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Growth vs. Value Candriam erwartet Einstiegschancen bei europäischen Wachstumsaktien

Luxuskaufhaus Samaritaine in Paris

Luxuskaufhaus Samaritaine in Paris: Europas Unternehmen erwirtschaften relativ hohe Gewinne und schütten einen großen Teil davon an ihre Anleger aus. Foto: Imago Images / Le Pictorium

Geoffroy Goenen, Candriam

Wo stehen wir jetzt? Im März 2021 schichteten die Marktteilnehmer nach einem 5-monatigen Lauf von Growth-Aktien, wo Gewinne mitgenommen wurden, auf Value-Aktien um. Zuletzt waren aufgrund guter Fundamentaldaten wiederum Wachstumswerte gesucht. Dabei lag der Fokus auf innovativen Unternehmen, deren Umsätze und Gewinne schnell steigen. Im Gegensatz dazu sind seit dem Sommerende Anzeichen für eine Überhitzung von Value-Titeln zu beobachten.

Bei den Zinsen haben wir wahrscheinlich noch nicht das Ende des Anstiegs der langfristigen Zinssätze erreicht. Kurzfristig ist zu erwarten, dass sich die Renditen der amerikanischen und deutschen 10-jährigen Staatsanleihen weiter normalisieren. Wir sollten diesen Aufwärtstrend bis Anfang nächsten Jahres beobachten. Die Inflation bleibt auf beiden Seiten des Atlantiks hoch und dürfte auch über einen Großteil des Jahrs 2022 hinweg anhalten. Obwohl wir im internationalen Handel mit weniger Barrieren rechnen, erwarten wir in den nächsten Quartalen eine beschleunigte Teuerung bei Lebensmitteln. Die Zentralbanken fahren ihre Anleiheankäufe zurück, was die Normalisierung der langfristigen Zinsen sowohl in den USA als auch in Europa erleichtern dürfte. In Bezug auf das Wirtschaftswachstum werden die entstandenen Defizite, die zu einer hohen Verschuldung in den USA und in Europa geführt haben, die Staaten dazu zwingen, eine gewisse Haushaltsdisziplin zu wahren.

Gebremste Konjunkturentwicklung in Europa und den USA zu erwarten

Die Liquiditätsspritzen zugunsten des Konsums und die Beihilfen für kleine und mittlere Unternehmen sind ausgelaufen beziehungsweise gehen stark zurück. Es besteht daher das Risiko, dass das Wirtschaftswachstum in Europa und den USA im Jahr 2022 und danach mehr oder weniger deutlich abkühlt. Das globale Wirtschaftswachstumspotenzial wird von der Pandemie weiterhin stark beeinflusst; sie hat zu einer Explosion der Staatsdefizite und der Verschuldung geführt. Vor diesem Hintergrund dürfte im Szenario der nächsten Jahre mit schwächerem Wachstum zu rechnen sein. Darüber hinaus dürfte China, seit mehr als zehn Jahren der unbestrittene Wirtschaftsmotor der Welt, ein geringeres Wachstumspotenzial aufweisen, da es die Stellschrauben seiner Volkswirtschaft nachjustiert. Angesichts dieses gebremsten Wachstumspotenzials erwarten wir, dass die langfristigen Zinsen ihren Höhepunkt im ersten Halbjahr 2022 erreichen. Vor diesem Hintergrund könnte sich die Performance von Qualitäts- und Wachstumsaktien beschleunigen, weil sie trotz der abkühlenden Konjunktur ein rentables strukturelles Wachstum bieten können.

Im Gegensatz zu unseren Beobachtungen vor sechs Monaten, als die Marktteilnehmer entspannt auf die Zentralbanken vertrauten, ist heute das Wort „Inflation“ allgegenwärtig. Die Zentralbanken selbst beginnen, von einem Preisauftrieb zu sprechen, der länger anhalten könnte als erwartet.

Unsere Vision für 2022

In Erwartung höherer Anleihenrenditen Anfang 2022 dürften Value-Aktien bis dahin zu einer neuen Hausse ansetzen. Diese Entwicklungsphase könnte bis zum Ende des ersten Quartals 2022 dauern. Wir halten es derweil für sinnvoll, diesen für Wachstumsaktien weniger günstigen Zeitraum zu nutzen, um Positionen in Unternehmen aufzubauen, die im Verlauf der kommenden Jahre ein rentables und strukturelles Wachstum erzielen dürften. Wenn der Value-Stil langfristig erfolgreich sein soll, muss sich das Wirtschaftswachstum deutlich beschleunigen, was, wie gezeigt, nicht unser zentrales Szenario ist. 2022 besteht unsere Herausforderung darin, Unternehmen zu finden, die von beschleunigten Zuwächsen ihres Geschäftssegments oder von eigenen Innovationen profitieren. Unter den europäischen Aktien erkennen wir viele Kandidaten, die Lösungen für die zahlreichen sich beschleunigenden Herausforderungen bieten können – sei es im Bereich der Energiewende oder der neuen Technologien in den Bereichen Gesundheit, Digitalisierung und Automatisierung der Wirtschaft.

Zur kompletten Broschüre „Growth vs. Value – Unsere Vision für 20202“ geht es hier.