Zitate aus 120 Jahre altem Buch Welche historischen Anlagetipps Beratern und Mandanten noch heute nützen

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Sparen durch Konsumverzicht

„Freilich ist das nicht ganz so leicht, denn Fleiß und Tüchtigkeit allein genügen noch nicht; es muss sich noch ein Drittes dazu gesellen: die Sparsamkeit. Wem diese Tugend nicht zu eigen ist, der wird besonders in jungen Tagen, gar zu leicht geneigt sein, die Einnahmen aus Amt, Geschäft oder Arbeit, sei es geistiger, sei es körperlicher, für den Lebensunterhalt, für Vergnügungen oder Liebhabereien zu verbrauchen, ohne an die Zukunft und das Alter zu denken. Meist freilich sind jene Einkünfte nicht so reichlich bemessen, daß es möglich wäre, ohne weiteres einen Teil davon zu Rücklagen zu verwenden; es wird immer gewisser Einschränkungen in der ganzen Lebenshaltung bedürfen, um ein Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben zu erzielen, mit anderen Worten etwas zurücklegen, sparen zu können. So schwer das zuweilen sein, so scheinbar große Entbehrungen es auferlegen mag – es besteht nun einmal kein anderer Weg zur Erlangung eines Vermögens als dieser, wenn man nicht etwa mit zufälligen Einnahmequellen (Erbschaft, Lotteriegewinn u. dergl.) rechnen will.“

 

 

Ein kleines Vermögen mit Sparplänen

„Jedes, auch das riesigste Vermögen ist aus kleinen Anfängen entstanden, das möge man sich stets vor Augen halten und nicht etwa meinen, daß die kleine Summe, die man vielleicht alljährlich zu erübrigen mag, viel zu winzig sei, um jemals zu einem nennenswerten Kapital anwachsen zu können. Das möge man wohl bedenken, daß mit einem Schritt freilich nur eine geringe Strecke zurückgelegt wird, daß aber Schritt für Schritt dennoch vorwärts bringt. Ist erst einmal der Anfang gemacht, so erwacht die Lust weiterzuschreiten, dem lockenden Ziele zu.  Wie soll man das aber jemals erreichen, wenn man sich scheut, den ersten Schritt zu tun?“

 

Besser investieren als konsumieren

„Ganz so ist´s auch mit dem Sparen bestellt. Sind es auch nur ein paar Mark, mit denen der Anfang gemacht wird, es ist immerhin schon etwas. Um sie zu erübrigen, hat man sich vielleicht irgend einen Genuß, irgend ein Vergnügen versagen müssen, und nun findet man plötzlich, daß das gebrachte Opfer eigentlich gar kein so großes war, daß man recht gut auf manches Verzicht leisten könne, was man bisher als unumgänglich notwendig betrachtete. Damit soll indes keineswegs gesagt sein, daß man, um zu sparen, auf allen Genuß, auf alle Freuden und Vergnügungen verzichten solle – das zu weit gegangen sein, denn die Freude ist die Würze des Lebensund ohne würde es sein wie eine Speise ohne Salz. Nur fragt es sich, ob gerade immer die kostspieligeren Vergnügungen und Liebhabereren die höchsten und reinsten Freuden gewähren!“

„Wenn weise Sparsamkeit eine Tugend is, so wird sie in ihrer Übertreibung, als Geiz zum Laster. Man hüte sich wohl, aus lauter Sorge um die Zukunft auf einen vernünftigen Lebensgenuß zu verzichten! Hier heißt es, die goldene Mittelstraße wählen, sparen zur rechten Zeit und am rechten Ort. Das ist sehr einfach und doch eine Kunst, die sich aber bald lernt, wenn erst einmal mit Sparen der Anfang gemacht ist.“ 


Boris Bochnig

Über den Autor:

Boris Bochnig ist Gründer der BB&V Investment Consulting. Den Berliner Finanzdienstleister hat er im Oktober 2020 gegründet. Zuvor war er im Private Banking und Wealth Management der Bankhäuser Lampe, Sal. Oppenheim, Commerzbank und der früheren Dresdner Bank tätig. Mit 25 Jahren Berufserfahrung macht er sich dann mit der BB&V selbstständig.

 

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