Fondsmanager von Candriam Übergang zur Kreislaufwirtschaft erfordert „allgemeine Mobilisierung“

David Czupryna, Fondsmanager des Candriam Sustainable Equity Circular Economy

David Czupryna, Fondsmanager des Candriam Sustainable Equity Circular Economy: Er ist seit 2018 Leiter ESG-Entwicklung bei Candriam. Foto: Candriam

private banking magazin: Der Candriam Sustainable Equity Circular Economy wurde im April 2020 aufgelegt. Welcher Investmentansatz steckt hinter dem Fonds?

David Czupryna: Ziel des Fonds ist es, über einen Zeitraum von fünf Jahren eine höhere Rendite als der Markt zu erzielen, indem er in Aktien von Unternehmen investiert, die den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft fördern. Der Fonds investiert weltweit in 50 bis 70 Unternehmen, wobei der ESG-Qualität der Unternehmen besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Was unterscheidet ihn von anderen Fonds, die auf Kreislaufwirtschaft setzen?

Czupryna: Jedes Portfoliounternehmen wird auf seinen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft hin untersucht, und zwar auf Grundlage eines eigens entwickelten Modells, mit dem dieser Beitrag gemessen wird. Dieses Modell orientiert sich an der Arbeit der Ellen McArthur Foundation und anderer Institute, unterscheidet sich jedoch durch die Betonung des Zwecks, nämlich in Unternehmen zu investieren. Unser internes Modell geht weiter und ist reicher als bestehende Ansätze, die den Beitrag zur Kreislaufwirtschaft von anderen Aspekten ableiten, die entweder mit dem Kampf gegen den Klimawandel oder dem Beitrag zu den SDGs zusammenhängen. Es geht uns darum, eine große Anzahl von Unternehmen ungeachtet der unterschiedlichen
Qualität und Verfügbarkeit der Daten analysieren zu können und einen Ansatz anzuwenden, der einen Zirkularitäts-Score erzeugt, mit dem wir Unternehmen miteinander vergleichen können.

Gibt es Branchen, die bei diesem Thema besonders im Fokus stehen?

Czupryna: Unternehmen, die zum Übergang von linearer zur Kreislaufwirtschaft beitragen, sind in einer Reihe von Branchen anzutreffen. Die Verwirklichung dieses Übergangs fordert eine allgemeine Mobilisierung, bei der nicht nur Hersteller und Recycler von Materialien eine wichtige
Rolle spielen. Auch Unternehmen, die diese Materialien verbrauchen, sind gefragt – sowie diejenigen, die es ermöglichen, weniger davon zu verwenden. Aus diesem Grund investieren wir gezielt in Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter, gut haltbare Güter und IT. Sie sprechen den IT-Sektor an.

Der Fonds ist unter anderem in Microsoft investiert. Erklären Sie doch mal an diesem Beispiel die Dimensionen der Kreislaufwirtschaft.

Czupryna: Was Microsoft betrifft, so verschleiert die Reduzierung auf ein Softwareunternehmen das Ausmaß der Lösungen, die dessen Software für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft bieten kann. Kreislaufwirtschaft geht über ‚nur‘ mehr zu recyceln und die Verwendung biologisch abbaubarer Materialien hinaus. So sind die Verlängerung der Lebensdauer von Produkten und die
systematische Gestaltung von Produkten unter Minimierung ihrer externen Umweltauswirkungen
zwei wichtige Bereiche der Kreislaufwirtschaft. Bei diesen Aspekten spielen IT-Lösungen eine wichtige Rolle. Microsoft bietet eine ganze Reihe von Lösungen für Unternehmen, die sich um die
Cloud, digitale Zwillinge und die Verbesserung von Industrieprozessen drehen, die alle zur Kreislaufwirtschaft beitragen.

Worin liegt der Fokus auf US-Titel mit deutlich über 50 Prozent begründet?
Czupryna: Auch wenn es für Europäer, die es gewohnt sind, sich als Vorkämpfer für Umweltbelange zu betrachten, überraschend erscheint: In einer Reihe von Bereichen sind amerikanische Unternehmen führend in der Kreislaufwirtschaft. Das gilt unter anderem für die Entwicklung von Biokunststoffen – zum Beispiel Unternehmen wie Loop, Origin Materials –, die Rückgewinnung und Wiederverwendung von Autoteilen (LKQ und Copart), Lösungen für ‚Digital Twins‘ und Ökodesign (PTC, Bentley oder Autodesk) und die Herstellung von Getränkedosen als Ersatz für Plastikflaschen (Crown Holding). Diese Fortschritte in den USA erklären einen Großteil unseres hohen Engagements auf dem Markt.

Wie sieht Ihr Marktausblick für die kommenden Monate aus? Und wie wird sich das auf die Fonds-Performance auswirken?

Czupryna: Wir teilen die Ansicht unserer Volkswirte, dass die Inflationsaussichten und die Entscheidungen der Zentralbanken die Aktienmärkte in den kommenden Monaten weiterhin stark beeinflussen werden. In diesem Umfeld, das von häufigen Sektorrotationen und Scheinrallys geprägt ist, bleiben wir vorsichtig und versuchen, allzu starke Stilverzerrungen im Portfolio zu vermeiden. Die einzige bekannte Verzerrung, die wir bewusst tolerieren, ist eine Verzerrung in Richtung Small- und Mid-Cap-Aktien. Obwohl unsere Positionierung in bestimmten Titeln aus dem Materialsektor kurzfristig die Wertentwicklung beeinträchtigen kann, sehen wir dieselben Titel mittelfristig als Nutznießer der Rotation in Unternehmen, die den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft und einer Wirtschaft mit geringem CO2-Ausstoß ermöglichen. In diesem Zusammenhang sind Unternehmen, die die für diesen doppelten Übergang erforderlichen Materialien herstellen oder recyceln, gut positioniert, um eine Outperformance zu erzielen.

 

 

Angestrebt wird, das Portfolio an einem Szenario der Erderwärmung um maximal 2,5 Grad auszurichten. Wie wollen Sie das erreichen?

Czupryna: Indem wir in Unternehmen investieren, die kohlenstoffarme Lösungen durch zirkuläre Lösungen entwickeln oder ihre Prozesse auf mehr Zirkularität umstellen – und so ihre Treibhausgasemissionen senken. Es ging uns darum, ein Nachhaltigkeitsziel zu definieren, das messbar ist, weil es derzeit keine umfassende Methode gibt, um die Zirkularität eines Unternehmens zu messen. Unser mittelfristiges Ziel ist es, dieses Temperaturziel durch eine Messung der Zirkularität des Fonds zu ergänzen, die die Thematik des Fonds besser widerspiegelt.

Und warum keine Ausrichtung am 1,5-Grad- Ziel?

Czupryna: Die Temperaturmessung bleibt eine Übung, die sich ständig weiterentwickelt und stark von der Datenverfügbarkeit und der gewählten Methodik abhängt, um von vergangenen und zukünftigen Treibhausgasdaten zu einer Temperaturmessung überzugehen. Candriam hat sich für eine sehr strenge Methodik entschieden, die bei einem auf 1,5 Grad ausgerichteten
Portfolio zu einer begrenzten Anzahl von Unternehmen in einer kleinen Anzahl von Sektoren führt. Dieses Ergebnis spiegelt die einfache, wenn auch bedauerliche Tatsache wider, dass die
meisten Unternehmen heute noch nicht auf ein 1,5-Grad-Szenario vorbereitet sind.