BVI-Zahlen Trotz Rekordvermögen: Darum meiden Anleger nachhaltige Fonds

Grüne, also nachhaltige Investments haben es nicht leicht. Transformationsfonds bleiben trotz SFDR-Reform eine Randerscheinung.

Grüne, also nachhaltige Investments haben es nicht leicht. Transformationsfonds bleiben trotz SFDR-Reform eine Randerscheinung. Bildquelle: KI-generiert

Laut der aktuellen Ausgabe „Fokus Nachhaltigkeit“ des Fondsverbands BVI verwalteten Ende Juni Publikums- und Spezialfonds nach Artikel 8 und Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) in Deutschland zusammen 1.491 Milliarden Euro. Das sind 110 Milliarden Euro oder knapp 8 Prozent mehr als Ende 2025. Das Vermögen der Publikumsfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen stieg von 901 auf 981 Milliarden Euro, bei Spezialfonds von 480 auf 509 Milliarden Euro.

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Der Vermögenszuwachs geht laut BVI jedoch vor allem auf die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten zurück, nicht auf frisches Anlegergeld. Denn das Netto-Mittelaufkommen blieb verhalten: Im ersten Halbjahr 2026 flossen den als nachhaltig klassifizierten Publikums- und Spezialfonds zusammen netto lediglich 4 Milliarden Euro zu. 1,3 Milliarden Euro davon entfielen auf Publikumsfonds, 2,7 Milliarden Euro auf Spezialfonds. Zum Vergleich: Fonds ohne Nachhaltigkeitsmerkmale sammelten im selben Zeitraum 75,4 Milliarden Euro netto ein.

Transformationsfonds: Weniger als 1 Prozent Marktanteil

Besonderes Augenmerk legt der BVI in der aktuellen Ausgabe auf sogenannte Transformationsfonds. Das sind Produkte, die gezielt in Unternehmen investieren, die sich auf dem Weg zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen befinden. Grundlage der Auswertung ist die Esma-Fondsnamenrichtlinie, die eine eigene Gruppe transformationsbezogener Begriffe definiert, darunter „Transition“ oder „Fortschritt“.

 

Auf Basis dieser Namensbestandteile lassen sich nach BVI-Angaben derzeit rund 200 Fonds beziehungsweise Anteilklassen als Transformationsfonds identifizieren. Sie verwalten zusammen 9,2 Milliarden Euro für Anleger in Deutschland. Gemessen am Vermögen nachhaltiger Publikumsfonds von rund 981 Milliarden Euro entspricht das einem Marktanteil von weniger als einem Prozent.

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Rund 70 Prozent des Vermögens entfallen dabei auf Fonds mit dem Schlagwort „Transition“, ein weiteres knappes Viertel auf „Net Zero“. ETFs, die Climate-Transition-Benchmarks oder Paris-Aligned-Benchmarks nachbilden, machen mit 5,7 Milliarden Euro mehr als die Hälfte des Transformationsfonds-Marktes aus.

SFDR-Reform soll eigene Kategorie schaffen

Im Zuge der SFDR-Reform plant die EU-Kommission, die bisherigen Transparenzvorschriften durch klar definierte Nachhaltigkeitskategorien zu ergänzen. Dabei soll unter anderem eine eigene „Transition“-Kategorie eingeführt werden. Die alten Artikel-8- und Artikel-9-Kategorien hingegen sollen verschwinden und durch klar definierte Nachhaltigkeitsklassen ESG Basics (neuer Artikel 8) und Sustainable-Produkte (neuer Artikel 9) ersetzt werden.  

Der BVI mahnt in diesem Zusammenhang, die neue Kategorie nicht durch übermäßig restriktive Ausschlusskriterien einzuschränken und global investierbar zu halten.

Warum die Nachfrage schwach bleibt

Dass die Zuflüsse trotz eines wachsenden Angebots verhalten bleiben, hat vor allem regulatorische Gründe. Eine gemeinsame Umfrage von AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, Forum Nachhaltige Geldanlagen und der Universität Kassel zeigt: 81 Prozent der befragten Berater halten die regulatorischen Anforderungen nicht für angemessen, knapp 70 Prozent gehen davon aus, dass ihre Kunden kaum Wissen über nachhaltige Produkte haben und 64 Prozent sehen keine substanzielle Nachfrage.

Auch LBBW-Investmentspezialist Stephan Wittwer bestätigt im Interview, dass Nachhaltigkeit im Beratungsgespräch seit 2023 an Bedeutung verloren habe, weil die regulatorische Verschärfung das Thema für viele unverständlich gemacht habe.

Hinzu kommt ein handfester Performance-Faktor: Laut einer Morningstar-Auswertung liegt einer der Gründe für die Mittelabflüsse aus ESG-Fonds darin, dass diese wegen ihrer Ausschlusskriterien 2025 weniger von den Kursgewinnern Rüstung und CO2-intensiven Branchen profitierten. Damit blieb ihre Wertentwicklung hinter der nicht-nachhaltiger Wettbewerber zurück.

Eine Bafin-Verbraucherumfrage relativiert das Bild allerdings: Das grundsätzliche Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten sei mit 65 Prozent weiterhin hoch, jedoch wünschten sich 97 Prozent der Befragten klarere Informationen – ein Hinweis darauf, dass nicht fehlendes Interesse, sondern Unübersichtlichkeit und Begriffsverwirrung zwischen Artikel 8 und Artikel 9 viele Anleger zurückhält.

Artikel-8-Fonds wachsen, Artikel-9-Fonds schrumpfen

Die BVI-Zahlen fügen sich in ein Bild, das auch andere Marktbeobachter zuletzt gezeichnet haben. Laut einer Analyse von Scope Fund Analysis waren in Deutschland zum Stichtag Ende Februar 2026 6.623 Artikel-8-Fonds mit einem verwalteten Vermögen von 5,76 Billionen Euro zugelassen – ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Artikel-9-Fonds entwickelten sich dagegen rückläufig: Anzahl und Vermögen sanken laut Scope jeweils um rund 7 Prozent.

 

Als einen Treiber für das ungleiche Wachstum nennen Marktbeobachter den größeren Spielraum von Artikel-8-Fonds, etwa bei Rüstungsinvestments. Seit der geopolitischen Zeitenwende infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben mehrere große Asset Manager ihre Ausschlusskriterien für Verteidigungswerte gelockert. So hebt beispielsweise die Allianz-Fondstochter AGI zwei Ausschlusskriterien für die meisten ihrer Artikel-8-Fonds auf: die bisherige Umsatzschwelle für Militärausrüstung sowie den Ausschluss von Nuklearwaffen aus Staaten des Atomwaffensperrvertrags. Die Entscheidung sorgte unter Vermittlern für Diskussionen. Ein Bankenbündnis fordert unterdessen eine schärfere, enger gefasste Definition kontroverser Waffen, die auch Atomwaffen ausdrücklich einschließt.

Auch bei den wenigen bereits am Markt etablierten Transformationsfonds und -ETFs zeigt sich die begrenzte Reichweite des Segments: Ökoworld hatte im April 2026 zwei Bestandsfonds auf Transformationsstrategien umgestellt, die Umweltbank legte im Juli 2026 drei neue Artikel-9-ETFs auf. Beide Häuser bleiben damit im deutschen Marktvergleich Nischenanbieter.

 

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