Charttechnischer Ausblick 2018 drohen Rückschläge an den Aktienmärkten

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Zinsen: Auf dem Weg nach oben

Zinswenden auf der unteren Seite sind selten dynamisch, der Bodenbildungsprozess braucht Zeit. In den USA dauert er nun schon fünf Jahre und die zeitlichen Anforderungen sind daher mehr und mehr erfüllt. Wir sehen 2018 gute Chancen, dass die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen auf mehr als 3 Prozent geht. Um die Bodenbildung nicht zu gefährden, sollte ihr 2017er-Renditetief (2,02 Prozent) – verstärkt durch das Pendant aus dem Jahr 2008 (2,04 Prozent) – nicht mehr unterschritten werden.

Nach oben sehen wir die Marke von 2,64 Prozent als signalgebend. Gelingt es diese Marke zu durchbrechen, rücken die Jahreshoch 2013/14 bei 3,04 Prozent ins Visier. Beim US-T-Note Future – Spiegelbild der zehnjährigen Rendite – betrachten wir den Kursstand von 123,00 als Verkaufsauslöser. Ist dieser erreicht, dürfte der jahrzehntelange Aufwärtstrend nicht mehr zu halten sein.

Deutschland hinkt der Zinsentwicklung in den USA noch hinterher. Allerdings tut sich auch hier etwas. 2017 verbuchte der Euro-Bund-Future zum ersten Mal seit 2008 kein neues Jahreshoch. Der Haussetrend verliert an Dynamik. Ein strategisches Ausstiegssignal würde entstehen, wenn der Future unter die jüngsten beiden Jahrestiefs bei 158,73/33 fallen würde. Bei der Rendite für zehnjährige Bundesanleihen würde ein Spurt über das Jahreshoch 2017 bei 0,64 Prozent den Boden für einen moderaten Zinsanstieg Richtung ein Prozent bereiten. Auch dies erwarten wir für 2018.

Euro-Dollar: Im charttechnischen Niemandsland

Bei der Euro-US-Dollar-Entwicklung gibt es gleich mehrere Argumente für Euro-Bullen, dennoch ist Skepsis angesagt. Zum Beispiel spricht die Saisonalität für den Euro. Zwischenwahljahre in den USA wie 2018 sind eher schwere Jahre für den Greenback. Zudem gab es 2017 einen weißen Außenstab, das heißt, das Tief 2017 war tiefer als 2016 und das Hoch höher als im Vorjahr. Nach einem solchen „outside year“ gab es in der Vergangenheit im Folgejahr fast immer eine Kerze in der gleichen Farbe, sprich: Auch 2018 würde der Euro gegenüber dem US-Dollar gewinnen.

Trotz der Pro-Euro-Argumente ist eine Prognose für 2018 schwierig. Kurse ab 1,24 US-Dollar pro Euro würden wir als klare Trendwende hin zu einem Euro-Aufwärtstrend sehen. Kurse unter 1,15 hingegen als Fortsetzung des seit 2008 anhaltenden Euro-Abwärtstrends. Dazwischen ist charttechnisches Niemandsland. Im Laufe des Jahres dürfte es jedoch eine Richtungsentscheidung geben.

Gold: Hoffnungsschimmer Saisonalität

2017 gab es für Gold eine weiße Kerze, der Docht war diesmal etwas kürzer als in den Vorjahren. Die vergangenen vier Jahreshochs wurden nicht nur allesamt innerhalb einer engen Handelsspanne von 1.306/92 US-Dollar ausgeprägt, sondern konnten auch jeweils nicht über die Ziellinie gerettet werden. Die Dochte der vergangenen vier Jahreskerzen dokumentieren also den Widerstandscharakter der angeführten Barrieren bei gut 1.300 US-Dollar.

Aber auch für Gold-Bullen hält der Jahreschart ein interessantes Detail bereit: 2017 war das zweite Jahr mit einem höherem Jahrestief (1.146 US-Dollar). Die spricht für eine Bodenbildung auf Basis der dicht beieinanderliegenden Jahrestiefs von 2015/16 bei 1.060/46 US-Dollar. Allerdings sehen wir diese erst wirklich, wenn die Jahreshochs 1.358/93 überschritten werden. Die Entwicklung des Goldpreises bleibt 2018 eine Gratwanderung – für Euro-Investoren, die bereits 2017 unter Wasser waren, ist diese noch enger als für US-Dollar-Investoren.

Ein Gegengewicht zu den durchaus angeschlagenen Chartverläufen bildet die Saisonalität. Sie ist der Hoffnungsschimmer für Gold 2018. Zwischenwahljahre in den USA sind im Durchschnitt gute Goldjahre. Typischerweise startet das Edelmetall sehr dynamisch bis Mai in ein Zwischenwahljahr. Nach einer Verschnaufpause setzt dann ab Juli die saisonal beste Phase des Jahres ein und wird lediglich von einer Seitwärtsphase im Oktober/November unterbrochen.

  • Die komplette charttechnische Analyse von Jörg Scherer zu den Kapitalmärkten 2018 finden Sie hier
  • sowie in der aktuellen Ausgabe von HSBC Daily Trading TV.
  • Persönlich präsentiert Jörg Scherer seinen Ausblick zudem auf der Januar-Roadshow von HSBC und Der Zertifikateberater in sieben deutschen Städten. Für weitere Informationen klicken Sie hier.