Kommentar zur Entwicklung des Immobilienmarktes Wenn der Ballon auf 10.000 Meter Höhe platzt

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Geld frisst Hirn

Es war ja gerade Karneval, hier noch ein Kalauer: Wir rechnen einem Projektentwickler vor, dass sein offeriertes Angebot einer Bruchbude in Berlin-Neukölln mindestens 500 Euro pro Quadratmeter zu teuer ist und man dann für die Eigentumswohnung in Neukölln im Schnitt 4.500 Euro pro Quadratmeter bräuchte oder 13 Euro kalt pro Quadratmeter Miete – eher West-Deutscher, sehr guter Standard – nicht Problembezirk. Sein Kommentar: „Euch fehlt die Phantasie, wenn die Wohnungen 2018 auf dem Markt kämen wären die fast zu günstig.“

Klingeln dort bei Ihnen auch die Glocken? Nicht zu erwähnen, dass Sie vor zirka fünf Jahren das ganze Haus für um die 400 Euro pro Quadratmeter haben konnten. Phänomenale Marktentwicklung und neuer Szene-Bezirk oder Geld frisst Hirn?

Sie wollen noch mehr zum Nachdenken haben? Ebenfalls letzte Woche meinte einer der Chefs eines mittelgroßen Fonds zu mir, man habe jetzt zirka eine Milliarde an Kapital eingesammelt und müsse diese alsbald adäquat investieren. In kleinen Summen wird schon gar nicht mehr gedacht und wieder ein Wink aus der Vergangenheit: 2000 und 2008 lassen grüßen.

Verdrängtes Basiswissen

Ach und für die Mathematiker, Ökonomen und Volkswirten unter Ihnen: In meinen Erstsemestervorlesungen gab es etwas zu „Konjunkturzyklen“ zu hören. Dort wurde uns vermittelt, dass es ein eisernes Gesetzt gibt, das es niemals nur bergauf ginge! Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass häufig nach sieben bis zehn Jahren Boom-Phase der Abschwung folgt. Seit 2009 geht es nur bergauf, dass macht jetzt schon sechs Jahre und es sind immer noch dieselben zwei Faktoren: Vertrauen und Liquidität. Beides ist noch im Überfluss da, aber wie lange?

Aus der Perspektive von Familienunternehmen kann ich nur sagen: Bringen Sie viel Eigenkapital mit, lassen sich gut beraten und beurteilen Sie Immobilienlagen kritisch, ob diese auch übermorgen noch gut sind, damit Sie Zyklen langfristig beruhigt durchstehen können und/oder verkaufen Sie rechtzeitig und nutzen diese seltene Marktchance, denn den Letzten beißen bekanntlich die Hunde. Oder um es mit den Worten Otto Reuters, dem berühmten Berliner Sänger und Komikers der 1920er Jahre auszudrücken:

„Und ist alles teuer, dann murre nicht,
und holt man die Steuer, dann knurre nicht.
Mißlingt dir auch alles, dann klage nicht,
und kriegst du den Dalles, verzage nicht
nur der, der nichts hat, ist glücklich und frei
und in fünfzig Jahren ist alles vorbei.“


Über den Autor:
David A. Pieper ist Mitgründer und Geschäftsführer des auf Immobilien spezialisierten Multi Family Office Virtù Wealth aus Berlin. Das Unternehmen hatte er 2014 zusammen mit Steffen Krause in Berlin gegründet.