Hinzu kommt eine finanzielle und führungsseitige Abhängigkeit von einem starken und fordernden Asset Management: Die hauseigenen Fonds – und seien sie noch so stark auf Nischen ausgerichtet – landen kaum hinterfragt im Portfolio, bei Wind und Wetter. Man kann durch den direkten Vergleich klar feststellen, dass Vermögensverwalter ohne diese Konzern- und Interessenkonflikte tendenziell eine wendigere Marktauffassung umsetzen.
Blinde Risikoflecken
Neben den strukturellen Auffälligkeiten lohnt es sich, mit seinen Vermögensverwaltern über einige Anlageklassen zu sprechen. So stellen wir fest, dass zuweilen bei Anleihen großvolumig Nischen bei Hochzins- und Nachrangtiteln besetzt sind, woraus sich außergewöhnlich hohe laufende Renditen ergeben, aber eine riskante Illiquidität des Portfolios in Kauf genommen wird. Und thematisiert wird das Ganze nicht. Auf der Aktienseite kann man unterdessen in vielen Portfolios einen sorglosen Umgang mit steigenden Fremdkapitalquoten und zunehmenden Refinanzierungsrisiken der Portfoliounternehmen festmachen. Das liegt auch daran, dass viele Investmentprozesse die dafür relevanten Daten nur unzureichend ausleuchten.
Es ließen sich noch viele weitere aktuelle Diskussionspunkte anführen, die bei der Begleitung von Vermögensverwaltungsmandaten, den zugehörigen Investmentprozessen und unterliegenden Marktmeinungen augenfällig sind. So lebendig und dynamisch die Kapitalmärkte sind, so rasch verschieben sich diese Aspekte immer wieder. Sie lassen sich aber nur aus der Perspektive des Maschinenraums und der Portfoliodaten selbst aufgreifen und kaum aus der Markt- und Marketingkommunikation der Vermögensverwalter. Solange das so bleibt, hält auch ein Bericht aus dem Maschinenraum immer neue Überraschungsmomente bereit.
Über den Autor:
Christian Hammes ist Geschäftsführer des Eta Family Office in München. Zuvor war er von 2012 bis 2014 im Vorstand des Vermögensverwalters Do Investment tätig und blickt auf weitere Berufsstationen bei der BHF-Bank und der früheren Dresdner Bank zurück.