Es gibt Persönlichkeiten, die wirken, als seien sie schon immer da gewesen. Gerade in einer überschaubaren Branche, wie dem Umfeld Finanzen, werden solche Konstanten besonders sichtbar. Christoph Bergweiler von JP Morgan Asset Management ist ohne Zweifel eine dieser Persönlichkeiten.
Umso mehr freut es uns, anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums bei JP Morgan Asset Management, mit ihm unseren für diese Anlässe erstellten Fragenkatalog zu durchlaufen: 25 Fragen an Christoph – persönlich und beruflich.
Christoph reiht sich damit in eine exklusive Runde ein. Vor ihm standen erst Selina Piening (30 Jahre) und Herausgeber Malte Dreher selbst (20 Jahre) Rede und Antwort. Bergweiler ist damit der Dritte im Bunde.
Malte Dreher: Christoph, was waren deine ersten bewussten Erfahrungen mit Geld?
Christoph Bergweiler: Um ehrlich zu sein, kamen die erst etwas später. Ich bin in einem kleinen Dorf an der Mosel aufgewachsen, wo es einen kleinen Laden gab. Ich konnte dort anschreiben lassen und am Monatsende hat mein Vater die Rechnung für uns als Familie beglichen. Das Thema Geld war also zuerst eher abstrakt.
Wie viel Taschengeld hast du bekommen – und wofür hast du es ausgegeben?
Bergweiler: Mit dem Wechsel auf ein Internat gab es wöchentlich Taschengeld, abgestimmt auf die Klassenstufe, also in der 5. Klasse gab es 5 D-Mark und so weiter. Davon habe ich Freibadbesuche oder das nächste Yps-Heft bezahlt.
Hast du schon in der Schulzeit gearbeitet oder Ferienjobs gemacht?
Bergweiler: Ich komme aus einer Winzerfamilie, da gab es immer Bedarf an „helfenden Händen“ im Weinberg. Dies wurde mit einem extra Taschengeld belohnt.
Wann hast du zum ersten Mal den echten Wert von selbst verdientem Geld gespürt?
Bergweiler: Als ich älter wurde, konnte ich dann zusätzlich in der Apotheke meiner Mutter arbeiten. Das Geld, das ich hiermit zusammengespart hatte, habe ich für eine Reise genutzt, an die ich heute noch gern zurückdenke. Und zwar haben wir eine Schulfreizeit in einem Naturreservat in Ungarn verbracht und im Anschluss bin ich mit ein paar Freunden nach Budapest gefahren. Es war der Sommer 1989, noch gab es den Eisernen Vorhang, aber der „Wind of Change“ war schon spürbar. Mir ist zum ersten Mal diese andere Kultur in dem anderen System bewusst geworden und was Freiheit bedeutet.
Wann war dir klar, dass dein Weg in die Finanzwelt führen würde?
Bergweiler: Interessanterweise haben gleich mehrere Verwandte ihren Weg aus unserem Winzerdorf in die Finanzwelt gefunden und meinen Weg inspiriert.
Und wie bewusst hast du dich damals für das Asset Management entschieden?
Bergweiler: Mein erster Job nach dem Studium war im Kreditgeschäft der IKB Deutsche Industriebank in Düsseldorf. Bereits nach wenigen Monaten bei dieser damals erstklassig im Mittelstand verankerten Bank wurde mir klar, dass dieses Geschäft zu margenschwach ist. Zumal es sehr viel Wettbewerb um die guten Adressen durch unser Drei-Säulen-Bankenmodell gab. So bin ich schon nach etwas mehr als einem Jahr ins Asset Management gewechselt. Das war eine recht einfache Entscheidung – die schwierigere Frage war für mich vielmehr: Vertrieb oder Produktseite?
Erinnerst du dich an deinen ersten Anzug und wann hast du ihn zum ersten Mal gerne getragen?
Bergweiler: Den ersten Anzug trug ich vermutlich zur Kommunion und damals war das natürlich ein ungewohntes Gefühl. Im Internat hatten wir in der Unterstufe dann täglich als Ritual zum Abendessen eine Schuluniform an; die wurde ganz selbstverständlich von allen getragen und somit wurde es schnell zur Routine. Und ja, ich trage heute immer noch gern Anzug!
Du stehst ja durchaus öfter mal im Anzug mit beiden Händen in den Taschen. Kannst du dir vorstellen, dass der ein oder andere aus Deinem Umfeld in der Finanzszene diese Pose schon mal – bewusst oder unbewusst – nachgemacht hat?
Bergweiler: Ich stecke tatsächlich gern die Hände in die Jackettaschen, aber ich denke nicht, dass diese Gewohnheit Nachahmer findet.
Was müsste passieren, damit wir ein Foto von dir im Jogginganzug bekommen?
Bergweiler: Samstag vormittags versuche ich sehr konstant in ein kleines Fitnessstudio in Frankfurt zu gehen. Dort stehen die Chancen entsprechend gut, mich mit Hoodie und Sportsachen zu sehen.
25 Jahre bei einem Arbeitgeber sind in deiner Branche selten. Wann hast du gemerkt, dass Treue für dich ein Wert ist?
Bergweiler: Nach meinem schnellen Wechsel vom ersten Job hatte ich bei JP Morgan Asset Management fast sofort das Gefühl, angekommen zu sein. Zusammen mit meinem damaligen Chef, Peter Schwicht, haben wir nach der Fusion von JP Morgan und Chase Fleming die Chance gesehen, für unterschiedliche Kunden Mehrwert bieten zu können, wenn wir uns sehr genau auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Vertriebskanäle fokussieren – mit einer einheitlichen DNA aller Teammitglieder.
Dass es dann 25 Jahre werden, hatte ich nicht bewusst geplant, aber ich habe mich immer wieder in anderen Bereichen einbringen und neuen Herausforderungen stellen dürfen.
Viele wechseln gezielt, um schneller voranzukommen. Warum hast du dich für einen anderen Weg entschieden?
Bergweiler: Ich habe das Privileg, in einem sehr stabilen Team mit vielen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten, die ihre Rolle schon sehr lange ausfüllen. Wichtig ist mir, dass wir auf allen Ebenen eine gute Partnerschaft im Team haben. Für mich haben sich immer wieder spannende Möglichkeiten ergeben; ein globales Unternehmen bietet ja interessante Entwicklungsmöglichkeiten.
Gleichzeitig gibt es viele im Team, die innerhalb ihrer jeweiligen Rolle geblieben und darin gewachsen sind. Wer denkt, es ist sinnvoller, für den nächsten Schritt in ein anderes Unternehmen zu wechseln, weil es dann schneller vorangeht, soll dies tun.
Gab es Momente, in denen du über einen Wechsel nachgedacht hast?
Bergweiler: Bisher nicht.
Wenn du nicht arbeitest, wo findet man dich?
Bergweiler: Meine Familie ist mein großer Anker. Und wenn es die Zeit von uns allen erlaubt, verbringen wir gern Zeit in den Bergen.
Was sind die kleinen Freuden deines Alltags, die oft unter dem Radar laufen?
Bergweiler: Eine regelmäßige Freude ist, in Ruhe am Wochenende lesen zu können – Zeitungen, die liegen geblieben sind, Magazine, aber auch Bücher. Zudem freue ich mich mit zunehmendem Alter über regelmäßige Bewegung. Eine seltenere, aber umso größere Freude ist es, jedes Jahr im Oktober in einer kleinen Runde von Freunden für drei Tage eine neue Weinregion zu erkunden.
Was wäre aus dir geworden, wenn es die Finanzbranche nicht gegeben hätte?
Bergweiler: Vermutlich hätte ich etwas Unternehmerisches versucht – strategische Planungen und dann die konkrete Umsetzung haben mich immer gereizt.
Gab es jemals einen echten Plan B?
Bergweiler: Nicht wirklich – ich habe mich immer voll und ganz auf Plan A konzentriert. Wer zu stark an Plan B oder C arbeitet, ist vielleicht nicht genug von Plan A überzeugt.
