Bond-Boom Absatz von Anleihe-ETFs auf Rekordhoch

US-Präsident Donald Trump (links) mit Jerome Powell, dem Vorsitzenden der Federal Reserve: Die Zinswende in den USA spricht gegen ein baldiges Ende der Minizinsen.

US-Präsident Donald Trump (links) mit Jerome Powell, dem Vorsitzenden der Federal Reserve: Die Zinswende in den USA spricht gegen ein baldiges Ende der Minizinsen.

Im Juni dieses Jahres war es so weit: Das weltweit in Anleihe-ETFs verwaltete Vermögen überschritt die Marke von einer Billion US-Dollar, umgerechnet 920 Milliarden Euro. Und der Nachschub läuft: Während Festverzinsliches im ETF-Mantel vor wenigen Jahren noch ein Nischendasein fristete, liegt es inzwischen ganz vorn in den Verkaufscharts.

Europaweit flossen 2019 bislang 20,1 Milliarden Euro in börsengehandelte Indexfonds mit Fixed-Income-Universum (Stand 31. August). Der starke Trend zu Bond-ETFs sei vollkommen normal, sagte Armando Senra gegenüber dem TV-Sender CNBC: „Die Märkte sind derzeit volatil.“ Anleger würden Geld aus dem Aktienmarkt umschichten, um das Risiko starker Schwankungen zu senken, so der Chef von Blackrocks ETF-Marke iShares in den USA, Kanada und Lateinamerika.

Mit dem aktuellen Hoch beim Absatz von Anleihe-ETFs muss das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein. „Es dauerte 17 Jahre, bis Bond-ETFs nun die Marke von einer Billion US-Dollar übersprungen haben. Diesen Betrag zu verdoppeln wird schon in fünf Jahren gelingen“, so Senra. Grund sei, dass Bond-Investoren zunehmend umsatteln. Als Argumente für den Umstieg auf ETFs nennt Senra eine höhere Liquidität, bequemeres Investieren und geringere Kosten.

In Europa plant knapp ein Drittel der Profi-Anleger vom Vermögensverwalter bis zum Pensionsfonds bereits, ihr Engagement in festverzinslichen Anlagen in den kommenden drei Jahren zu erhöhen. Das geht aus einer aktuellen Studie des ETF-Anbieters Tabula IM hervor. Die Zahl der Anleger mit 10 Prozent oder mehr ihrer Renten-Investments in ETFs wird sich im gleichen Zeitraum von 16 auf 33 Prozent mehr als verdoppeln. Außerdem war mehr als die Hälfte der Befragten zuversichtlich, dass Smart-Beta-Produkte künftig mehr Zuspruch erfahren werden.

Das Edhec-Risk Institute hat in seiner jährlichen Untersuchung des europäischen ETF-Markts festgestellt, dass 68 Prozent der Anleger Smart-Beta-Bond-Fonds zutrauen, Risikoprämien besser ernten zu können als konventionelle ETFs. Gerade Rentenanleger, die vor allem Performance suchen, könnten von Strategie-ETFs profitieren, so die Studienautoren. Nahezu zwei Drittel dieser Gruppe gaben an, mit der Renditesuche immer größere Schwierigkeiten zu haben. Und ein Ende der Nullzinspolitik steht ja noch in den Sternen.