Im Ausblick auf 2026 sieht Cambridge Associates, ein weltweit tätiger, unabhängiger Investment-Berater für langfristige Kapitalanlagen, drei Themen für besonders relevant:
- Diversifikation gewinnt 2026 an Bedeutung: Aufgrund erhöhter Bewertungen, hoher Marktkonzentration und erhöhter Risiken sollten Anleger ihre Aktien-Allokationen überprüfen, und die Möglichkeiten einer breiteren Streuung – etwa durch Hedgefonds und andere diversifizierende Strategien – in Betracht ziehen.
- Selektiv in KI-bezogene Investitionen einsteigen: Die Bewertungen von Unternehmen im Bereich der KI-Infrastruktur – insbesondere bei den großen Hyperscalern – sind derzeit erhöht. Chancen bestehen jedoch insbesondere bei Unternehmen, die KI effizient nutzen.
- Private Credit und spezialisierte Strategien bevorzugen: Während börsengehandelte Unternehmensanleihen derzeit wenig überzeugende Chancen bieten und teuer erscheinen, eröffnen Asset-Based-Finance-Strategien – beispielsweise im Bereich Real Assets, wie die Finanzierung von Infrastrukturprojekten im Kontext der Energiewende oder von Rechenzentren – attraktive Alternativen. Diese Strategien zeichnen sich durch geringe Korrelation zu anderen Private-Debt-Ansätzen und attraktive Risiko-Rendite-Profile aus. Zudem tragen sie zu einer verbesserten Diversifikation auf Portfolioebene bei. Die im Ausblick 2026 vorgestellten Erkenntnisse verstehen sich als Grundlage für strategische Überlegungen und sollen Orientierungshilfe für Portfolioentscheidungen geben. Denn jedes Portfolio folgt den individuellen Zielen der Investoren – von der Risikobereitschaft über den Anlagehorizont und den Liquiditätsbedarf bis hin zu Währungs- und Steueraspekten.
Deshalb müssen alle Einschätzungen immer im Kontext der individuellen Situation und der bestehenden Investments bewertet werden. Gerade in einem Markt, in dem der Hype oft die Fundamentaldaten überdeckt und von substanziellen Geschäftszahlen ablenkt, sind Anleger im Vorteil, die sich konsequent auf Substanz und langfristige Wertschöpfung konzentrieren.
Das globale wirtschaftliche Umfeld im Jahr 2026
Wir gehen davon aus, dass das weltweite Wirtschaftswachstum 2026 leicht unter dem langfristigen Durchschnitt liegen wird. Damit liegen unsere Erwartungen im Einklang mit der Konsensprognose, die ein reales globales BIP-Wachstum von 2,9 Prozent vorsieht – etwas unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 3,1 Prozent.
Angesichts des sich abschwächenden US-Arbeitsmarktes und der verzögerten Auswirkungen der US-Zölle ist die Wahrscheinlichkeit positiver Wachstumsüberraschungen gering. Zugleich erscheint auch das Risiko einer starken Rezession begrenzt.
Wir gehen davon aus, dass sich der Inflationsdruck regional unterschiedlich entwickeln wird. In den Vereinigten Staaten könnte die Inflation vorübergehend steigen, weil höhere Zölle die Preise nach oben treiben. Besonders dann, wenn die im Vorfeld der Zölle aufgebauten Lagerbestände aufgebraucht sind und Unternehmen die höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben. Außerhalb der USA dürften die Zölle die Nachfrage dämpfen und den Preisdruck abschwächen.
Diese Divergenz könnte die Fähigkeit der US-Notenbank einschränken, die Zinsen so aggressiv zu senken, wie es die Märkte erwarten – während andere Zentralbanken mehr Flexibilität bei der Anpassung ihrer Geldpolitik haben dürften.
Unsere Wirtschaftsprognose für 2026 basiert auf mehreren wichtigen Faktoren:
- Erstens dürften die Entspannung der globalen Finanzlage und die geringere Unsicherheit hinsichtlich der Zölle die Konsum- und Geschäftstätigkeit weltweit stützen.
- Zweitens dürften verstärkte Investitionen in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) sowie moderate fiskalische Impulse in den Vereinigten Staaten, im Euroraum und möglicherweise auch in China das Wachstum weiter ankurbeln.
- Drittens dürften jedoch ein schwächerer US-Arbeitsmarkt, eine nachlassende Konjunkturdynamik in China und der nachlassende Aufschwung durch vorgezogene Zölle diese positiven Faktoren ausgleichen und positive Überraschungen begrenzen.
Welche Unsicherheiten und Unwägbarkeiten sehen wir? Zu den wichtigsten Risiken für unseren Ausblick zählen eine deutliche Verschlechterung des US-Arbeitsmarktes – auch wenn das derzeit unwahrscheinlich erscheint –, ein Nachlassen der KI-Begeisterung und mögliche Senkungen der US-Zollsätze aufgrund von entsprechenden Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten.
In einem Webinar hat Cambridge Associates die wichtigsten Themen aus ihrem Ausblick für 2026 beleuchtet – darunter KI, Zentralbankpolitik, Energiebedarf, Geopolitik und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt – und Einschätzungen geteilt, welche öffentlichen und privaten Anlageklassen im kommenden Jahr am besten positioniert sind.
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