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Schwächeres US-Wachstum Candriam nutzt Erholungsphasen von Aktien für Verkäufe

Stau auf der George-Washington-Brücke in New York

Stau auf der George-Washington-Brücke in New York: Die Fed könnte ihre Zinsen allein in den nächsten sechs Monaten um 160 Basispunkte straffen, ein Anhebungstempo, das zuletzt 1994 gesehen wurde. Foto: Imago Images / Westend61

In unserem Basisszenario für die USA verlangsamt sich der Aufschwung allmählich auf 2,7 Prozent BIP-Wachstum im laufenden und lediglich 1,5 Prozent im nächsten Jahr. Dieses Bild ergibt sich unter dem Einfluss verschiedener Faktoren: Steigende Zinsen, hohe Inflation, ein volatiler Aktienmarkt und ein negativer fiskalischer Impuls. Die US-Notenbank hat deutlich gemacht, dass sie ihre Zinsstraffung vorziehen will, solange sich keine eindeutigen Anzeichen für eine Wachstumsverlangsamung einstellen.

Die Anleihemärkte haben sich auf den Ansatz der Federal Reserve bereits eingestellt, die Geldpolitik schnell zu normalisieren und dann zu straffen, um die Inflation von dem derzeitigen exorbitant hohen Niveau abzukühlen. Die aufeinanderfolgenden Reden des Fed-Chefs Jerome Powell und des Mitglieds des Offenmarktausschusses Lael Brainard deuten daraufh hin, dass die Zentralbank ihre Anleihebestände rasch abbauen und den Leitzins schnell anheben will.

Die Marktteilnehmer rechnen im Konsens mit einer Anhebung der Fed Funds Rate um 280 Basispunkte bis zum Herbst 2023. Anhebungen um 160 Basispunkte sollten bereits in den nächsten sechs Monaten erfolgen, ein Anhebungstempo, das zuletzt 1994 gesehen wurde. Angesichts des rigiden Kurses dürfte allerdings – das ist für Anleger die gute Nachricht – der Spielraum für eine unvorhergesehene weitere Fed-Zinsanhebung begrenzt bleiben.

Eine weiche oder harte Landung?

Da die US-Notenbank ihre Geldpolitik drastisch straffen will und das Ende der umfangreichen Pandemiemaßnahmen in diesem und im nächsten Jahr zu einer beträchtlichen fiskalischen Belastung führen dürfte, achten wir auf Anzeichen, die eine bevorstehende Verlangsamung des US-Wachstums signalisieren.

Trotz einer Lohninflation von 5,6 Prozent des durchschnittlichen Stundenlohns im März verzeichnen die US-Haushalte Reallöhne, die tief im negativen Bereich liegen. Es sollte daher nicht überraschen, dass die Verbraucherumfragen auf eine Erosion des Vertrauens in die persönliche Finanzsituation hindeuten: Abgesehen von der Zeit nach der globalen Finanzkrise und ihren Folgen muss man bis Dezember 1990 oder sogar April 1981 zurückgehen, um so niedrige Werte wie heute zu sehen. Vorerst haben die Haushalte den starken Kaufkraftverlust durch steigende Preise abgefedert, indem sie ihre Sparquote rasch auf 6,3 Prozent gesenkt haben.

Was das verarbeitende Gewerbe betrifft, so ist in den meisten Ländern eine Verlangsamung des Produktionszyklus zu beobachten. Der globale Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe erreichte vor einem Jahr seinen Höchststand und hat seit August an Schwung verloren. Zu der Belastung durch die Unterbrechung der Lieferkette kommen neue Unsicherheiten durch den Anstieg der Rohstoffpreise hinzu.

Wir stellen fest, dass die internen Daten der jüngsten ISM-Umfrage für das verarbeitende Gewerbe (insbesondere die Differenz zwischen Auftragseingängen und Lagerbeständen) zum ersten Mal seit der Pandemie im negativen Bereich tendieren. In mehr als sechs Jahrzehnten ist dies nur 94 Mal oder in 12,5 Prozent der Fälle geschehen. Der derzeitige Stand deutet darauf hin, dass der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in diesem Sommer unter 50 Punkte fallen wird, was auf eine Schrumpfung des Produktionszyklus hindeutet. Auch die pandemiebedingte Diskrepanz zwischen Auftragseingängen und Anleiherenditen wurde endlich korrigiert – auch hier steht das aktuelle Niveau im Einklang mit einer Stabilisierung der 10-jährigen US-Anleiherendite.

Wie unsere Multi-Asset-Strategie jetzt aussieht

Die Aktienmärkte haben sich trotz dieser spätzyklischen Anzeichen als widerstandsfähig erwiesen. Für eine Abschwächung der Aktienmärkte müsste Folgendes eintreten: Es werden entweder eindeutig schwächere Fundamentaldaten gemeldet oder die US-Notenbank hebt ihre akkommodierenden Maßnahmen auf oder die Prognosen der Unternehmen für die beginnende Gewinnsaison trüben sich ein.

In unserer Multi-Asset-Strategie berücksichtigen wir derzeit die Beschleunigung gegen Ende des Konjunkturzyklus: Wir haben Anfang Februar unser Aktienengagement reduziert und werden bei Aktien neutral bleiben, mit einem gewissen Engagement in Rohstoffen, einschließlich Gold. Wir sind in US-Aktien untergewichtet, da wir die Bewertungen von Wachstumstiteln vor dem Hintergrund steigender Inflation und Zinsen für gefährdet halten. Im Gegensatz dazu sind wir in den Schwellenländern übergewichtet, insbesondere in China, wo es zu einer Erholung der Kreditvergabe kommen sollte, sowie in Lateinamerika, wo wir Unterstützung durch steigende Rohstoffpreise sehen.

Aus taktischer Sicht haben Aktien jetzt kurzfristig Luft nach oben, darauf deuten charttechnische Überlegungen und die schlechte Marktstimmung hin. Die längerfristigen Aussichten für Aktien verschlechtern sich jedoch, da die Erträge, Margen und letztlich auch die Gewinne aufgrund der hohen Inflation nach unten korrigiert werden dürften. Historisch gesehen hat eine Inflation von über 5 Prozent in der Regel zu schwachen Aktienerträgen geführt. Daher werden wir auf Markterholungen setzen, um das Aktienengagement in unseren Portfolios weiter zu reduzieren.