Büros und der Trend zum Homeoffice Anbieter maßgeschneiderter Immobilien werden belohnt

Professor Dr. Tobias Just ist Lehrstuhlinhaber für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg: Es sollte sehr viele unterschiedliche Antworten auf die Frage nach einer angemessenen Homeoffice-Quote in einem Unternehmen geben.  | © IREBS, Thomas Plettenberg

Professor Dr. Tobias Just ist Lehrstuhlinhaber für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg: Es sollte sehr viele unterschiedliche Antworten auf die Frage nach einer angemessenen Homeoffice-Quote in einem Unternehmen geben. Foto: IREBS, Thomas Plettenberg

In Deutschland arbeiten rund 15 Millionen Menschen auf etwa 410 Millionen Quadratmeter Büromietfläche. Zwar arbeiteten auch vor 2020 viele Menschen hin und wieder von zu Hause aus, doch erst im Zuge der Corona-Pandemie wurde das Heimbüro für viele Arbeitskräfte alternativlos. Die Erfahrungen, die in dieser Lockdown-Zeit gemacht wurden, waren sicherlich gemischt; tägliche Reisezeiten wurden verkürzt, Abstimmungen mussten auf neuen elektronischen Wegen erfolgen, die Frage nach der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie wurde in jeder Stunde neu verhandelt und nicht nur zu den richtungweisenden Entscheidungen der Familien- und Karriereplanung.

Vor allem aber haben viele Unternehmen und deren Führungskräfte die Berührungsängste mit dem Thema Homeoffice ablegen müssen und sich damit auf eine Lernkurve begeben, die zuvor oft aus Vorsicht oder Vorurteil vermieden wurde. Und Mitarbeiter brauchten keinen Heldenmut aufzubringen, um ihren Wunsch nach Homeoffice zu äußern.

Nun ist es mit Erfahrungen wie mit märchenhaften Geistern in Flaschen; sind sie erst einmal gemacht (befreit), ist es unmöglich so zu tun, als gäbe es die Erfahrung nicht: Der Geist bleibt dauerhaft außerhalb der Flasche. Hier endet dann aber auch schon die Analogie zwischen Erfahrungen und Flaschengeistern, denn es liegt in erster Linie an uns, was wir aus unseren neuen Erfahrungen machen, sprich wie wir die Lernkurve emporklettern. Entsprechend ist die erste Botschaft dieses Standpunkts, dass alles, was wir bisher über Homeoffice in den wenigen Monaten gelernt haben, eben nur erste Schritte entlang eines längeren Lernweges gewesen sind.

Wie könnten die weiteren Schritte aussehen? Die Analysten von Catella (2020) haben in einer aktuellen Studie ermittelt, dass zwei von drei Befragten ein bis drei flexible Tage und 20 Prozent der Befragten sogar vollständig freie Einteilung von Arbeitszeit und Arbeitsort als wünschenswerteste Arbeitsorganisation bevorzugen. Diese zusätzliche Flexibilität könnte es den Unternehmen ermöglichen, mit den festen Büroflächen zu haushalten, und dies wiederum könnte die Büroflächennachfrage spürbar reduzieren.

Würde zum Beispiel jeder Mitarbeiter tatsächlich zwei Tage von zu Hause arbeiten und würde dann nur jede zweite Fläche der dadurch vorübergehend frei werdenden Flächen in bestehenden Büroräumen flexibler verplant werden, zum Beispiel in Form von geteilten Büroarbeitsplätzen oder durch vermehrte Anmietung von Co-Working-Flächen, könnte dies ein Fünftel der Büroflächennachfrage langfristig reduzieren – 80 Millionen Quadratmeter Mietfläche oder sieben Mal das Büroangebot in Frankfurt, unter sonst gleichen Bedingungen versteht sich. 

In diesem Standpunkt geht es jedoch nicht darum zu schätzen, wie stark die Büroflächennachfrage in den nächsten Jahren sinken könnte (oder nicht), sondern es geht darum zu argumentieren, dass es sehr viele unterschiedliche Antworten auf die Frage nach einer angemessenen Homeoffice-Quote in einem Unternehmen geben sollte und dass eine staatliche Einmischung hier mehr schaden als helfen kann. Letztlich hängt es von den individuellen Lernschritten und Bedürfnissen in den Teams und den Unternehmen ab.