Catella zum Brexit Frankfurt profitiert

Catella zum Brexit: Frankfurt profitiert

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Brexit: Eine Gefahr für den Finanzstandort London und für die EU. Der Brexit ist unter den rund 700.000 Beschäftigten der Londoner Finanzbranche derzeit ein heiß diskutiertes Thema. Denn: Sollte der EU-Austritt Wirklichkeit werden, würden vor Ort zweifelsfrei Arbeitsplätze wegfallen – vorsichtige Schätzungen sprechen von rund 70.000 in mittelbarer Folge. Aufgrund seiner Finanzmarktinfrastruktur ist Frankfurt eine der Städte, die davon profitieren könnte – mit Folgen auch für den Frankfurter Immobilienmarkt.

Gleichzeitig würde Deutschland als Ganzes aufgrund der Bedeutung Großbritanniens für den deutschen Exportmarkt aber auch einer der größten Verlierer des Brexits sein. Der europäische Binnenmarkt würde schrumpfen und an Attraktivität verlieren. Im schlimmsten Fall könnte der Ausstieg Großbritanniens ein politisches Auseinanderbrechen der Europäischen Union forcieren und den EU-kritischen Parteien weiter Auftrieb verleihen.

Frankfurt als angelsächsische Exit-Option?

Besonders betroffen von einem Brexit wären nichteuropäische Banken, die von London aus den europäischen Markt bedienen. Das sind insbesondere US-amerikanische (50 Prozent Marktanteil in Europa) und in deutlich kleinerem Maße schweizerische (8 Prozent) und japanische Banken (2 Prozent). Sie würden den „Passport“ verlieren, Bankgeschäfte in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu betreiben. Dies würde im schlimmsten Fall bedeuten, dass sie den Main-Hub London in Richtung Kontinent verlassen – nach Paris, Frankfurt, Dublin, Luxemburg oder Amsterdam. Einige Fondsgesellschaften würden ihre Mitarbeiter aufgrund des vorteilhaften Steuerregimes höchstwahrscheinlich in Dublin oder Luxemburg unterbringen. Hedgefonds wären von einem Brexit nicht zwangsweise betroffen, im Gegenteil könnten diese womöglich von der zu erwartenden Volatilität profitieren.

Im Ringen um die Gunst der Finanzmärkte würden Dublin und Luxemburg aufgrund ihrer knappen Kapazitäten und der vergleichsweise schlechten Anbindungen für das Investment Banking wahrscheinlich ausscheiden, wobei Dublin als Plus die kulturelle Nähe zu London und das Common Law einbringt. Auch Amsterdam würde als Finanzplatz mit einer durchschnittlichen internationalen Verflechtung eher eine Außenseiterrolle einnehmen. Damit würden Frankfurt und Paris um den Titel als Finanzhauptstadt Kontinentaleuropas kämpfen.

Entscheidend für die potenziellen Bewegungen ist auch, in welchen Ländern die Banken bereits eine Banklizenz haben, die ihnen einen schnellen Zugang zum EU-Markt ermöglicht. Ein weiterer infrastruktureller Einflussfaktor sind die Büro- und Gewerbeflächenressourcen beziehungsweise das Ausbaupotenzial. Die Flächen müssten vor Ende 2018 bereitstehen, denn bis dahin gelten die Verträge zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich, falls kein Handelsabkommen zustande kommen sollte.