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Konjunktur und Geldpolitik Brasiliens Wirtschaftskraft könnte weiter zulegen

Wahlveranstaltung des Lula-Lagers bei VW Brasilien im brasilianischen Bundesstaat São Paulo

Wahlveranstaltung des Lula-Lagers bei VW Brasilien im brasilianischen Bundesstaat São Paulo: Während Lulas erster Amtsperiode erlebte das Land mit seinen 216 Millionen Einwohnern einen Wirtschafts-Boom, jetzt wird das Land für Investoren wieder interessant. ((Fotoarena / 0165758036)) Foto: Imago Images / Fotoarena

Luiz Inácio Lula da Silva hat die zweite Runde der brasilianischen Wahlen knapp gegen den Amtsinhaber Jair Bolsonaro gewonnen. Befürchtungen, dass Bolsonaro das Ergebnis nicht akzeptieren würde, vor allem wenn es knapp ausfallen sollte, haben sich zerstreut. Bolsonaro sagte, er werde sich an die Verfassung halten und die gesetzlichen Regeln befolgen und übertrug seinem Stabschef die Aufgabe, die Niederlage einzuräumen. Weil sich Lula in der Wahl nur sehr knapp durchgesetzt hat, wird seine Regierung in den kommenden Jahren auf einen breiten Konsens hinarbeiten müssen.

Wie viele andere Schwellenländer leidet auch Brasilien weiterhin unter einer relativ hohen Verschuldung, der Korruption – gegen die bekanntlich auch Lula selbst nicht immun gewesen ist – und große Ungleichheit. Aber die Entwicklung der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas ist zumindest aus makroökonomischer Sicht günstiger als in vielen anderen Ländern, die im Jahr 2022 mit einem extrem schwierigen Umfeld konfrontiert sind, das durch eine hohe Inflation und weltweit steigende Zinssätze bestimmt wird.

Lula hat angekündigt, sich vehement für den Naturschutz einzusetzen, die unkontrollierte Abholzung im Amazonasgebiet müsse aufhören. Unter Bolsonaro war die Abholzung stark gestiegen, nachdem sie unter der vorherigen Regierung jahrelang rückläufig war.

Brasiliens Geldpolitik wirkt

Abgesehen von der aktuellen Unsicherheit nach den Wahlen ist Brasilien im Vergleich zu vielen anderen Schwellenländern wirtschaftlich attraktiv. Das liegt vor allem daran, dass es dem Land gelungen ist, die Inflation weitgehend unter Kontrolle zu halten – dank seiner Zentralbank, die besonders proaktiv agiert hat.

 

Die brasilianische Zentralbank begann bereits im März 2021 mit der Straffung der Geldpolitik und war damit eines der ersten Länder der Welt, das diesen Weg nach den rekordtiefen Zinsen während der Pandemie einschlug. Brasilien war damit der US-Notenbank weit voraus; sie begann erst ein Jahr später mit der Anhebung der Leitzinsen.

Das Ergebnis dieser Voraussicht: Brasilien eines der wenigen Länder, in denen die Inflation – und vor allem die Inflationserwartungen der Bevölkerung – rasch zurückgegangen sind (siehe Grafik). Die realen Leitzinsen liegen jetzt im Vergleich zu anderen Ländern besonders hoch.

Grafik: Verbraucherpreise, Inflationserwartung und Leitzins in Brasilien

Das brasilianische Wachstum ist trotz dieses Straffungszyklus weitgehend stabil geblieben. Der Brasilianische Real gehörte 2022 zu den stärksten Schwellenländerwährungen. Die Währung ist eine der wenigen, die 2022 gegenüber dem US-Dollar aufgewertet haben.

Angesichts eines niedrigen Leistungsbilanzdefizits, das vollständig durch ausländische Direktinvestitionen, lokale Staatsanleihen in Fremdwährung und hohe Devisenreserven finanziert wird, bleibt das Land auch gegenüber externen Schocks widerstandsfähig.

Auch wenn wir die Rückkehr Lulas aus ökologischer Sicht begrüßen, sind wir gespannt auf die Fortsetzung eines soliden Wirtschaftsmanagements durch die Zentralbank und die neue Regierung in den kommenden Jahren.

Wir sehen die Entwicklung des Landes weiterhin positiv. Wir bevorzugen daher aufgrund der aktuellen Bewertungen und unserer Erwartung, dass Brasilien eines der ersten Länder sein wird, das in den kommenden Jahren die Geldpolitik wieder lockern wird, ein Engagement über Anleihen in Landeswährung und nicht in Hartwährung.