Fonds auf dem ESG-Prüfstand Bunter Rating-Strauß mit Schwächen

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In seiner Urfassung 2016 gestartet, hat der US-Fondsdatenanbieter dieses im November 2019 gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Sustainalytics nochmals überarbeitet. Die Prüfer konzentrieren sich ausschließlich auf die Portfolio-Unternehmen und bewerten, wie diese verglichen mit ihren jeweiligen Wettbewerbern ESG-Risiken vermeiden. „Mit dem neuen Rating können Anleger noch besser Fondsstrategien hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit vergleichen, auch wenn deren Investments aus sehr unterschiedlichen Industrien stammen“, erklärt Hortense Bioy.

Als Extrem-Beispiele nennt Morningstars ESG-Research-Chefin Software-Schmieden und Öl-Förderer. Um dies abzurunden, hat das Analysehaus im November des Vorjahres noch sein ESG Commitment Level lanciert. Anders als das Sustainability Rating beurteilt dieses, wie weit Asset Manager und Fonds ESG-Kriterien integrieren; also mehr die Strategie als den Inhalt der Portfolios.

Zu den weiteren ESG-Prüfern zählt die österreichische Mountain-View Data, die nach eigenen Angaben mit dem 2008 erschienenen EDA-Score das älteste ESG-Rating überhaupt anbietet. Auch dabei bleibt die ESG-Integration beim Fondsanbieter außen vor, stattdessen durchleuchten Analysten die Portfolios. Komplett schließen sie Schmuddelkram nicht aus, bis höchstens 10 Prozent erlauben sie etwa Tierversuche, Fracking und Rüstung.

Stolz sind die Researcher, die aktuell rund 45.000 bewertete Fonds melden, auf ihre vielfältigen Datenquellen, zu denen auch Greenpeace und Unicef gehören. Einem ähnlichen Ansatz folgt Your SRI vom Beratungs- und Forschungsunternehmen CSSP.

Die Liechtensteiner kombinieren Finanzdaten der Portfolio-Unternehmen mit Nachhaltigkeits-Infos von MSCI ESG Research und Daten zum Kohlenstoff-Ausstoß von ISS-Ethix. Nach eigenem Bekunden haben sie auf diese Weise bereits 32.000 Fonds unter die Lupe genommen. Das als Index-Anbieter bekannte Unternehmen MSCI bietet momentan die ESG-Analyse von rund 53.000 Fonds an.

Unter das Mikroskop kommen auch dort ausschließlich deren Investments. Zu den ausgewiesenen Aspekten zählen neben den Carbon-Emissionen beispielsweise auch der tatsächliche Frauen-Anteil in den Vorständen der Portfolio-Gesellschaften.

Das Österreichische Umweltzeichen gehört dagegen zu den Siegel-Varianten, die zuvorderst den Anlageprozess des Asset Managers in den Blick nehmen. Die dortige ESG-Integration messen die Experten des österreichischen Bundesministeriums für Klimaschutz und Umwelt, indem sie Ausschlusskriterien verlangen und Prozesse untersuchen, die Umwelt und Soziales fördern sollen. Die Zahl von 163 ausgezeichneten Fonds bleibt wie beim FNG-Siegel noch übersichtlich.

Die Researcher von Climetrics sprechen dagegen von rund 20.000 Fonds, die sie seit 2017 mit Schwergewicht auf Klimafolgen geprüft haben. Sie wollen sowohl die Portfolios selbst als auch die Integration von ESG-Ansprüchen in Fondshäusern und Anlagestrategien berücksichtigen. Damit liegen sie durchaus im Trend, wie die Updates der Rating-Methoden auf dem noch jungen Research-Gebiet zeigen.

Aufgrund der zahlreichen Herangehensweisen kann es geschehen, dass die Rating-Anbieter zu sehr unterschiedlichen Urteilen über dieselben Fonds kommen. Nachhaltige Kriterien künftig weiter zu harmonisieren und insbesondere einheitlicher zu quantifizieren, sodass sie wie Performance- und Risiko-Kennziffern vergleichbar werden, käme sicherlich gleichermaßen Beratern, Profi-Investoren und privaten Anlegern entgegen. Das sehen viele Researcher wie etwa Volker Weber von FNG ähnlich: „Wir wollen die Wirkung nachhaltiger Strategien mess-barer machen.“