Chefstrategin der Danske Bank Was kommt, wenn „Goldlöckchen“ geht?

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Die Herausforderung besteht allerdings darin, dass wir nicht wissen, wann „Goldlöckchen“ sich dem Ende zuneigt. Denn erstens ist die Prognose der Wendepunkte im Konjunkturzyklus sehr schwierig und zweitens ist der derzeitige Aufschwung sehr weit von dem entfernt, womit wir im Allgemeinen vertraut sind – insbesondere weil wir im Hinblick auf die Geldpolitik in unbekannten Gewässern navigieren: Denn die Notenbanken haben in den vergangenen Jahren die Wirtschaft durch massive Anleihekäufe gestützt. Die Zinsen blieben somit niedrig und der Markt wurde mit Liquidität geflutet.

Was kommt, wenn „Goldlöckchen“ geht?

Wenn das „Goldlöckchen“-Umfeld endet, erwartet uns eine höhere Volatilität auf dem Aktienmarkt als im vergangenen Jahr. Dabei ist es unerheblich, ob sich die Bedingungen dadurch verändern, dass die Inflation zunimmt oder das Wachstum unerwartet sinkt. Beides wird die Euphorie der Aktien-Investoren erheblich belasten und könnte eine Rotation der Allokationen über Regionen und Sektoren hinweg auslösen.

Daher halten wir es für wichtig, dass Aktien-Anleger bei ihrer Titelauswahl auf die richtige Streuung achten. So können sie ein Bollwerk errichten, das sie vor unnötig heftigen Kursverlusten in bestimmten Regionen oder Sektoren schützt.

Bei Anleihen ist die Lage dagegen weniger klar: Sollte das „Goldlöckchen“-Szenario aufgrund steigender Inflation zu Ende gehen, würden die Renditen negativ getroffen, da die Verzinsung der Anleihen steigen und die Kurse fallen müssten. Sollte das „Goldlöckchen“-Umfeld jedoch aufgrund abnehmenden Wachstums vorbeigehen, wäre die Wirkung entgegengesetzt. Die Anleihenotierungen könnten steigen, das Renditepotenzial würde aber durch die bereits sehr niedrigen Zinsniveaus der Papiere begrenzt. Es gibt ein Limit, wie weit die Renditen vom gegenwärtigen Stand abweichen könnten – und daher auch ein denkbares Maß, innerhalb dessen die Kurse steigen könnten.

Doch so oder so: Keines dieser Szenarien ändert etwas daran, dass Investoren denjenigen Anteil an Anleihen in ihrem Portfolio bewahren sollten, den ihre Anlagestrategie vorgibt.