Der Stützungsfonds des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat dem Bankhaus RSA im Mai Garantien über knapp 447 Millionen Euro gewährt. Hinzu kommt ein Barzuschuss von 2,6 Millionen Euro, mit dem die Bank ihren Bilanzverlust ausgleicht. Das geht aus dem Jahresabschluss 2025 der bayrischen Genossenschaftsbank. Der Abschluss wurde am 25. September im Unternehmensregister veröffentlicht. Zuerst hatte der Branchendienst Finanzbusiness über die Summe berichtet.
Im Juni hatte Vorstand Klaus Hatzel dem Handelsblatt gegenüber die benötigten Hilfen noch mit 112 Millionen Euro beziffert. Die jetzt ausgewiesene Garantie ist also rund viermal so hoch.
BVR-Garantie deckt alle notleidenden Kredite ab
Die Differenz erklärt sich aus dem Umfang der Absicherung. Die Garantie des BVR umfasst den gesamten Bestand notleidender Kredite. Diesen hatte die Bank dem Handelsblatt zufolge bereits zuvor mit 446 Millionen Euro angegeben. Abgesichert ist damit nicht nur der Teil, der nicht durch Sicherheiten gedeckt ist. Diesen Anteil bezifferte die Bank zuvor auf rund 115 Millionen Euro. Ein Teil der Garantie geht laut Jahresabschluss zudem auf den Wegfall der Realkreditprivilegierung unter den neuen Eigenkapitalregeln CRR III zurück.
Dank der Garantie muss die Bank für die abgesicherten Kredite keine Einzelwertberichtigungen für die akuten Ausfallrisiken im Kreditgeschäft bilden. Nimmt sie die Garantie in Anspruch, muss sie die Mittel aus künftigen Erträgen an den BVR zurückzahlen. Steigt der Wert der abgesicherten Kredite wieder, wird der BVR entsprechend aus der Garantie entlassen.
Gemessen an der Größe des Instituts ist die Summe erheblich. Die Bilanzsumme lag Ende 2025 bei knapp 1,2 Milliarden Euro. Die Garantien entsprechen damit mehr als einem Drittel davon.
Kapitalquote ohne Hilfe bei 2,03 Prozent
Ohne den BVR hätte die Bank die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen klar verfehlt. Im Jahresabschluss heißt es: „Ohne die Hilfe der BVR-SE wäre die Gesamtkapitalquote bei 2,03 Prozent. Somit könnten die aufsichtlich relevanten Mindestkapitalanforderungen von 11,25 Prozent nicht eingehalten werden.“ Die Kernkapitalquote hätte bei 1,10 Prozent gelegen. Mit der Stützung erreicht die Bank eine Gesamtkapitalquote von 13,03 Prozent und eine Kernkapitalquote von 11,34 Prozent.
Der Abschlussprüfer, der Genossenschaftsverband Bayern, weist im Bestätigungsvermerk auf eine wesentliche Unsicherheit über die Fortführung der Bank hin. Zudem belastet die Krise das Einlagengeschäft: Laut Jahresabschluss flossen infolge der Berichterstattung über die Bank erhebliche Kundeneinlagen ab.
Bankhaus RSA seit 2025 unter dem Schirm des BVR
Die Schieflage des Instituts ist seit 2025 bekannt. Im September 2025 sagte der BVR erste Garantien von knapp 60 Millionen Euro zu. Als Ursachen nannte die Bank ein zu schnelles Wachstum, eine mangelnde Diversifizierung und Wertberichtigungen auf riskantere Kredite. Steigende Zinsen und sinkende Immobilienwerte hätten die Lage verschärft. Der Schwerpunkt der Kundenfinanzierungen liegt laut Jahresabschluss im Immobilienbereich.
Im April 2026 räumte die Bank ein, dass die bisherigen Hilfen nicht ausreichen würden. Eine Zukunft als eigenständiges Haus sah sie nicht mehr. Hatzel verwies auf strukturelle Ursachen: „Die aktuelle Situation ist nicht das Ergebnis einzelner Bewertungen oder externer Gutachten, sondern Folge einer über Jahre entstandenen Entwicklung.“
Fusion mit größter Genossenschaftsbank Bayerns
Die Fusion ist zugleich eine Auflage des BVR. Im Stützungsvertrag hat sich die Bank verpflichtet, 2026 zu verschmelzen, vorrangig mit der Meine Volksbank Raiffeisenbank aus Rosenheim. Kommt die Fusion nicht zustande, darf der BVR den Vertrag kündigen.
Am 17. Juni stimmten die Mitglieder des Bankhauses RSA mit rund 81 Prozent für die Verschmelzung. Darauf folgten 95 Prozent der Vertreter der Rosenheimer Bank. Mit einer Bilanzsumme von mehr als 12 Milliarden Euro ist sie die größte Genossenschaftsbank Bayerns. Das Bankhaus RSA soll dort als eigene Vertriebsregion weitergeführt werden.
Volksbank Brawo braucht noch mehr Geld
Das Bankhaus RSA ist nicht der einzige Problemfall im Genossenschaftssektor. Den bislang größten stellt die Volksbank Braunschweig Wolfsburg (Brawo) dar. Sie benötigt bis zu 720 Millionen Euro vom BVR: Garantien über 473 Millionen Euro sowie eine Beteiligung des Verbands von bis zu 250 Millionen Euro. Anders als das Bankhaus RSA soll die Brawo eigenständig saniert werden, seit September unter dem neuen Vorstandschef Jürgen Wache.