Chinesische Aktien Das sind die sechs wichtigsten Fragen für Anleger

Tine Choi, Chefstrategin der Danske Bank und Beraterin von Danske Invest

Tine Choi, Chefstrategin der Danske Bank und Beraterin von Danske Invest

1.    Warum besitzt das chinesische Wachstum global einen so hohen Stellenwert?

Erstens ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Allein deshalb ist das Land weltweit von immenser Bedeutung. Zweitens kann China etwa ein Drittel des globalen Wirtschaftswachstums für sich beanspruchen, während ein Land wie die USA lediglich etwa 10 Prozent ausmacht. Und drittens steht China für etwa die Hälfte der weltweiten Rohstoffnachfrage. Wenn das Wachstum deutlich zurückgeht, leiden darunter also diejenigen Staaten, die stark vom Rohstoffexport abhängig sind, insbesondere die Schwellenländer. Insgesamt trifft eine starke Abkühlung des chinesischen Wachstums die gesamte Weltwirtschaft – und deshalb kann die Entwicklung im Reich der Mitte auf gute und schlechte Weise einen großen Einfluss auf die Lage an den Finanzmärkten haben. Als die Aktienkurse Anfang 2016 einbrachen, war die Sorge um Chinas Wachstum einer der Auslöser.

2.    Welches Potenzial bietet China aus Anlegersicht?

Asien ist generell eine Region mit Potenzial, und China zählt aus Anlegersicht zu den interessantesten Schwellenländern. In China hat die Regierung klar signalisiert, dass sie reformwillig ist und sicherstellen wird, dass das Wachstum nicht schlagartig nachlässt oder die Wirtschaft in eine tiefe Rezession fällt. Sie verfolgt eine äußerst ausgewogene Politik. Dies unterstützt die Konjunktur und stabilisiert das Wachstum. Außerdem ist der chinesische Aktienmarkt in Hongkong insbesondere im Vergleich zu den restlichen Schwellenländern, aber auch gegenüber den globalen Aktienmärkten, günstig bewertet. Ein stabiles Wachstum, eine reformfreundliche Regierung, gute Bedingungen am Aktienmarkt und ein relativ moderates politisches Risiko bilden zusammengenommen eine Gemengelage, die Anleger aufhorchen lassen sollte.

3.    Wo steht Chinas Wachstum aktuell?

Letztes Jahr betrug das Wachstum etwa 6,7 Prozent, nicht zuletzt weil die Regierung in Peking zahlreiche Anreize im Bereich Infrastruktur und Wohnungsbau geschaffen hatte, um die Wirtschaft zu beleben. Denn diese hatte zu Jahresbeginn einen kräftigen Dämpfer erfahren. Sowohl dieses als auch nächstes Jahr erwarten wir ein Wachstum von 6,0 bis 6,5 Prozent. Das letzte offizielle chinesische Wachstumsziel für 2017 liegt bei eben diesen 6,5 Prozent. Selbst wenn das Wachstumstempo etwas nachlassen sollte, sprechen wir also immer noch von hohen Steigerungsraten im Vergleich zum Westen.

4.    Warum verlangsamt sich das Wachstumstempo?

Weil die Stimulus-Maßnahmen der Regierung im Bereich Infrastruktur und Wohnungsbau nun etwas zurückgenommen wurden. China erlebt aktuell einen steigenden Inflationsdruck und sorgt sich um Immobilienblasen in den Großstädten. Während die Regierung Anfang 2016 noch mit Vollgas die Wirtschaft in Fahrt bringen wollte, tritt sie nun auf die Bremse. Aus diesem Grund dürfte sich die Dynamik nun etwas verlangsamen.

5.    Was ist die größte Bedrohung für Chinas Wachstum?

Aktuell ist eine Bedrohung in einem Handelskrieg mit den USA zu sehen. Weitere Herausforderungen sind zudem der hohe Schuldenberg, den China angehäuft hat und der weiterhin stark wächst, und ein Finanzsystem, das zunehmend instabiler wird. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass die finanzielle Bedrohung die Wirtschaft kurzfristig beeinträchtigen wird. Deshalb steht für uns ein Handelskrieg mit den USA ganz oben auf der Gefahrenliste. Jedoch können letztendlich auch die zunehmenden Spannungen rund um Nordkorea aufgrund der großen Ungewissheit und der Angst vor einem Krieg die chinesische Wirtschaft und die chinesische Währung belasten.

6.    Was kann die Abkühlung des Wachstumstempos verhindern?

Wenn die Regierung die Investitionen in die Infrastruktur und die Anreize am Immobilienmarkt wieder erhöht, könnte dies einen Rückgang des Wachstumstempos verhindern. Stabilität steht bei der chinesischen Regierung dieses Jahr im Mittelpunkt, und wir gehen davon aus, dass sie eingreifen wird, falls für zusätzliche Dynamik gesorgt werden muss.