Candriam zur Goldpreisentwicklung Warum wir jetzt Gold in die Asset Allocation aufnehmen

Juwelier mit Goldbarren im Wert von je 4.500 Euro: Die jüngste Wertentwicklung von Gold ist an langfristige Anleihen der Eurozone mit AAA-Rating gekoppelt. | © Getty Images

Juwelier mit Goldbarren im Wert von je 4.500 Euro: Die jüngste Wertentwicklung von Gold ist an langfristige Anleihen der Eurozone mit AAA-Rating gekoppelt. Foto: Getty Images

Unsere wichtigsten Überzeugungen für das zweite Halbjahr 2019 haben sich im Sommer bestätigt: Die geopolitische Unsicherheit hat dazu geführt, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt hat, ohne dabei eine Rezession auszulösen. Die Märkte reagieren mit einer höheren Volatilität, ohne dass dies zu einem Jahr mit negativen Erträgen für Aktien geführt hat. Die Marktlage macht es unserer Ansicht nach dennoch erforderlich, die Asset Allocation durch korrelationsunbelastete Portfolio-Hedges zu ergänzen. Wir erklären im Folgenden, warum wir in den vergangenen Wochen unser Engagement in Gold erhöht haben.

Goldpositionen aufgestockt

Erstens zeigt die historische Entwicklung des Goldpreises einen Anstieg, wenn die Aktienmärkte fallen (und wenn die Volatilität steigt) und die Realzinsen sinken. Somit ist es möglich, die Portfolioabsicherung über ein Gold-Exposure zu erhöhen. Derzeit macht dies Sinn, da sich die beiden größten Volkswirtschaften wie noch nie in der Nachkriegszeit in einem Handels- und Währungskrieg befinden, der auf viele andere Bereiche übergreift. Neben diesen Spannungen bleiben weitere geopolitische Fragen, darunter Hongkong, Iran und Brexit, ungelöst. Noch ist nicht absehbar, in welche Richtung sich die derzeitige Lage entwickelt.

Zweitens wird die Anlagewelt mit negativen Renditen für mehr als ein Viertel der ausstehenden Investment-Grade-Anleihen und einer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik konfrontiert, so dass bei einem Gold-Exposure keine Opportunitätskosten mehr anfallen. Ein großes Manko bei physischen Edelmetallen als Anlageklasse sind fehlende Renditen, wie Dividenden für Aktionäre und Kupons für Anleihegläubiger. Letzteres hat jedoch an Bedeutung verloren, da das Kaufen und Halten bis zur Fälligkeit heutzutage bedeuten kann, in Vermögenswerte zu investieren, die mit Sicherheit an Wert verlieren. Da die jüngste Wertentwicklung von Gold an langlebige Anleihen mit AAA-Rating gekoppelt und deren Rendite unter Null gesunken ist, erscheint die relative Attraktivität der Edelmetalle in neuem Glanz.

Die jüngste Wertentwicklung von Gold wurde an langfristige Anleihen der Eurozone mit AAA-Rating gekoppelt:

Quelle: Bloomberg, Candriam

Und schließlich treten derzeit verstärkt Finanzinvestoren als Käufer von Gold auf. Wenn Finanzinvestoren anfangen, Gold zu kaufen, hat das einen positiven Einfluss auf die Nachfrage nach dem Rohstoff und damit auf die Preise. Andererseits können sich in diesem Fall etwaige Verkäufe von Finanzinvestoren jedoch rasch negativ auswirken. Insgesamt gesehen spiegelt sich dies in der Volatilität des Edelmetalls wider. Der Monat August hat gezeigt, dass die kurzfristige Entwicklung Gold für einen Rücksetzer anfällig gemacht hat. Auf längere Sicht scheinen die zugrunde liegenden Treiber für eine Aufwärtsbewegung jedoch weiterhin intakt zu sein.