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Gute Fundamentaldaten Die Binnenkonjunktur stärkt Brasilien

Anhänger von Lula da Silva feiern in Belo Horizonte den Wahlsieg

Anhänger von Lula da Silva feiern in Belo Horizonte den Wahlsieg: Brasiliens Bruttoinlandsprodukt wächst dank niedriger Inflation. Foto: Imago Images / ZUMA Wire

Marcus Weyerer

Der neue – ehemalige – brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva setzte sich in der zweiten Runde mit 50,9 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber Jair Bolsonaro durch und gewann damit die vielleicht wichtigste Wahl, die Lateinamerikas größte Volkswirtschaft seit Jahrzehnten erlebt hat. Doch als Lula seine Siegesrede hielt, seine Anhänger auf den Straßen feierten und führende Politiker der Welt ihre Glückwünsche übermittelten, zog es Bolsonaro vor, sich bedeckt zu halten. Bislang deutet allerdings wenig darauf hin, dass Verbündete und Anhänger Bolsonaros, der laut Reuters seit langem unbegründete Behauptungen über Wahlmanipulationen aufstellt, das Wahlergebnis anfechten wollen. Andererseits erscheint es angesichts des knappen Ergebnisses als unwahrscheinlich, dass Bolsonaro seine Niederlage rundheraus eingestehen wird. Die Niederlage ist keineswegs eine Ablehnung seiner Partei.

Ein schwächeres weltwirtschaftliches Umfeld, geopolitische und handelspolitische Spannungen, rückläufige Rohstoffpreise und innenpolitische Probleme wie die hohe – wenn auch sinkende – Schuldenlast sind einige der Risiken, mit denen Brasilien konfrontiert ist. Ein entschieden marktwirtschaftlich orientierter Kongress dürfte indes einige Bedenken der internationalen Öffentlichkeit gegenüber Lula und seiner Partido dos Trabalhadores (PT; Arbeiterpartei) zerstreuen, wie etwa die Neigung, öffentliche Sozialausgaben mit Schulden oder höheren Steuern zu finanzieren. Lula selbst versprach, das Land gemäßigt zu regieren und gestand ein, dass „der Privatsektor extrem wichtig ist“.

Dina Ting

Wir halten es für entscheidend, dass die nächste Regierung umsichtig mit den Finanzen umgeht und die Verschuldung im Blick behält. Die Märkte neigen oft dazu, eine Politik zu belohnen, die Investitionen den Vorrang vor Ausgaben einräumt. Eine entsprechende Politik hat angesichts der politischen Beschränkungen im Kongress, die Lula ins Kalkül ziehen muss, gute Chancen auf Umsetzung – fiskalische Wohltaten wären mit der aktuellen Kongresszusammensetzung schwerlich durchzusetzen.

Brasiliens Schuldenquote sinkt

Der Wahlsieg Lulas fällt in eine Zeit, in der Brasilien von immer noch hohen Rohstoffpreisen und einem Haushaltsüberschuss profitiert. Die öffentlichen Haushalte freuen sich über boomende Steuereinnahmen und beträchtliche Dividenden von Staatsunternehmen. Somit lag der Primärüberschuss der Regierung in Brasília über zwölf Monate hinweg bei 1 Prozent (Stand: September 2022). Reuters-Prognosen zufolge wird die Schuldenquote in diesem Jahr um ganze 4,1 Prozentpunkte sinken. Zum Vergleich: Die Schulden des öffentlichen Gesamthaushalts in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) lagen in Brasilien Mitte der 2010er-Jahre bei etwa 50 Prozent, im Zuge von Covid-19 kletterte die Schuldenquote auf fast 90 Prozent.

 

Auch wenn die hohen Rohstoffpreise nachgeben könnten, haben die Aktienmärkte und der Brasilianische Real sich relativ fest gezeigt. Der US-Dollar hat im vergangenen Jahr gegenüber den wichtigsten Währungen um rund 18 Prozent aufgewertet – gegenüber dem Real hat er jedoch nachgegeben. Der FTSE Brazil 30/18 Capped Index hat seit einem Jahr um 19 Prozent (in US-Dollar) zugelegt – eine bemerkenswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass sowohl Aktien aus Schwellenländern (-28 Prozent) als auch Aktien aus den entwickelten Märkten (-18 Prozent, beides Bloomberg-Angaben) schlecht abschnitten.

Eine spürbare Verringerung des Inflationstempos, die sich im Frühsommer in Brasilien abzeichnete, hat zum Teil zu den guten Ergebnissen beigetragen. Diese Entwicklung könnte es der brasilianischen Zentralbank, der Banco Central do Brasil (BCB), ermöglichen, im Jahr 2023 mit der Lockerung der Geldpolitik zu beginnen.

Notenbank-Unabhängigkeit erleichtert den Kampf gegen die Inflation

Ein wichtiger Aspekt für den Erfolg der Zentralbank bei der Eindämmung der Inflation ist ihre Autonomie gegenüber der Regierung: Ihre Unabhängigkeit wurde gesetzlich im Jahr 2021 verankert – ein Schritt, der ursprünglich von Bolsonaro unterstützt wurde, den er später aber bedauerte. Eine unabhängige Notenbank dürfte unter einer Präsidentschaft Lulas ein weiterer Schutzwall gegen unkontrollierte Ausgaben sein. Wie es nicht gemacht werden sollte, hat jüngst der Sturz der Truss-Regierung über die Geldpolitik in Großbritannien gezeigt. Kurz gesagt: Eine unabhängige Zentralbank ist eine Errungenschaft an sich, die Brasilien folglich in Zukunft gute Dienste leisten dürfte.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass Brasilien in Bezug auf die Inflation aus dem Gröbsten heraus ist. Auslaufende Kraftstoffsubventionen und Steuersenkungen haben zum sinkenden Preisdruck beigetragen, doch strukturelle Probleme wie Unterbrechungen der Lieferkette und geopolitische Risiken bleiben ungelöst. Sollte die BCB zu früh den Fuß von der Bremse nehmen, könnte der Druck auf die Währung die Inflation schnell wieder in die Höhe treiben.

Letztlich könnten auch die Rohstoffexporte zurückgehen, da die Weltwirtschaft und insbesondere China als Brasiliens wichtigster Handelspartner in eine Phase geringeren Wachstums eintreten, die rasch in einer Rezession münden kann. Man darf jedoch nicht vergessen, dass das brasilianische BIP größtenteils vom Binnenkonsum getragen wird. Stabile beziehungsweise sinkende Zinssätze, die niedrigste Arbeitslosenquote seit 2015, steigende Reallöhne und ein verbessertes Vertrauen in die Wirtschaft bedeuten, dass die Kaufkraft der brasilianischen Verbraucher offenkundig in einer guten Verfassung ist, insbesondere auch im Vergleich zu vielen Märkten in der entwickelten Welt.

Die größten kurzfristigen Risiken sind eine Eskalation der politischen Spannungen und eine Eintrübung der Marktstimmung. Wir sind der Meinung, dass die Märkte nach Lulas Amtsantritt über die Politik hinausblicken und sich auf die Fundamentaldaten sowie auf die Chancen konzentrieren sollten, für die die neue Regierung mit ihren Maßnahmen sorgt. Dazu gehören Infrastrukturprojekte, ein neuer Fokus auf dem ökologischen Umbau, Investitionen in die Bildung und die Stärkung der Binnenwirtschaft.

Lula ist in Brasilien eine bekannte Größe. Die Wirtschaft florierte während des größten Teils seiner vorherigen Amtszeit, und angesichts der jüngsten Ergebnisse scheinen sowohl inländische als auch internationale Investoren seiner Rückkehr an die Macht wohlwollend entgegenzusehen. Auch wenn die Investoren die zukünftige Politik an den jetzt gegebenen Versprechen messen werden, geht Lula von einem soliden Wirtschaftswachstum mit einem beträchtlichen langfristigen Potenzial aus.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Dies ist eine Marketingmitteilung. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt und das KIID, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen. Alle Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des Kapitals.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei diesem Dokument um allgemeine Werbeinformationen handelt und nicht um eine vollständige Darstellung oder Finanzanalyse eines bestimmten Marktes, einer bestimmten Branche, eines bestimmten Wertpapiers oder eines oder mehrerer aufgelisteter Investmentfonds. Franklin Templeton veröffentlicht nur produktbezogene Informationen und gibt keine Anlageempfehlungen.