BVDS-Bericht 2015 „Jede Woche gibt es elf neue Stiftungen“

Begrüßt die zahlreichen Stiftungsgründungen in einigen ostdeutschen Ländern: Michael Göring, Chef des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

Begrüßt die zahlreichen Stiftungsgründungen in einigen ostdeutschen Ländern: Michael Göring, Chef des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

In Deutschland haben Förderer im vergangenen Jahr 583 Stiftungen bürgerlichen Rechts gegründet. Damit stieg die Zahl der Stiftungen hierzulande auf 21.301, wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen mitteilte. „Jede Woche gibt es elf neue Stiftungen – das ist eine gute Nachricht aus der Zivilgesellschaft“, kommentiert Michael Göring, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes, die Zahlen.

Trotz gesunkener Zinserträge bleibt der Trend zur Stiftungsgründung in Deutschland damit ungebrochen. Zwar ist die Zahl der Neugründungen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. Dies führt der Dachverband allerdings auf die zunehmende Beliebtheit von Treuhandstiftungen zurück, die statistisch nicht erfasst werden. Der Bundesverband rät bei kleineren Stiftungsvermögen zu dieser Alternative.

Aber auch große Stiftungen reagieren zunehmend auf das Niedrigzinsumfeld und greifen zu kreativen Fundraising-Ideen. Zugleich denken viele über besondere Anlageformen wie Social Impact Investing nach, um trotz niedriger Zinsen die Zivilgesellschaft zu stärken. Dabei wird sozialen Unternehmen oder Projekten durch Stiftungsmittel der Start erleichtert.

Soziales steht ohnehin weiter unangefochten an der Spitze der Stiftungszwecke (siehe Grafik). Einige Neugründungen des vergangenen Jahres antworten unterdessen direkt auf die Flüchtlingskrise und konzentrieren ihre Arbeit auf die Integration von Zugewanderten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vor diesem Hintergrund bewertet der Bundesverband besonders die Dynamik im Osten Deutschlands positiv.

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Blick auf die Bundesländer


So liegt die Wachstumsquote bei neugegründeten Stiftungen mit 5,8 Prozent in Thüringen und 4,5 Prozent in Sachsen deutlich über dem Bundesschnitt von 2,5 Prozent. „Auch wenn die absoluten Stiftungszahlen dort noch viel geringer sind als in den westlichen Bundesländern, holen manche der östlichen Bundesländer jetzt auf“, so Göring, „Das zeigt die dort größer gewordene Wirtschaftskraft genauso wie zunehmendes zivilgesellschaftliches Engagement.“

Den größten Zuwachs an Stiftungen in absoluten Zahlen erreichte erneut das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 117 Neugründungen. Auch bei absoluten Zahlen liegt Nordrhein-Westfalen weiter an der Spitze: 4.159 Stiftungen bürgerlichen Rechts haben hier ihren Sitz. An zweiter Stelle liegt Bayern mit 3.845 Stiftungen, gefolgt von Baden-Württemberg mit 3.187 Stiftungen. Sachsen ist stiftungsreichstes ostdeutsches Bundesland mit 509 Stiftungen.

Gemessen an der Einwohnerzahl haben bei den Bundesländern die Stadtstaaten Hamburg (78 Stiftungen pro 100.000 Einwohner) und Bremen (50) sowie die Flächenländer Hessen (31), Bayern und Baden-Württemberg (30) in der Stiftungsdichte die Nase vorn.

Hauptstadt der Stiftungen in Bezug auf ihre Einwohnerzahl bleibt Würzburg. Pro 100.000 Einwohner gibt es hier 92 Stiftungen, dahinter kommen Hamburg und Oldenburg mit jeweils 78 Stiftungen und Frankfurt mit 77.