BVDS-Bericht 2017 Deutsche Stiftungen befinden sich im Umbruch

Michael Göring (l.) ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Felix Oldenburg arbeitet als Generalsekretär des Verbands. | © Bundesverband deutscher Stiftungen

Michael Göring (l.) ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Felix Oldenburg arbeitet als Generalsekretär des Verbands. Foto: Bundesverband deutscher Stiftungen

Die Zahl der Stiftungen in Deutschland ist 2017 um 549 Neuerrichtungen auf 22.274 (Vorjahr: 21.806) gestiegen. Wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen auf seiner Jahrespressekonferenz bekannt gab, sind im gleichen Zeitraum 75 Stiftungen aufgelöst, anderen Stiftungen zugelegt oder mit anderen Stiftungen zusammengelegt worden. Damit liegt das Stiftungswachstum bei 2,1 Prozent, nach 2,4 Prozent im Vorjahr.

„Stiftungswirken ist überall. Stiftungen tragen zum Beispiel rund 150 Krankenhäuser und 270 Museen oder pflegen mindestens 154.000 Hektar Naturschutzflächen“, sagt Michael Göring, Vorstandsvorsitzender im Bundesverband Deutscher Stiftungen: „So wie Wagniskapital in der Wirtschaft wirken Stiftungen an entscheidender Stelle im System.“

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Zudem lösten sich 75 Stiftungen auf, unter anderem durch die Möglichkeit der Zusammenlegung. Dadurch entstehen auch wieder neue Stiftungen, wie der Verband auf Nachfrage mitteilt. Diese könne er aber nicht einzeln ausweisen. Dadurch ergibt sich in der Gesamtzahl der Stiftungen eine leichte Differenz im Vergleich zum Vorjahr.Quelle: Bundesverband deutscher Stiftungen

Gegenüber dem Verband berichteten einzelne Stiftungsaufsichten von einer verstärkten Nachfrage nach Verbrauchsstiftungen sowie Zu- und Zusammenlegungen von Stiftungen. Größtes Problem der Einrichtungen seien weiterhin die sinkenden Erträge. Auch die zunehmende Bürokratie mache Engagierten in Stiftungen das Leben schwer, so Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Oldenburg sieht auch die Politik in der Pflicht: „Wenn die Erträge weiter sinken, stehen viele Ideen und Engagierte allein da. Daher erwarten wir von der neuen Bundesregierung die zügige und längst fällige Umsetzung der Stiftungsrechtsreform – wie im Koalitionsvertrag angekündigt.“ Es dürfe nicht um weniger, sondern müsse um mehr Stiftungswirken gehen, so der Generalsekretär. „Nur mit flexiblen und modernen Modellen werden wir die nächste Generation gewinnen.“

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 Quelle: Bundesverband deutscher Stiftungen

Als Beispiel für neue Stiftungsmodelle bringt Oldenburg die IOTA Foundation – gegründet im Herbst 2017 in Berlin – ins Spiel. Sie ist die erste Stiftung in Deutschland, die auf einer Kryptowährung basiert. Zudem haben die IOTA-Macher die seltene Form der Hybridstiftung gewählt. Dabei könne ein Teil des Vermögens für den Zweck verbraucht werden.

Für Oldenburg seien Start-up-Gründer die Stifter und Stifterinnen von morgen: „Und Stiftungen sind die Start-ups, die Innovatoren, der Zivilgesellschaft.“ Allein die dem Bundesverband bekannten jährlichen Stiftungsausgaben in Höhe von 4,3 Milliarden Euro entsprächen der Höhe des Risikokapitals, das 2017 in Start-ups investiert wurde, so Oldenburg.

Die stifterisch aktivste Unternehmensgruppe in Deutschland ist die Sparkassen-Finanzgruppe. Die Zahl der Stiftungen der Sparkassen-Finanzgruppe ist im vergangenen Jahr um sieben gewachsen und liegt aktuell bei 745. Rund 75,5 Millionen Euro schütteten Sparkassenstiftungen 2017 aus. Das Stiftungskapital der Stiftungen der Sparkassen-Finanzgruppe belaufe sich auf 2,6 Milliarden Euro.