„Unglaublich Geschmacklos" Hedgefonds-Milliardär wirft Trumps Machtzirkel Selbstbereicherung vor

Ken Griffin bezeichnete die Einmischung der Regierung in die Geschäfte amerikanischer Unternehmen als „widerlich" und „geschmacklos".

Ken Griffin bezeichnete die Einmischung der Regierung in die Geschäfte amerikanischer Unternehmen als „widerlich„ und „geschmacklos“. Bildquelle: Imago Images / UPI Photo

Ken Griffin, Gründer und CEO des Hedgefonds Citadel, hat die Trump-Regierung ungewöhnlich scharf kritisiert. Der 57-jährige Milliardär bezeichnete die Einmischung der Regierung in die Geschäfte amerikanischer Unternehmen auf einer Konferenz Wall Street Journal in West Palm Beach als „unglaublich geschmacklos".

„Wenn die US-Regierung beginnt, sich in die Wirtschaft einzumischen auf eine Art, die nach Vetternwirtschaft schmeckt, dann finden das die meisten CEOs, mit denen ich befreundet bin, unglaublich geschmacklos", sagte Griffin. „Die meisten CEOs wollen sich nicht in der Situation wiederfinden, sich bei einer Regierung nach der anderen anbiedern zu müssen, um ihr Geschäft erfolgreich zu führen."

Kritik an Staatseinmischung und Bereicherung

Griffin kritisierte die Bundesregierung dafür, in privatwirtschaftliche Unternehmen zu investieren – eine Praxis, die seiner Meinung nach auch unter den Obama- und Biden-Regierungen stattfand. Unter Präsident Trump störe ihn jedoch zusätzlich, dass Geschäftsabschlüsse Familienmitglieder des Präsidenten und anderer Regierungsvertreter bereicherten.

Als Beispiel nannte er die 500-Millionen-Dollar-Investition von Vertrauten eines Abu-Dhabi-Prinzen, die kurz vor der Amtseinführung eine 49-Prozent-Beteiligung an der Kryptowährungsfirma der Trump-Familie erwarben. Über dieses Geschäft hatte das „Wall Street Journal" berichtet.

 

„Diese Regierung hat definitiv Fehltritte begangen, indem sie Entscheidungen oder Kurse gewählt hat, die sehr, sehr bereichernd für die Familien derjenigen in der Regierung waren", sagte Griffin. „Das wirft die Frage auf: Wird hier das öffentliche Interesse bedient?"

Trump-Vermögen stark gewachsen

Bloomberg berichtete 2025, dass Trump sein Vermögen innerhalb weniger Monate auf rund 5,4 Milliarden US-Dollar verdoppelt habe. In diesem Zeitraum wurden milliardenschwere Immobiliengeschäfte, ein Social-Media-Unternehmen und ein Krypto-Projekt vorangetrieben.

CEOs fürchten Social-Media-Boykotte

Griffin, der im Wahlzyklus 2024 mehr als 100 Millionen Dollar an konservative Kandidaten und Projekte spendete, entwickelte sich im vergangenen Jahr zu Trumps lautestem Kritiker an der Wall Street. Er erklärte, andere CEOs hätten derzeit Angst, sich zu sozialen und politischen Themen zu äußern, weil sie einen durch soziale Medien befeuerten Produktboykott befürchteten.

„Die Macht der sozialen Medien, Millionen oder Dutzende Millionen Verbraucher zu einer Produktentscheidung zu bewegen, ist wirklich beängstigend für Unternehmensleiter", sagte Griffin. „Und ich denke, das hat sie in eine sehr zurückgezogene Position gebracht. Ist es wirklich gut, dass die Menschen, die die Arbeitsplätze schaffen, die wir alle in unserem Leben brauchen – wollen wir wirklich, dass ihre Stimmen vollständig zum Schweigen gebracht werden?"

Republikanischer Großspender ohne Trump-Unterstützung

Griffin spendete zwar mehr als 100 Millionen Dollar an konservative Kandidaten und Projekte während des Wahlzyklus 2024, gab jedoch kein Geld für Trumps Wiederwahlkampagne. Nach Trumps Wahlsieg spendete Griffin allerdings eine Million Dollar an das Amtseinführungskomitee des Präsidenten.

Das Weiße Haus wies Griffins Vorwürfe zurück. Ein Sprecher erklärte gegenüber der „Financial Times", das einzige „Sonderinteresse" der Regierung sei „das beste Interesse des amerikanischen Volkes". Als Beleg nannte er Allzeithochs bei Aktienindizes, steigende Reallöhne und eine abkühlende Inflation seit Trumps Amtseinführung im Januar 2025.

Auch Lob für einzelne Trump-Entscheidungen

Trotz seiner Kritik lobte Griffin bestimmte Maßnahmen der Trump-Regierung. Dazu gehörten die Bemühungen zur Sicherung der Grenze zu Mexiko sowie die Nominierung von Kevin Warsh als Chairman der Federal Reserve, die er als „solide Entscheidung" bezeichnete.

 

„Es gab viele Debatten darüber, ob diese Regierung die Unabhängigkeit der Fed untergraben würde, und ehrlich gesagt haben sie einige Dinge getan, die diese Frage berechtigt erscheinen ließen", sagte Griffin. „Aber die Wahl des Präsidenten ist meiner Meinung nach eine starke Bekräftigung, dass die Fed die notwendige Unabhängigkeit bei politischen Entscheidungen behalten wird."

Politische Ambitionen nicht ausgeschlossen

Griffin, der 2022 Citadel von Chicago nach Florida verlegte, schloss eine künftige politische Karriere oder eine Tätigkeit in der Regierung nicht aus. „Es kann sein, dass ich mich zu einem späteren Zeitpunkt meines Lebens im öffentlichen Dienst engagieren werde", sagte er und fügte hinzu, dass dies jedoch noch viele Jahre entfernt sei. „Ich konnte meine Stimme bei wichtigen Themen einbringen, und ich danke, dass ich das Land in kleinen Schritten in gute Richtungen gelenkt habe."

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