Candriam
Warum bewegt sich der Gesundheitssektor in Zyklen? Der Sektor ist durch wissenschaftliche Innovationen und regulatorische Entscheidungen geprägt und unterliegt daher wiederkehrenden Zyklen von Kapitalzuflüssen und -abflüssen. Diese Dynamik führt regelmäßig zu erheblichen Schwankungen bei Unternehmensbewertungen.
In Zeiten von Kapitalabflüssen herrscht unter Investoren häufig Skepsis hinsichtlich der klinischen und kommerziellen Erfolgschancen; sie warten in der sogenannten „Show-me-Phase“ erst einmal ab. Sobald jedoch die Wahrscheinlichkeit von Erfolgen zunimmt und sich die Geschäftsaussichten verbessern, fließt Kapital in den Sektor zurück. In der anschließenden Wachstumsphase werden Laborinnovationen in klinische Produkte umgesetzt, die sowohl medizinischen als auch finanziellen Mehrwert schaffen.
Die Aufgabe der Candriam-Analyse ist es, genau diese Wendepunkte zu erkennen. Ziel ist es, die Unternehmen zu identifizieren, die am besten positioniert sind – dort, wo wissenschaftliche Innovation auf klar erkennbare Marktchancen trifft und wo sich gleichzeitig ein attraktives Risiko-Ertrags-Verhältnis bietet. Mit anderen Worten: Wir investieren gezielt in Strategien und Firmen, bei denen biotechnologische Forschung, klinische Entwicklung und Marktbedarf eng miteinander verknüpft sind.
Zudem ermöglicht uns unsere strenge Risikoanalyse, ausgewogene und widerstandsfähige Portfolios zu konstruieren.
Warum hat der Gesundheitsmarkt in den vergangenen Jahren so stark gelitten?
Seit 2021 befindet sich der Gesundheitssektor in einer anhaltend schwierigen Phase, die auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen ist:
• Neugewichtung der Bewertungen: Die Börsengänge 2020 und die Begeisterung rund um Covid-Impfstoffe trieben die Biotech-Bewertungen auf ein extrem hohes Niveau. Seitdem hat sich der Sektor in den vergangenen drei Jahren schrittweise normalisiert.
• Rückgang der Übernahmen im öffentlichen Sektor: Fusionen und Übernahmen – ein klassischer Wachstumsmotor der Biotechnologie – kommen bei börsennotierten Unternehmen derzeit weitgehend zum Erliegen. Gleichzeitig boomt im privaten Sektor, vor allem in China, die Übernahme innovativer biopharmazeutischer Technologien. Um in diesem Umfeld die besten Chancen zu nutzen, hat Candriam seine Analyse chinesischer Unternehmen intensiviert. Ziel ist es, die echten Innovationsträger zu identifizieren – also Firmen, die voraussichtlich als „Best-in-Class“ gelten und nur wenig oder gar keine Konkurrenz haben.
• Erhöhte makroökonomische und politische Volatilität: Seit Ende 2024 sorgt die zweite Trump-Regierung in den USA für zusätzliche Unsicherheit im Gesundheitssektor. Besonders im Blick stehen mögliche neue Vorschriften der FDA sowie das erklärte Ziel, die Kosten für Medikamente zu senken. Viele Investoren haben daraufhin Kapital aus dem Sektor abgezogen, was die Aktienkurse zusätzlich belastet hat. Gleichzeitig arbeitet die US-Regierung eng mit der FDA und anderen Behörden zusammen, um die Entwicklungs- und Zulassungsprozesse für Medikamente zu beschleunigen. Dieser Schritt betrifft alle Therapiebereiche, auch die Onkologie, und könnte langfristig Innovationen sowie die Einführung neuer wichtiger Medikamente fördern.
Außerdem strebt die US-Regierung niedrigere Medikamentenkosten an; ein Vorhaben, das wir für schwer umsetzbar halten. Zur Risikosteuerung haben wir unser Engagement in Onkologie-Diagnostik und -Technologien erhöht und gleichzeitig unsere Positionen in Onkologie-Therapien reduziert – insbesondere bei solchen Medikamenten, die am stärksten von potenziellen Budgetkürzungen der US-Regierung betroffen wären, was vor allem große Pharmakonzerne trifft.
• Externe Belastungen: Zusätzlich wirken sich Faktoren, die nicht sektorspezifisch sind – wie Inflation, Handelskonflikte und geopolitische Spannungen – auf das aktuelle Klima der Unsicherheit aus. Im Rahmen unserer langfristigen Anlagestrategie wenden wir deshalb strenge Analyseverfahren an, um diese Risiken und die zugrunde liegende Volatilität systematisch zu berücksichtigen.