Chancen in Anleihemärkten „Die EZB beherrscht die kurz- und die langfristigen Zinsen“

Alexander Froschauer, Leiter Fixed Income Germany bei AXA Investment Managers

Alexander Froschauer, Leiter Fixed Income Germany bei AXA Investment Managers

Herr Froschauer, steigen jetzt bald mal die Zinsen?

Alexander Froschauer: In der Eurozone sehe ich zurzeit keinen Zinsanstieg, der steht nicht im Spielplan der Europäischen Zentralbank. Frühestens Mitte 2019 rechne ich mit einer ersten Anhebung. Mit ihren Ankaufprogrammen hält die Zentralbank auch die langfristigen Zinsen niedrig. Früher haben die Notenbanken das kurzfristige Ende festgelegt, den Rest der Zinskurve hat der Markt geregelt. Das hat sich dramatisch geändert. Jetzt beherrscht die EZB die kurz- und die langfristigen Zinsen.

Und in den USA?

Froschauer: Hier sehen wir eine ähnliche Entwicklung. Die US-Notenbank Fed fürchtet sich vor jeder Zinsanhebung. Die USA haben einen Wirtschaftsaufschwung, nahezu Vollbeschäftigung und sogar Inflation. Die Zinsen müssten eigentlich schon deutlich höher bei 2 oder 3 Prozent liegen. Die Zentralbanken versuchen alles ihnen Mögliche, um die Zinsen tief zu halten.

Dann ist die Angst vor Zinsrisiken unbegründet?

Froschauer: Ich habe zurzeit keine Angst vor steigenden Zinsen. Aber kein institutioneller Kunde überlegt heute ernsthaft, sein Zinsrisiko zu erhöhen, also längere Laufzeiten zu kaufen. Im Anleihebereich gibt es nur zwei Stellschrauben. Wenn man kein Zinsrisiko will, bleibt nur das Kreditrisiko. Unsere Short-Duration-Fonds erfreuen sich daher hoher Nachfrage, denn sie bieten genau das: Renditechancen über mehr Kreditrisiko, aber kaum Zinsrisiko.

Ist es sinnvoll, die Duration so stark zu verkürzen? Schließlich bietet sie einen wichtigen Diversifikationseffekt.

Froschauer: Im Moment sind die Zinsen so niedrig, dass sie kaum noch weiter fallen können. Dadurch schwindet der Effekt, dass Anleihekurse steigen, wenn Aktien fallen. Aber es würde ja auch schon reichen, wenn der sichere Hafen einfach stabil bleibt und keine Verluste liefert. Daher halte ich Duration im Portfolio für durchaus sinnvoll. Ich halte es auch für eine bessere Strategie, anstatt in das total überlaufende Segment der Investmentgrade-Unternehmensanleihen zu investieren, lieber Staatsanleihen mit kurzfristigen High-Yield-Anleihen zu kombinieren. So haben Sie nahezu das Kreditrisiko von Unternehmensanleihen, aber eine viel bessere Diversifikation.

Wie sehen Sie das Thema Inflation?

Froschauer: In den letzten sechs bis neun Monaten gab es eine enorme Nachfrage nach Produkten mit Inflationsschutz. Ich halte es zwar für übertrieben, sich vor sehr hohen Inflationsraten zu fürchten, bin aber ein Riesenfan von inflationsgeschützten Anleihen im Portfolio-Kontext. Bei den Klassikern Gold und Immobilien gibt es zumindest kurz- und mittelfristig in der Realität kaum einen Zusammenhang zwischen der Preisentwicklung der Assets und der Inflationsentwicklung. Ab einem Anlagehorizont von 50-100 Jahren funktioniert das  historisch gesehen wunderbar. Die Anleihen hingegen sind direkt an den Inflationsindex gekoppelt. Deshalb kann man sich auch auf kurze Sicht hiermit viel besser vor der Inflation schützen.