum von beispielsweise 25 Jahren zu erhalten.
Der entscheidende Unterschied zur klassischen Geldanlage: Durch die systematische Strukturierung und die Kombination aus Wachstum und Entnahme bleibt das Kapital deutlich stabiler erhalten als bei einer reinen Sichteinlage auf dem Sparbuch, bei der das Vermögen durch laufende Entnahmen schrittweise aufgezehrt würde.
Die Kapitalmärkte haben in den vergangenen Jahren von wenigen großen Technologieunternehmen profitiert. Wie sollte ein Ruhestandsdepot heute aufgestellt sein, damit Anleger von Wachstum profitieren, ohne im Alter zu hohe Klumpenrisiken einzugehen?
Linden: Als Anbieter eines vermögensverwaltenden Aktienfonds legen wir sehr hohe Anforderungen an die Qualität der Unternehmen, in die wir investieren. Unser Leitgedanke „Quality and Value Investing“ bringt diesen Ansatz auf den Punkt.
Im Fokus stehen Qualitätsunternehmen mit stabilen und gut nachvollziehbaren Geschäftsmodellen. Entscheidend ist, dass die künftige Entwicklung möglichst gut einschätzbar ist. Dafür achten wir auf hohe Transparenz, verlässliche Ertragsquellen und eine solide Unternehmensführung. Im Portfolio des Clartan Patrimoine befinden sich rund 50 Titel, die global breit diversifiziert sind. Wichtige Kriterien sind dabei eine stabile Auftragslage, erfahrenes Management sowie eine geografische Streuung über verschiedene Regionen und Märkte hinweg. Sollten sich bei einem Unternehmen Risiken oder Warnsignale zeigen, reagieren wir konsequent und können Positionen auch kurzfristig verkaufen.
Dieses Prinzip hat sich bewährt: Seit der Auflage des Fonds im Jahr 1991 zielt der Ansatz darauf ab, das Kapital langfristig zu stabilisieren und vor realem Wertverfall bestmöglich zu schützen.
Der Anlagehorizont soll sich auf Jahrzehnte erstrecken – wie sorgt Clartan Associés dafür, dass nicht nur die Portfolios, sondern auch der Asset Manager selbst mit ruhiger Hand geführt wird?
Linden: Wir feiern im Jahr 2026 unser 40-jähriges Bestehen. Von den drei Gründungsmitgliedern ist heute noch einer aktiv im Unternehmen, wird aber 2028 in den Ruhestand gehen. Zwei Gründungsmitglieder sind vor Jahren in den Ruhestand gegangen. Die zweite Generation prägt damit die Entscheidungen maßgeblich, während die dritte Generation bereits in die Verantwortung hineinwächst.
Für Anleger ist dabei wichtig: Clartan Associés ist eine Partnergesellschaft, die zu 100 Prozent den Mitarbeitenden gehört. Das heißt, es gibt keinen externen Eigentümer und keine Gründerfamilie, die im Hintergrund entscheidet. Diejenigen, die das Unternehmen führen, managen auch die Fonds und stehen mit ihrem eigenen Kapital und ihrer Verantwortung dafür ein.
Der Weg zum Partner ist klar geregelt. Mitarbeitende werden für zentrale Funktionen – etwa Geschäftsführung, Fondsmanagement oder Vertrieb – vom Partnergremium ausgewählt. Anschließend beteiligen sie sich finanziell am Unternehmen. Dieses Modell sorgt für ein hohes Maß an persönlicher Verantwortung und langfristiger Bindung.
Natürlich kommt es auch vor, dass Mitarbeitende das Haus verlassen.
Linden: Ja, aber dennoch zeigt die Erfahrung der vergangenen 15 Jahre: Die Kontinuität ist außergewöhnlich hoch. Was mir in den 15 Jahren, in denen ich für Clartan Associés tätig bin, auffällt, ist, dass ich von Kunden und Branchenpartnern höre: Herr Linden, Sie sind immer noch da – bei anderen Anbietern sind schon fünf Mal neue Mitarbeiter mit neuer Visitenkarte aufgeschlagen, um jedes Mal eine neue Story zu verkaufen. Sie hingegen erzählen über 15 Jahre immer das Gleiche – aber im Ergebnis sehen wir, dass die Strategie Früchte trägt.
Genau diese Stabilität ist Teil unseres Selbstverständnisses. Wir sind so aufgestellt, dass Clartan Associés auch in 30 oder 50 Jahren weiterhin als unabhängiger Vermögensverwalter am Markt bestehen kann.
Ein großer US-Anbieter, der auf den deutschen Markt drängt, will für Tagesgeld bis zu 4 Prozent p.a. zahlen: Ist es sinnvoll, ab 65 Jahren sein Kapital auf Tagesgeld anzulegen?
Linden: Solche Angebote wirken auf den ersten Blick attraktiv, es handelt sich dabei aber häufig um kurzfristig orientierte Lockangebote, damit die Kunden parallel weitere Produkte des Anbieters kaufen. Zu beachten ist, dass Tagesgeldzinsen nicht garantiert sind und sich jederzeit ändern oder deutlich sinken können. Es gibt keine Garantie, dass diese Zinsen langfristig gezahlt werden. Tagesgeld bietet in der Regel nur einen Inflationsausgleich, häufig sogar weniger. Sobald regelmäßig Entnahmen erfolgen, entsteht real betrachtet oft ein schleichender Wertverlust.
Für unsere Kunden stellt sich meist eine ganz andere Frage. Wer eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommt, eine Immobilie veräußert, seine Firma verkauft hat oder erbt, und nun eine Schubkarre voll Geld zukunftsfest für einen Zeitraum von 15 oder 20 Jahren anlegen will, kommt zu uns.
Wer gesund in den Ruhestand geht, hat statistisch gesehen noch zwei Jahrzehnte oder mehr vor sich. Das ist kein kurzfristiger Anlagehorizont, sondern ein Zeitraum, in dem eine langfristig ausgerichtete Aktienanlage sinnvoll sein kann – wenn sie strukturiert und passend zum persönlichen Bedarf umgesetzt wird.
Kürzlich wurde eine wichtige Rheinbrücke in Bonn wegen struktureller Schäden gesperrt. Finden die Kunden mit ihren Schubkarren noch zu Ihnen?
Linden: Auf jeden Fall. Sie können die innerstädtische Rheinbrücke und die Südbrücke nutzen. Bestehende Fährverbindungen gewinnen durch die Sperrung der Nordbrücke deutlich an Bedeutung. Es gibt diverse Möglichkeiten, man muss ein bisschen Geduld haben. Wir stehen jederzeit bereit, um unsere Kunden zu empfangen.
Zur Person:
Patrick Linden begann seine Karriere in führenden Finanzinstituten wie Standard & Poor’s, BNP Paribas und Deutsche Bank. Diese Erfahrungen verschafften ihm ein tiefes Verständnis europäischer Märkte und unterschiedlicher Investmentkulturen. 2011 trat er Clartan Associés bei, um die deutsche Niederlassung in Bonn aufzubauen. Der Diplom-Volkswirt und Bankkaufmann verkörpert den kollegialen Geist des Hauses, entwickelt den deutschen Standort kontinuierlich weiter und stellt seine internationale Erfahrung in den Dienst der Kunden.