Chefstrategin von Danske Invest Datensicherheit bietet Renditemöglichkeiten

Tine Choi, Chefstrategin von Danske Invest: „Es fließt immer mehr Geld in Datenschutz.“  | © Danske Invest

Tine Choi, Chefstrategin von Danske Invest: „Es fließt immer mehr Geld in Datenschutz.“ Foto: Danske Invest

Früher hatten es Banditen meistens auf Bargeld abgesehen. Doch heute ist Jesse James digital – und Datenkriminelle haben mehrere Ziele auf der Agenda. Wenn es um Beute geht, sind sie manchmal sogar dreist genug, um eine Übergabe zu fordern.

Wie im Wilden Westen brauchen wir deshalb Gesetzeshüter, die uns vor den Kriminellen beschützen. Doch wir müssen auch selbst auf unsere Wertgegenstände aufpassen. Wenn die digitalen Räuber erst einmal ihre Finger im Spiel haben, kann das nämlich weitreichende Konsequenzen haben. Davon bleibt im heutigen Wilden Westen niemand verschont, weder Privatpersonen noch Unternehmen oder Staaten.

Staatsterror wird digital

Staatliche Hacker-Gruppen zielen darauf ab, Informationen zu beschaffen, zu spionieren und möglicherweise andere Länder zu destabilisieren, zum Beispiel durch Angriffe auf ihre Infrastruktur und politische Wahlprozesse. In groben Zügen bedeutet das, dass Kriege zwar unblutig, aber nicht mehr weit weg von unserem sicheren Umfeld ausgefochten werden, sondern zu großen Teilen in unserem Land, unseren Städten oder Häusern. Zudem können digitale Attacken für die Angreifer bequem sein, da es schwierig sein kann, ihren Ursprung nachzuweisen.

Wichtige gesellschaftliche Organe, wie beispielsweise der Versorgungssektor, werden von Gruppen gehackt, die gelegentlich von fremden Staaten unterstützt werden. Seit 2011 haben wir beispielsweise eine Reihe von Angriffen auf Versorgungsbetriebe in Kanada, Europa und den USA erlebt, die von der Gruppe „Dragonfly“ ausgeführt wurden. Sie besitzt angeblich russische Wurzeln und hat unter anderem US-amerikanische Atomkraftunternehmen im Visier. Ein anderes Beispiel finden wir in der Ukraine, wo im Winter 2015/2016 angeblich russische Hacker einen Blackout bei der Stromversorgung auslösten, was in den Konflikt zwischen den beiden Ländern mündete.

Im Hinblick auf künftige digitale Kriege wird es daher immer wichtiger, dass Staaten in den Schutz ihrer digitalen Grenzen investieren – und das Gleiche gilt für Unternehmen. Industriespionage ist ein altbekanntes Problem, aber heutzutage müssen Spione sich keinen physischen Zugang mehr zur Konkurrenz verschaffen, um hinter Geschäftsgeheimnisse zu kommen und Produkte zu kopieren.

Hacker fordern Lösegeld

Die Tatsache, dass Unternehmen immer digitaler werden, macht sie auch anfälliger für digitale Erpressung. Letztes Jahr haben Hacker beispielsweise tausende Computer weltweit mit WannaCry und NotPetya infiltriert. Das sind Schadprogramme (sogenannte Ransomware), bei denen die Besitzer der Computer Lösegeld bezahlen müssen, um wieder Zugang zu ihren eigenen Daten zu erhalten. Hier nahmen Hacker unter anderem eine Reihe von privaten Organisationen sowie Unternehmen aus der Telekommunikations-, Gesundheits- und Logistikbranche als Geiseln und verlangten Geld für die Lösung des Problems.

Eine Untersuchung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PwC belegt, dass sechs von zehn Unternehmen von einem Cyberangriff betroffen sind oder waren. Neben dem Verlust von Geld gaben 37 Prozent der betroffenen Unternehmen an, dass auch ihre Marke Schaden genommen hat und sie Kunden verloren haben, da ihre Systeme infolge des Angriffs nicht mehr zugänglich waren. Gleichzeitig machen sich 80 Prozent der weltweiten Spitzenführungskräfte Sorgen über digitale Sicherheitsrisiken. Im vergangenen Jahr waren es noch 61 Prozent.

Trotz dieser Bedenken erhöhen die Unternehmen im großen Stil ihre digitalen Investitionen, um sich neue Technologien zunutze zu machen und wettbewerbsfähig zu sein. Damit steigt auch der Bedarf an – und die Investitionen in – Datenschutz. Der Trend ist klar: Es wird immer mehr in Sicherheit investiert. 2004 wurden dem Research- und Analyseunternehmen Cybersecurity Vendors zufolge 3,5 Milliarden US-Dollar für IT-Sicherheit ausgegeben. Diese Zahl ist 2017 auf 120 Milliarden US-Dollar gestiegen und Cybersecurity Vendors erwartet, dass sie sich bis 2021 um 12 bis 15 Prozent pro Jahr erhöhen wird.

Verbraucher sind verwundbar

Wir als Verbraucher müssen uns leider auch immer intensiver mit Datensicherheit auseinandersetzen. Die Zeiten, in denen nur ein Passwort ausreichte, sind längst vorbei. Es gibt immer mehr Vorfälle, bei denen personenbezogene Daten, darunter Passwörter, bei Unternehmen gestohlen werden. Wenn Privatpersonen zugleich an dem alten Muster mit einem einheitlichen Passwort für alle Geräte und Online-Dienste festhalten, können sie fast genauso gut einem Einbrecher den Schlüssel für ihr Haus überreichen.

All dies ändert jedoch nichts daran, dass sich die Digitalisierung in Zukunft fortsetzen wird. Sie beschert uns viele Vorteile, und wir können dank ihr effektiver arbeiten und unsere Ressourcen besser ausschöpfen. Aber die Digitalisierung stellt wachsende Anforderungen an die IT-Sicherheit und wir müssen verstehen, dass die Ausgaben für Datensicherheit ein Teil des Preises für ein glückliches digitales Leben sind – genauso wie eine Versicherung die Voraussetzung für das Autofahren ist.

Insgesamt ist IT-Sicherheit somit ein Bereich mit vielen Aspekten, die aus Anlegersicht interessant sind. Das ist ein globales Thema, das sowohl Verbraucher als auch Unternehmen und Staaten betrifft. Und allem Anschein nach wird der Bedarf – und damit die Nachfrage ­– künftig steigen.