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Im Jahr 2019 hatte BNP Paribas verkündet, bis 2024 150 Mitarbeiter im Wealth Management einzustellen. Wie nahe sind Sie diesem ambitionierten Ziel gekommen?
Arends: Die Betreuungsintensität ist inzwischen eine andere. Wir haben unseren Wachstumskurs insofern korrigiert, dass wir nicht mehr so viele Kundenberater einstellen mussten, sondern uns auf die Betreuung komplexer Vermögen konzentriert haben. Dementsprechend haben wir das Geschäftsmodell adjustiert, hin zu größeren und komplexeren Kunden. Wir haben aktuell 85 Vollzeitbeschäftigte im Wealth Management, sowohl Berater als auch weiteres Personal. Die 150 Beschäftigten waren mal ein Ziel für die Mitarbeiterzahl insgesamt.
Die heute keinen Bestand mehr hat?
Arends: Wir arbeiten konzernintern eng verzahnt mit den anderen Bereichen zusammen, um für unsere Kunden die besten Lösungen zu erarbeiten. Unsere Produktstruktur haben wir den Marktbedingungen angepasst, um den Bedarf unserer Zielgruppe zu decken. So arbeiten beispielsweise mehr Mitarbeitende im Kreditgeschäft, weil sich dieser Bereich besser entwickelt hat. Dafür benötigen wir heute weniger Berater im Wertpapiergeschäft als zu Anfang gedacht. Aber klar ist auch: Wenn wir wieder um 25 Prozent wachsen, werden wir auch mehr Berater einstellen.
BNP Paribas hat kürzlich die regionale Struktur im Wealth Management in Deutschland verändert. Warum?
Arends: Wir sind ursprünglich von einem stärkeren Wachstum ausgegangen, sowohl was Mitarbeitende, aber auch Kunden betrifft. Dementsprechend haben wir die Führungsspanne angepasst und verschlankt, um nicht zu kopflastig zu sein.
Ketzerisch könnte man auch sagen: Sie haben die quantitativen Ziele nicht erreicht. Haben Sie sich mehr erhofft?
Arends: Natürlich erhofft man sich persönlich immer mehr, aber realistisch muss man sich die Marktbedingungen anschauen. Im Wealth Management lagen wir vom Volumen her bis Ende 2022 gut im Plan, ertragstechnisch waren wir etwas dahinter. Im vergangenen Jahr hatten die Zinsen dann drastische Auswirkungen auf die Kunden, dass konnte man so nicht vorhersehen. Und bereits vorher hatte der gesamte Markt mit Corona, Krieg und Lieferkettenproblemen drei Schwierigkeiten zu bewältigen.
„Zu unserem Kundenstamm zählen 20 Prozent der 200 vermögendsten Familien sowie ein erheblicher Teil der 30 größten Milliardärsfamilien der Bundesrepublik“
Aber die Strategie von BNP Paribas Wealth Management steht. Unser Ziel ist es nicht, Pläne zu erfüllen, sondern die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen und strategisch im deutschen Markt die Privatbank wachsen zu lassen. Bei der Vermögensverwaltung spielt Deutschland eine strategische Rolle, dies hat auch unser globaler Chef Vincent Lecomte kürzlich noch einmal in einem Interview betont. Mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 17 Milliarden Euro gehören wir inzwischen zu den Top Ten der Privatbanken in Deutschland, und zu unserem Kundenstamm zählen 20 Prozent der 200 vermögendsten Familien sowie ein erheblicher Teil der 30 größten Milliardärsfamilien der Bundesrepublik.
Im Private Banking hat BNP eine funktionierende Plattform, im Wealth Management haperte es jedoch. Hätte man das anders lösen können?
Arends: Das lässt sich im Nachhinein immer anders beurteilen als vorher, insofern: Ja und Nein. Dass unsere Plattform funktioniert, zeigt unsere Wachstumsstory. Allerdings hätten wir heute technisch, was die Systemintegration angeht, sicherlich andere Lösungen als noch vor einigen Jahren. Wenn ich heute frei wählen könnte, würde ich vielleicht auch gar keine Plattform mit einer eigenen Bankabwicklung dahinter suchen, sondern eher eine Konsolidierungsplattform, und unter diese die einzelnen Elemente stellen.
Wir haben uns bewusst für eine Zwei-Plattform-Strategie entschieden, um im Wealth Management auch Kreditgeschäft oder komplex strukturierte Produkte anbieten zu können. Die bestehende Consors-Plattform ist voll digital und „state of the art“ im Wertpapiergeschäft. Daher fiel diese Entscheidung. Sie ist bestimmt nicht perfekt, aber diese Thematik beschäftigt ja viele Banken.