Carry-Strategien Passive Anlagen gibt es nicht ohne Risiko

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Versteckte Marktrisiken nicht unterschätzen

Institutionelle Investoren wie traditionell risikoscheue Versicherer und Pensionsfonds haben sich daran gewöhnt, ausreichend hohe Renditen zu erwirtschaften, indem sie ihr Engagement in alternativen Anlageklassen erhöhen. Erst kürzlich hat auch der Internationale Währungsfonds auf den verstärkten Einsatz von komplexen Anlageprodukten hingewiesen. Doch während sich die Suche nach Rendite weiter intensiviert, bleibt der Wechsel zu alternativen Strategien und passiven Anlagevehikeln nicht ohne Risiko.

So warnt der IWF davor, dass die steigende Zahl an auf Marktschwankungen ausgerichtete Strategien aufgrund niedriger Volatilität automatisch zu einem höheren Verschuldungsgrad geführt hat. Bei Marktabschwüngen könnte das zu großen unerwarteten Verlusten führen. Dies wird als „Volatilitätsparadox“ bezeichnet, bei dem sich das Risiko im Laufe der Zeit erhöht, da eine geringe Volatilität den Einsatz von Fremdkapital sowie eine höhere Risikobereitschaft fördert. Das wiederum sorgt dafür, dass die Wirtschaft empfindlicher gegenüber Schocks wird.

Das „Prudence-Paradox“

Das tatsächliche Marktrisiko, das mit komplexen Volatilitätsprodukten zusammenhängt, ist jedoch schwer abzuschätzen, da solche Geschäfte in der Regel am außerbörslichen Markt getätigt werden und dafür keine ausreichende Datengrundlage verfügbar ist. Ein weiterer Grund ist das sogenannte „Prudence-Paradox“. Dieses verweist auf eine interessante Dimension der Volatilität: Dem Paradox zufolge versucht jedes Unternehmen, die Risiken für sich selbst zu reduzieren und auf Mikroebene zurückhaltend zu agieren. Dies erhöht aber das endogene Risiko auf Makroebene. Letztlich verbreiten sich die Auswirkungen eines Mikro-Schocks durch feste Verflechtungen in der Wirtschaft.

Neues Jahr erfordert Zurückhaltung

Das von quantitativen Lockerungsmaßnahmen geprägte Umfeld dürfte sich erst in einigen Jahren normalisieren. Allerdings mahnen drei wichtige Punkte im neuen Jahr zu Vorsicht. Erstens: Ein Ende der globalen „Politik des billigen Geldes“ könnte angesichts der hohen Unternehmensverschuldung in einigen Marktsegmenten die Risiken erhöhen. Die Folgen wären aufgrund extremer Risikoprofile während Marktkrisen nur schwer vorherzusagen. Zweitens wird es einige Zeit dauern, bis sich die amerikanische Geldpolitik in der Aktienvolatilität widerspiegelt. In den USA hat die Normalisierung der Zinssätze bereits begonnen und der Euroraum wird langsam folgen, was auf eine höhere Volatilität schließen lässt. Und drittens könnten sich die Bedenken hinsichtlich des Wirtschaftswachstums der USA zum Jahresende 2018 verstärken.

Vor diesem Hintergrund ziehen wir es vor, Volatilität eher als Sicherungsinstrument zu nutzen anstatt als Renditequelle für Carry-Strategien. Auch Carry-Strategien für Anleihen scheinen bei plötzlichen Marktabschwüngen eine gute Absicherung im Portfolio zu sein, da sie nur wenig mit ähnlichen Strategien korrelieren und in Zeiten von Marktspannungen eine gute Performance aufweisen.