Vorsicht ist geboten
Obwohl es viel Rummel um die Blockchain-Technologie gibt, besteht im Allgemeinen mangelnde Klarheit über ihr Funktionsprinzip und wie sie am effektivsten eingesetzt werden kann. Die Blockchain kann mit Sicherheit dazu beitragen, bestimmte Funktionen in einfachen, transaktionsbezogenen Anwendungsfällen zu automatisieren. Wir glauben jedoch, dass eine Reihe von Fragen und Problemen gelöst werden müssen, bevor diese Anwendungen skaliert und mit spürbarem Nutzen in der Realität eingesetzt werden können. Im folgendenen einige Beispiele:
Die Blockchain-Technologie ist noch in den Kinderschuhen und es fehlt noch eine Standard-Plattform. Unserer Meinung nach ist es wahrscheinlich, dass mehrere Blockchain-Plattformen entstehen werden, um die Vielzahl verschiedener Anwendungen abzudecken. Für den flächendeckenden Einsatz müssen jedoch technische Branchenstandards vereinbart werden, um die Kompatibilität zwischen den verschiedenen Blockchain-Plattformen branchenübergreifend zu gewährleisten.
Oft ist eine Blockchain-Datenbank nur so gut, wie die ihr zugrunde liegenden Daten- und Geschäftsprozesse. Darüber hinaus ist eine gewisse kritische Größe unverzichtbar, da Blockchain-basierte Lösungen auf mehrere Nutzer angewiesen sind. Laut dem Metcalfe’schen Gesetz ist der Nutzen eines Netzwerks proportional zur Anzahl der Verbindungen im Netzwerk im Quadrat. Daher ist die breite Nutzung unerlässlich, damit die positiven Netzwerkeffekte der Blockchain zum Tragen kommen.
Die Integration der Blockchain-Technologie in bestehende IT-Infrastrukturen stellt ein weiteres Hindernis dar, das nicht unterschätzt werden darf. Das Internet der Dinge wird die Angriffsfläche für das Internet erheblich erweitern. Als Folge davon erhöht sich die manipulierbare Angriffsfläche eines verteilten Netzwerks mit jedem zusätzlichen Knoten. In einer Blockchain-Welt kommt der IT-Sicherheit sogar noch größere Bedeutung zu.
In der Finanzbranche bevorzugen Aufsichtsbehörden eine zentrale Anlaufstelle, die sie zur Verantwortung ziehen können, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, wie beispielsweise ein Softwarefehler oder eine Hackerattacke. Darüber hinaus gibt es noch offene Fragen betreffend Compliance sowie Erkennung und Unterbindung betrügerischer Aktivitäten, zum Beispiel Geldwäscherei oder Rechtsrahmen für Krypto-Währungen.
Und schließlich stellt sich die Frage, wie wir den Datenschutz regeln können bei gleichzeitiger Sicherstellung von transaktionsübergreifender Transparenz.
Fazit
Blockchain ist ein Phänomen, das sich momentan dynamisch entwickelt. Deshalb ist es unmöglich, mit Gewissheit vorherzusagen, welchen Weg diese Technologie in Zukunft einschlagen wird. Seit 2012 wurde in diesen Bereich Risikokapital in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar investiert, bedingt durch das Bestreben der Finanzindustrie, sich diese vielversprechende Technologie zunutze zu machen. Wir sind jedoch der Auffassung, dass der Wirbel um die Blockchain noch nicht vergleichbar ist mit dem Internet-Hype, der 1996 seinen Höhepunkt erreichte.
Die Einführung von bahnbrechenden Technologien folgt in der Regel einem Muster, bei dem auf überhöhte Erwartungen kurzfristige Enttäuschungen folgen, wobei die ursprünglichen Erwartungen letzten Endes erfüllt und langfristig übertroffen werden. Wir glauben, dass ein ähnliches Akzeptanzmuster für die Blockchain-Technologie plausibel scheint.
Da diese noch relativ jung ist und sich rasant weiterentwickelt, glauben wir, dass die kommerzielle Nutzung erst Jahre später stattfinden wird. Es kann hier ein Vergleich mit dem World Wide Web gezogen werden: Obwohl es in den 1980er-Jahren entwickelt wurde, erlangte das Internet erst fast zwei Jahrzehnte später, nach der Dot-Com-Blase, weitverbreitete Akzeptanz. Nichtsdestotrotz empfehlen wir Anlegern, dieses Thema genau zu verfolgen, um unliebsame Überraschungen oder verpasste Anlagechancen zu vermeiden.
Als langfristig orientierte Anleger sind wir der Auffassung, dass dieses Thema einen attraktiven, langfristigen Wachstumsbereich darstellt, bei dem wir noch ganz am Anfang stehen. Wir glauben, dass die Blockchain das Potenzial hat, verschiedene Bereiche zu automatisieren, indem sie Vermittler überflüssig macht.
Wir sind jedoch auch der Meinung, dass diese Technologie ohne entsprechende IT-Sicherheitsprotokolle nicht funktionieren kann, da ansonsten das Vertrauen in dieses Konzept verloren gehen würde. Aus diesem Grund investieren wir in führende Unternehmen, die besonders in den Bereichen Datenschutz, Datenanalyse und Automatisierung sowie Automatisierung von Zahlungsvorgängen und Sicherheit tätig sind.
Über den Autor:
Patrick Kolb arbeitet seit Juni 2005 als Portfoliomanager für globale Aktien bei der Credit Suisse. Nachdem er 2001 an der Universität Zürich das Studium der Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Finance abgeschlossen hatte, arbeitete er als Doktorand und Assistent am Swiss Banking Institute der Universität Zürich. 2005 hat er sein Doktorandenstudium abgeschlossen.
