Brandywine-Portfoliomanager Darum schwächelt der US-Dollar

Börse in New York: Der US-Dollar ist ins Schleudern geraten.  | © imago images / Bildbyran

Börse in New York: Der US-Dollar ist ins Schleudern geraten. Foto: imago images / Bildbyran

Der US-Dollar legte im ersten Quartal um fast 9 Prozent zu, bevor er ab Mitte August fast zwei Drittel seiner Rallye wieder einbüßte. Der Euro liegt nach einem Rückgang von fast 5 Prozent im ersten Quartal nun 11 Prozent über seinen Tiefstständen vom März. Der australische Dollar fiel im ersten Quartal um 18 Prozent und hat sich seitdem um 25 Prozent erholt. Der mexikanische Peso fiel in den ersten drei Monaten 2020 um 27 Prozent und hat seitdem rund 15 Prozent aufgeholt.

Im Gegensatz zu den Währungen der Industrieländer haben die Währungen der Schwellenländer ihre Verluste noch nicht wettgemacht. Die Rally des Dollars im ersten Quartal wurde von vier Faktoren angetrieben: Der erste Faktor war der Weg, den die Pandemie auf der Welt nahm. Zuerst wurde China und dann Korea getroffen und ihre Volkswirtschaften waren die ersten, die in Mitleidenschaft gezogen wurden. Als nächstes kam Europa, insbesondere Italien und Spanien. Dann erst griff die Pandemie auf die USA über, wodurch die US-Wirtschaft zunächst den Rest der Welt übertraf.

Folglich wertete auch der Dollar gegenüber den meisten Währungen auf. Der zweite Faktor, der den Dollar stützte, war das höhere Niveau der US-Zinssätze im Vergleich zu anderen entwickelten Märkten und sogar zu einigen Schwellenländern. Drittens unterstützte die starke Flucht in Qualität im März die Aufwertung des US-Dollars, da sich Anleger auf die Kapitalerhaltung in Safe-Hafen-Treasuries konzentrierten. Im Wesentlichen bot einer der sichersten Devisenmärkte der Welt die höchsten Zinssätze der Welt.

Der vierte Faktor, der die Währungen antrieb, war sehr spezifisch: Die Pandemie ist ein außerordentlicher Einkommensschock, der einen schweren Finanzierungsstress verursacht. Im Vergleich dazu war die globale Finanzkrise im Jahr 2008 weitgehend ein Finanzierungs-Schock: Die Finanzkrise konzentrierte sich auf ein problematisches Bankensystem und übermäßige Verschuldung. Unternehmen, Banken und Einzelpersonen verliehen zu viel Geld und die Banken waren nicht in der Lage, eine normale Kreditvergabe zu ermöglichen.

Dieses Mal waren aber nicht die Banken das Problem. Die Herausforderung war vielmehr, dass Einnahmen über Nacht wegbrachen, als die Welt im März und April einstürzte. Sogar Unternehmen von hoher Qualität mit bescheidenen Verbindlichkeiten hatten Mühe, genügend US-Dollar-Einnahmen zu erzielen, um ihre Schulden zu begleichen. Es wurde verzweifelt um eine US-Dollar-Finanzierung gerangelt, um bestehende Verpflichtungen bis zu einer Normalisierung der Einnahmen zu verlängern.