Der Ruhestand ist, wenn Sie aufhören, für Ihr Geld zu arbeiten und Ihr Geld anfängt, für Sie zu arbeiten“, wusste der Schriftsteller Mark Twain bereits vor weit über 100 Jahren. Damit das bei den größten deutschen Konzernen – den Dax-40 – klappt, sind die Mitarbeiter der einzelnen Pensionswerke gefragt.
Diese Einrichtungen verwalteten im vergangenen Jahr 257 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg von 12 Milliarden Euro im Vergleich zu 2022. Für die Manager dieses Vermögens steht an erster Stelle, dass das Planvermögen, also der Teil, der zur Abdeckung von Versorgungsansprüchen ehemaliger Mitarbeiter bereitsteht, sicher ist. Eine Herausforderung, zumal gleichzeitig Forderungen bedient werden müssen. Bei BMW beispielsweise will man im wesentlichen über langlaufende Rentenpapiere und entsprechende Derivate erreichen, die vollständige Ausfinanzierung der Verpflichtung aufrechtzuerhalten.
Zusätzlich werde ein Teil in sogenannte Return-Seeking Assets investiert, um nicht planbare Belastungen wie beispielsweise eine höhere Langlebigkeit beziehungsweise generell biometrische Risiken finanzieren zu können. „Hier liegt der Schwerpunkt unserer Investitionen insbesondere bei Alternative Investments. Darin enthalten sind Infrastruktur-, Immobilien-, Private Equity sowie Private Credit Anlagen, die höhere Ertragserwartungen erfüllen“, erklärt Karen Delvai, Leiterin Asset Management und Pensionsfonds bei der BMW Group.
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Der Ruhestand ist, wenn Sie aufhören, für Ihr Geld zu arbeiten und Ihr Geld anfängt, für Sie zu arbeiten“, wusste der Schriftsteller Mark Twain bereits vor weit über 100 Jahren. Damit das bei den größten deutschen Konzernen – den Dax-40 – klappt, sind die Mitarbeiter der einzelnen Pensionswerke gefragt.
Diese Einrichtungen verwalteten im vergangenen Jahr 257 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg von 12 Milliarden Euro im Vergleich zu 2022. Für die Manager dieses Vermögens steht an erster Stelle, dass das Planvermögen, also der Teil, der zur Abdeckung von Versorgungsansprüchen ehemaliger Mitarbeiter bereitsteht, sicher ist. Eine Herausforderung, zumal gleichzeitig Forderungen bedient werden müssen. Bei BMW beispielsweise will man im wesentlichen über langlaufende Rentenpapiere und entsprechende Derivate erreichen, die vollständige Ausfinanzierung der Verpflichtung aufrechtzuerhalten.
Zusätzlich werde ein Teil in sogenannte Return-Seeking Assets investiert, um nicht planbare Belastungen wie beispielsweise eine höhere Langlebigkeit beziehungsweise generell biometrische Risiken finanzieren zu können. „Hier liegt der Schwerpunkt unserer Investitionen insbesondere bei Alternative Investments. Darin enthalten sind Infrastruktur-, Immobilien-, Private Equity sowie Private Credit Anlagen, die höhere Ertragserwartungen erfüllen“, erklärt Karen Delvai, Leiterin Asset Management und Pensionsfonds bei der BMW Group.
Planvermögen müssen entsprechend diversifiziert werden, um Gewinne realisieren zu können. Alternative Investments werden dabei immer wichtiger. Nicht nur bei BMW. Erst im Mai kündigte etwa die DHL an, künftig auch in Infrastruktur zu investieren. Das Planvermögen der Dax-40-Unternehmen setzt sich teils allerdings sehr unterschiedlich zusammen (siehe Tabelle).
Streuung ist der Schlüssel
Daten von Mercer zeigen, dass die Portfolios über die Jahre diverser werden. Immobilien und alternative Anlagen gewinnen wie bereits erwähnt an Bedeutung. Auch Mercedes setzt darauf: „Ausgehend von der erwarteten Entwicklung der Pensionsverpflichtungen sind die Planvermögen mithilfe einer Risiko-Rendite-Optimierung auf verschiedene Anlageklassen breit gestreut angelegt, beispielsweise in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, alternative Investments und Immobilien“, sagt Mercedes-Unternehmenssprecher David Boersig.
Anscheinend eine gute Mischung. Bei dem Autobauer liegt der Ausfinanzierungsgrad zum zweiten Quartal 2025 bei 105 Prozent. Boersig unterstreicht: „Die Planvermögen sind ausschließlich zur Erfüllung der Pensionsverpflichtungen sowie zur Deckung der Aufwendungen für die Verwaltung der Vermögensanlagen vorgesehen und rechtlich vom Unternehmensvermögen separiert.“
Dass sich die Allokation des Planvermögens wesentlich am Ausfinanzierungsgrad sowie der Duration der Pensionsverpflichtungen orientiere, offenbart auch Svenja Paul, Unternehmenssprecherin des Leverkusener Kunststoffherstellers Covestro. Bei steigendem Ausfinanzierungsgrad, also dem Verhältnis von Vermögen zu Verpflichtungen, sollen beide Elemente miteinander harmonisieren.
Bis 2023 wurde die Allokation in Anleihen mit langer Laufzeit sowie in illiquide Anlageklassen stetig erhöht. „In den letzten Jahren ist unser Ausfinanzierungsgrad durch die Kombination von stark gestiegenen Zinsen, die unsere Verpflichtungen reduziert haben, und der strategischen Ausrichtung unseres Planvermögens deutlich gestiegen, sodass wir uns mittlerweile bei einem Ausfinanzierungsgrad nahe der 100 Prozent befinden“, erklärt Paul. Um sich gegen Zinsschwankungen abzusichern, nutze man derivative Instrumente wie beispielsweise Zertifikate. Im Gegenzug wurden Aktien reduziert.
Infrastruktur zur Diversifikation
Dass Investitionen in Infrastruktur, aber auch in andere alternative Asset-Klassen für Investoren von Pensionswerken sinnvoll sein können, steht für Jeffrey Dissmann, Leiter Investments bei Mercer, außer Frage. „Infrastruktur-Investitionen generieren oft Cashflows aus regulierten und vertraglich vereinbarten Vermögenswerten und bieten eine konsistente Cash-Rendite“, sagt er. Weitere Pluspunkte in Dissmanns Augen: überschaubare Volatilität, geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen, Inflationsschutz sowie die Tatsache, dass nachhaltige Infrastrukturprojekte mit ESG-Prinzipien vereinbar seien: „Die Investition in nachhaltige Infrastruktur ermöglicht es Pensionsfonds, zu einer besseren Welt beizutragen und gleichzeitig finanzielle Renditen zu erzielen.“
Folgerichtig also, dass eine Studie von Mercer zu dem Ergebnis kommt, dass institutionelle Investoren ein zunehmendes Interesse an Infrastrukturinvestitionen haben. Gerade für Pensionsfonds und Pensionswerke wachse die Bedeutung der Anlageklasse, da sie langfristige Anlageerträge für eine vom Arbeitgeber garantierte Altersversorgung generieren könne. Die Investitionen stützten sich zudem nicht ausschließlich auf eine Illiquiditätsprämie, sondern böten eben auch Nachhaltigkeits- und Diversifikationsvorteile.
Wahl der Strategie
Zwei Gruppen im Dax könne Dissmann erkennen, wenn es um die Anlage von Pensionskapital geht. Auf der einen Seite stünden die gut bis sehr gut ausfinanzierten Anleger. Verfolgt wird von diesen eine möglichst passgenaue Absicherung ihrer Verpflichtungen, mittels des sogenannten Liability Driven Investments (LDI). Genutzt wird dazu aktuell das hohe Zinsniveau, um in deutlich länger laufende Zinstitel umzuschichten. Wichtig hierbei ist laut Dissmann, das es bei der Anpassung der Inflation kein Stau entsteht und für diesen genügend renditeorientierte Kapitalanlagen in der Hinterhand zu haben.
Zur zweiten Gruppe gehören jene Dax-Konzerne, die ihre Funding-Lücke nach wir vor über die Kapitalanlagerendite schließen wollen. Dafür nutzen sie die gesamte Bandbreite der am Kapitalmarkt verfügbaren Asset-Klassen. Neben liquiden Aktien und renditeorientierten Anleihen aus Schwellenländern werden diversifizierte Private-Markets-Portfolios aufgebaut. Zeit ist schließlich vorhanden, Kapital muss fortwährend aufgebaut werden, um zukünftige Renten auszahlen zu können. „Die wichtigste Frage ist immer der Zweck der Kapitalanlage: Sollen kurzfristig Renten gezahlt werden, langfristig ein Puffer aufgebaut werden, oder die Inflationssensitivität der Renten abgesichert werden“, sagt Dissmann.
Die Frage, in welche Anlageklassen investiert werden soll, ist laut André Geilenkothen, Leiter Pensionskassenberatung bei Mercer, individuell zu beantworten: „Wir empfehlen für den institutionellen Kapitalanleger immer die Ausarbeitung einer strategischen Asset Allocation mittels eines Asset Liability Managements.“ Auch wenn es bei einzelnen Anlageklassen Opportunitäten gäbe, oder der Markt wie zum Beispiel bei Gewerbeimmobilien vor Herausforderungen stehe, sollten sich Anleger hiervon laut Geilenkothen in der Kapitalanlage nicht ablenken lassen. Auf der Ebene der Asset-Klassen sieht er aktuell Frontier Market Debt als eine interessante Neuerung. Dies sind Schuldeninstrumente, die von aufstrebenden oder weniger entwickelten Volkswirtschaften begeben werden.
Bei Covestro baut man ebenfalls auf Verbindlichkeiten mit sehr langen Laufzeiten. Diese sollen auf der Anlageseite über illiquide Anlagen gespiegelt werden. Mit einer Duration von fast 17 Jahren liege man im Dax-Vergleich am oberen Ende. Aktuell setze man auf drei illiquide Asset-Klassen: Immobilien, Infrastruktur und Private Debt. Die Allokation des Planvermögens spiegele im Wesentlichen die Pensionspläne mit einer Leistungszusage wider. Zusätzlich habe man im Jahr 2021 einen kapitalmarktorientierten Pensionsplan mit Beitragsgarantie aufgelegt, ein sogenanntes Lifecycle-Modell, das jährliche Anpassungen der Allokation abhängig vom Anlagezeitraum vorsieht.
Dieser Pensionsplan investiert dank eines geschaffenen Kapitalverbunds in dieselben Fonds und Anlageklassen wie die alten und bereits geschlossenen Pensionspläne mit Leistungszusage von Covestro und soll damit von der Investment-Infrastruktur dieser bestehenden Pläne profitieren. Bei BMW gibt es ebenfalls beitragsorientierte Pläne über ein Lifecycle-Modell. Jüngere Mitarbeiter partizipieren überdurchschnittlich an Kapitalanlagen mit höheren Ertragserwartungen, wie Aktien, sind aber im Zeitverlauf auch größeren Wertschwankungen der Anlagen ausgesetzt. Je näher der Mitarbeiter an seinen erwarteten Ruhestand komme, umso mehr werde in defensivere Kapitalanlagen wie kurzlaufende Anleihen investiert.
Vorbildlich aufgestellt
Aktives Management ist für Hanne Borst, Head of Retirement bei Willis Tower Watson (WTW), eine der Tugenden der Dax-Unternehmen. So wurden zwischen 2021 und 2023 mehr als 20 Milliarden Euro den Planvermögen zugeführt. Karen Delvai von BMW erklärt, dass die Strategie auf die vollständige Absicherung der künftigen Rentenverpflichtungen des Autoherstellers abziele, um das Kerngeschäft zu entlasten und die Renten aus den Pensionsplänen zu bezahlen. Diese Ziele erreiche man mit einer ausgewogenen Mischung aus risikooptimierten und renditeorientierten Anlagen.
Noch bewegt sich der Rechnungssatz auf einem stabilen und hohen Niveau. Und der Trend zeigt eher Richtung Ausfinanzierung. Doch Volatilität kann insbesondere den Rechnungszins wieder sinken lassen. Wobei es für die Dax-Unternehmen in solchen Fällen keine einheitliche Antwort gibt, was zu tun ist. Das zeigt sich am teils doch sehr unterschiedlichen Ausfinanzierungsgrad. Rund die Hälfte der Dax-Unternehmen liegt hier über 80 Prozent. Aber einige große Unternehmen wie etwa Volkswagen liegen unter der 50-Prozent-Marke. Für mache Pensionswerke muss das Ziel sein, den Grad zu erhöhen. Für andere geht es darum, das hohe Niveau langfristig zu halten. Entsprechend muss die Strategie gewählt werden.
Blick in die Zukunft
Bei WTW geht man davon aus, dass es in den Jahren 2025 und 2026 zu jeweils vier Leitzinssenkungen kommen wird Diese hätten dann auch Auswirkungen auf den internationalen Rechnungszins für die Bewertung der Pensionsverpflichtungen. Daher müssen die Pensionswerke die wirtschaftliche Lage genau im Auge behalten. Was laut den Unternehmen auch geschehe.
Bei Mercedes wird die Strategie regelmäßig durch ein Komitee aus dem Finanz- und Personalbereich geprüft und angepasst. Covestro sieht sich laut Paul gut für künftige Herausforderungen aufgestellt: „Mit der zuletzt implementierten zusätzlichen derivativen Absicherung sehen wir uns im aktuellen Umfeld gut aufgestellt.“ Eine stetige Adjustierung stelle den Kern der Strategie dar.
Was laut Borst auch notwendig ist: Die Dax-Unternehmen seien gut beraten, ihre in der Vergangenheit erfolgreichen und etablierten Strategien fortzusetzen und weiterzuentwickeln.