ESG-Kriterien bei Anleihen Candriam-Fonds schließt 33 Schwellenländer aus

Motorenproduktion bei einem deutschen Autohersteller in San José Chiapa

Motorenproduktion bei einem deutschen Autohersteller in San José Chiapa: Zu den größten Länderbeteiligungen des Candriam SRI Bond Emerging Markets Fund gehören Staatsanleihen aus Mexiko. Foto: imago images / Cathrin Bach

Ein Schwellenländeranleihen-Fonds mit der besten Wertentwicklung gegenüber seiner Vergleichsgruppe macht um Russland, China und Saudi-Arabien einen Bogen, wie Bloomberg berichtet. Nach Einschätzung des Candriam-Fondsmanagements reichen die ESG-Ratings dieser Länder, also die Bewertung der Faktoren Environment, Social und Governance, nicht aus, um sie in den Candriam SRI Bond Emerging Markets aufzunehmen.

Der Candriam SRI Bond Emerging Markets mit einer Marktkapitalisierung von 1,5 Milliarden US-Dollar hat in den vergangenen drei Jahren laut Bloomberg fast 90 Prozent seiner Mitbewerber übertroffen: Im Jahr 2019 belief sich seine Wertentwicklung auf 16 Prozent. Lag der Wertverlust im ersten Quartal 2020 bei -9,6 Prozent, drehte der Fonds im zweiten Quartal mit 10,1 Prozent ins Plus und erzielte im dritten Quartal einen weiteren Zuwachs von 2,0 Prozent.

Der im November 2016 aufgelegte Fonds will Anlegern ermöglichen, von der Entwicklung von Anleihen und anderen Schuldtiteln zu profitieren, die hauptsächlich auf Währungen von Industrieländern wie US-Dollar, Euro, Britisches Pfund, Japanischer Yen und zusätzlich auf lokale Währungen lauten und von öffentlichen und privatwirtschaftlichen Emittenten in den Schwellenländern begeben werden. Um die Vergleichsindizes des Fonds zu übertreffen, werden die Staats- und Unternehmensanleihen vom Portfoliomanagement-Team nach eigenem Ermessen auf der Grundlage der Wertpapiermerkmale, der Wachstumsaussichten und der internen Analyse der ESG-Kriterien ausgewählt. Die am schlechtesten abschneidenden 25 Prozent der Länder aus dem gesamten Investmentuniversum setzt das Candriam-Management auf eine schwarze Liste – und zwar unabhängig davon, wie groß deren Rolle in der Anleihewelt ist.

Die Bepreisung von Staatsanleihen lässt ESG-Kriterien bislang außen vor

Diese Herangehensweise gibt einen ersten Eindruck, vor welchen neuen Herausforderungen Schwellenländer stehen dürften, deren Regierungen und Unternehmen auf ausländisches Kapital angewiesen sind. Gegenwärtig werden bei den Kosten für die Kreditaufnahme dieser Staatengruppe in der Regel Faktoren wie die Verpflichtung zur Senkung der Kohlenstoffemissionen oder zur Eindämmung der Korruption nicht berücksichtigt. In Zukunft könnten diese Faktoren jedoch eine wichtige Rolle spielen.

„ESG-Investitionen kommt im Zusammenhang mit Schwellenländeranleihen eine wachsende Bedeutung zu“, beobachtet Magda Branet, Strategin für Schwellenländeranleihen bei Candriam. „Es ist absehbar, dass Investoren zunehmend darauf achten werden, inwieweit sie für ESG-Risiken in den Schwellenländern entschädigt werden. Sie werden von Ländern, die mit Blick auf die Kriterien schlecht abschneiden, höhere Risikoprämien verlangen oder einige Emittenten ganz meiden“, blickt Branet voraus.