Die Private-Markets-Branche wächst – und mit ihr der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Dass dieser Bedarf nicht gleichmäßig gedeckt wird, zeigt ein Blick auf die Geschlechterverteilung in investmentnahen Rollen: Frauen sind dort nach wie vor deutlich unterrepräsentiert, besonders auf Ebenen, die Anlageentscheidungen verantworten.
Die Datenlage ist eindeutig: Frauen kontrollieren heute rund 32 Prozent des global verwalteten Vermögens – Tendenz steigend. Allein in den USA erwartet McKinsey bis 2030 einen Anstieg auf rund 38 Prozent der investierbaren Vermögenswerte. Ihr Anteil an den Entscheidungstischen der Branche liegt weit darunter. Der Anteil weiblicher Finanzberaterinnen wird branchenweit auf 15 bis 20 Prozent geschätzt; in portfolioverantwortlichen Private-Markets-Rollen dürfte er noch geringer ausfallen.
Das Netzwerkproblem
Die Unterrepräsentation ist nicht zufällig verteilt. Frauen finden sich vergleichsweise häufiger in LP-nahen Funktionen wie Investor Relations oder Business Development als in investmentnahen Rollen. In kaum einer anderen Branche spielen persönliche Beziehungen und Vertrauen eine so dominante Rolle für Karriereverläufe wie in den Private Markets. Wer strukturell von diesen Netzwerken ausgeschlossen ist, kämpft nicht nur gegen eine Zugangshürde – sondern gegen ein sich selbst reproduzierendes System.
Das Problem ist nicht punktuell, sondern vielschichtig. Ein Stipendienprogramm allein wird dieses Ungleichgewicht nicht kurzfristig auflösen. Aber es kann ein konkreter Impuls sein: Zugänge verbessern, Netzwerke öffnen, neue Wege in die Branche sichtbar machen.
Catharina Weber, Geschäftsführerin des WSH Family Office und Mentorin des Programms, bringt die Investorenperspektive auf den Punkt: „In meiner täglichen Arbeit sehe ich, wie entscheidend unterschiedliche Perspektiven für gute Investmententscheidungen sind – gerade in den Private Markets.“
Das Stipendium
Genau hier setzen CAIA Association und BAI Nextgen Council mit ihrem Impact-Stipendium an, das in diesem Jahr in die zweite Runde geht. Das Programm richtet sich an Masterstudentinnen, die eine Karriere in den Private Markets anstreben, und kombiniert drei Bausteine: individuelles Mentoring über sechs Monate durch erfahrene Branchenexpertinnen, das „CAIA.nxt-Fundamentals-Zertifikat“ sowie praxisnahe Fachwebinare zu Private Debt, Private Equity und Infrastructure.
Die Zehn Mentoren sind:
- Catharina Weber, Managing Director, WSH Family Office
- Christina Hub, Relationship Manager, I Squared Capital, München
- Suzana Mijucic, Investment Managerin, Bayerische Versorgungskammer (BVK), München
- Kristina Kuhnke, Managing Director Investor Relations & Business Development, Monarch, London
- Priscilla Schnepper, Investment Managerin European Private Credit, European Investment Fund (EIF), Luxemburg
- Mailin Badurina, Investor Relations Manager, Ambienta, London
- Sarah Lehr, zuletzt Co-Head of Business Development, AssetMetrix, München
- Deborah Eggler, Managing Director Client Solutions EMEA, iCapital, Zürich
- Morgaine Conway-Grim, Gründerin, Hawks & Doves, London
- Tania Kutner, Deerpath, London
„Gerade wir als Nextgen Leadership stehen in der Verantwortung, Missstände klar zu benennen und Wege zu öffnen — ausdrücklich auch wir Männer“, sagt Sven Gralla, der bereits 2024 zu den Gründern des BAI Nextgen Council gehörte.
Stimmen aus dem ersten Jahrgang
Teilnehmerinnen berichten von konkretem Nutzen. Franziska Steinbuch, mittlerweile bei der KFW Ipex Bank, vormals bei Allianz Investment Management: „Meine Mentorinnen haben mich in einer prägenden Phase mit außergewöhnlicher Aufmerksamkeit und konkretem Rat begleitet." Paula Wohlers hebt den Netzwerkeffekt hervor: „Es sind Beziehungen entstanden, die weit über das Mentoring hinaus Bestand haben werden.“
Im zweiten Jahrgang rückt neben Mentoring und Weiterbildung die überregionale Vernetzung stärker in den Mittelpunkt – auch über das CAIA-Netzwerk auf europäischer Ebene.
Bewerbungen für den Jahrgang 2026 sind noch bis zum 10. Mai möglich.
Über die Autoren:
Sven Gralla ist Mitglied des BAI Nextgen Council und Mitinitiator des Impact-Stipendiums.
Céline Belina ist Programmleiterin bei der CAIA Association und verantwortet die Koordination des Stipendiums.
