private banking magazin: Investments in private Märkte sind gefragt. Wie gehen Sie in diesen Anlageklassen vor?
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private banking magazin: Investments in private Märkte sind gefragt. Wie gehen Sie in diesen Anlageklassen vor?
Britta Weidenbach: Wir setzen bei Auretas schon seit einigen Jahren Private Equity nicht mehr in klassischen geschlossenen und illiquiden Fondsvarianten um, sondern haben den Ansatz damals semiliquide genannt, weil wir sicherstellen wollten, das Maß der Liquidität treffend zu beschreiben. Mittlerweile allerdings ist es tatsächlich so, dass wir Private Equity wirklich liquide umsetzen.
Dazu legen wir ausschließlich in gelistete Vehikel an. Das heißt, unsere Strategie ist es, in börsennotierte General Partner, Beteiligungsgesellschaften und Ähnliches zu investieren. Und da diese an Wertpapierbörsen handelbar sind, ist grundsätzlich tägliche Liquidität verfügbar. Aufgrund dieser Handelbarkeit ist es kein semiliquider Ansatz, sondern ein vollkommen liquider.
Wie groß ist der Markt inzwischen, und liegt der Fokus allein auf Private Equity?
Weidenbach: Die Marktkapitalisierung der gelisteten Private- Equity-Gesellschaften, der General Partner, liegt mittlerweile jenseits einer halben Billion Euro. Damit ist der Markt definitiv groß genug. Neben Private Equity können wir auch bei Infrastruktur und Immobilien so vorgehen. Eine Ausnahme ist Private Debt, da es in der Anlageklasse keine Lösung gibt, die unseren Liquidi- tätsanforderungen entsprechen würde.
Welchen Anteil haben private Unternehmensbeteiligungen beim Family Office Auretas an den Kapitalanlagen?
Weidenbach: Über alle Asset-Klassen betrachtet macht der Baustein der privaten Märkte in unserer strategischen Asset-Allokation ungefähr 20 Prozent aus. Die konkrete Ausgestaltung für unsere Mandanten variiert entsprechend den jeweiligen Anforderungen und reicht von gar keinen Privatmarkt-Anlagen bis hin zu einem Anteil von 30 Prozent.
Wir erwarten, dass der Trend zu Private Markets weiter andauern wird. Und wir sind auch zuversichtlich für unsere vollkommen liquide Herangehensweise, von der wir uns weiterhin viel versprechen, insbesondere natürlich, dass diese Art der Strategie, in Private Equity zu investieren, sehr performant bleiben wird.
Welche Vorteile sehen Sie bei Ihrem Vorgehen?
Weidenbach: Allen voran ist die Liquidität ein entscheidender Pluspunkt. Viele Investoren, die in der Vergangenheit mit illiquiden Vehikeln wie geschlossenen Fonds in Private Equity investiert haben, stellten im Lauf der Zeit fest, dass sie sich dieser Illiquidität deutlich länger als gedacht nicht entziehen konnten. Die Laufzeiten liegen selten bei nur 10 Jahren, meist bei 12 bis 15 Jahren.
Auch in Frequenz und Höhe der Ausschüttungen im Zeitverlauf wurden sie bei geschlossenen Fonds zuletzt enttäuscht. Ein weiterer Vorteil unseres Vorgehens ist es, dass wir immer vollständig investieren können. Das heißt, wir stellen kein Committed Capital, das dann die General Partner nach Bedarf abrufen, wie es bei geschlossenen Private-Equity-Fonds üblich ist. Kapital, das Mandanten uns für Private Equity zur Verfügung stellen, können wir vom ersten Tag an zu 100 Prozent auch in Private Equity anlegen.
Sollte eine hinreichende Diversifikation auf diesem Weg auch leichter zu erzielen sein?
Weidenbach: Ja, um in Private Equity vernünftig diversifiziert anzulegen, bedarf es hoher zweistelliger, wenn nicht dreistelliger Millionensummen. In jedem Fall müssen Interessierte viel Geld in die Hand nehmen, um wirklich breit zu streuen. Das ändert sich, so wie wir investieren. Denn Private-Equity-Gesellschaften wie beispielsweise die Partners Group oder Apollo haben im Grunde Hunderte von Private-Markets-Anlagen im Unternehmen. Wenn wir also auf der General-Partner-Ebene investieren, dann sind alle, die dabei sind, sofort breit diversifiziert.
Ein weiteres Argument ist, dass die gelisteten General Partner verglichen mit vielen anderen Private-Equity-Investmentkonzepten über einen längeren Zeitraum doch deutlich besser performen. Der Grund liegt darin, dass sie zusätzlich zur eigenen Leistung und dem Wertzuwachs von dem Momentum der Asset-Klasse und den damit einhergehenden Flows in diese Branche profitieren. Auch darüber steigen die Assets under Management und mit dem verwalteten Vermögen dann selbstverständlich auch die Management Fees. In unseren Augen handelt es sich um einen klaren strukturellen Vorteil.
Die tägliche Liquidität bringt aber auch Nachteile mit sich. Welche sehen Sie zuvorderst?
Weidenbach: Eine tägliche Liquidität und Preissetzung bringt in dynamischen Zeiten auch eine höhere Volatilität, zumindest im Sinn von mehr sichtbaren Schwankungen, als das in einem geschlossenen Vehikel der Fall ist. Vor allem Institutionelle Investoren dagegen haben es häufig lieber, nicht auf Tagesbasis Wertschwankungen wahrzunehmen. Aber schließlich kommt es auf die langfristige Performance an und nicht auf die Frage der Volatilität, die ja auch etwas Positives sein kann.
Immobilien berücksichtigen Sie dann ebenfalls ausschließlich über REITs?
Weidenbach: Auch dort greift unser Ansatz, ausschließlich gelistete Vehikel zu wählen. Und auch REITs bieten grundsätzlich tägliche Handelbarkeit. Haltefristen (englisch Lock-ups) kommen definitiv für keine unserer Anlagen infrage. Geschlossene Fondsstrukturen sind ausgeschlossen. Mit REITs können wir Vehikel wählen, die nicht nur quartalsweise Liquidität bieten.
Was halten Sie von semiliquiden Ansätzen wie dem neuen Eltif-Regime für Infrastruktur-Investments?
Weidenbach: In dem Zusammenhang betone ich immer wieder, dass der Name Eltif in erster Linie die Fondshülle beschreibt. Die offeriert grundsätzlich eine gewisse Liquidität, aber die Invest- ments des Fonds bleiben weiterhin illiquide. Die vollständige Überzeugung, dass dies dauerhaft die erwünschten Renditen liefern kann, fehlt mir noch. Und das ist auch der entscheidende Unterschied zu unserem Ansatz. Es dürfte grundsätzlich schwierig sein, eine Private-Equity-Rendite – also eine Überrendite verglichen mit klassischen Aktienanlagen – zu erzielen, wenn ein Großteil des Portfolios aus anderen Anlageklassen stammt, um die Liquidität sicherzustellen.
Sie beabsichtigen, Ihre Expertise mit börsengelisteten Private-Equity-Unternehmen einer breiteren Zielgruppe anzubieten?
Weidenbach: Ja, wir haben unlängst einen Fonds mit einem Ucits-Mantel für unsere gerade beschriebene Private-Equity-Strategie gestartet. Damit können wir Private Equity liquide und depotfähig für unsere Mandanten investieren. Am wichtigsten ist es aber, dass die Strategie, wie wir sie aufgesetzt haben, es schaffen sollte, sowohl den globalen Aktienmarkt als auch den Schnitt der geschlossenen Private-Equity-Fonds zu schlagen.
Über die Interviewte:
Britta Weidenbach ist Managing Partner beim Family Office Auretas und damit seit Anfang 2023 für die Wertentwicklung der betreuten Vermögen verantwortlich. Die studierte Volkswirtin hat zuvor 20 Jahre Erfahrung in führenden Rollen im Fondsmanagement der DWS gesammelt, zuletzt als Leiterin für europäische Aktien und Co-Leiterin des EMEA-Aktiengeschäfts. Zudem war Weidenbach Mitglied im CIO Executive Committee der DWS.