Blackrock hat zwei parallele Anleigestudien für institutionelle Investoren vorgelegt – eine für Family Offices, eine für Pensionsfonds. Beide Dokumente des EMEA-Teams für Investment- und Portfoliolösungen teilen denselben Ausgangsbefund: Die Unsicherheit an den Kapitalmärkten hat strukturell zugenommen, klassische Portfoliomodelle stoßen an ihre Grenzen. Doch die Konsequenzen, die die Mitarbeitenden von Blackrock daraus zieht, unterscheiden sich je nach Investorentyp erheblich.
Gemeinsame Diagnose
Ausgangspunkt beider Studien ist die These, dass strategische Allokationsentscheidungen nicht mehr sinnvoll um ein einzelnes Basisszenario herum konstruiert werden können. Zwei strukturelle Kräfte – der Aufstieg der künstlichen Intelligenz und die zunehmende geopolitische Fragmentierung – erzeugen eine Bandbreite möglicher Entwicklungen, die traditionelle Planungsansätze überfordert. Blackrock arbeitet daher mit drei Szenarien: einem Ausgangsszenario stabiler US-Bewertungen, einem KI-Produktivitätsboom mit überproportionalen Gewinnen für den US-Markt sowie einem Negativszenario, in dem steigende Risikoprämien auf US-Anlagen zu deutlichen Kursverlusten führen.
Die makroökonomischen Projektionen sind in beiden Studien identisch. Der Unterschied beginnt bei der Frage, was diese Szenarien für konkrete Portfolios bedeuten. Für ein illustratives Family-Office-Portfolio schwankt die erwartete Zehnjahresrendite je nach Szenario zwischen 2 und 13 Prozent. Beim Pensionsportfolio ist die Bandbreite mit 2 bis 10 Prozent enger – eine direkte Folge des höheren Anleihenanteils, der Pensionsfonds typischerweise kennzeichnet.
Divergierende Portfoliostrukturen
Der Blick auf die illustrativen Musterportfolios macht den Unterschied deutlich. Das Family-Office-Portfolio bei Blackrock weist einen Aktienanteil von 37 Prozent auf, dazu 13 Prozent Infrastruktur und 15 Prozent Direct Lending – insgesamt eine ausgeprägte Orientierung in Richtung Private Markets und Wachstum. Das Pensionsportfolio ist demgegenüber mit 43 Prozent Euro-Anleihen und nur 30 Prozent Aktien deutlich konservativer strukturiert – ein Spiegelbild der Liability-Matching-Anforderungen, denen Pensionsfonds unterliegen.
Private Markets als gemeinsamer Nenner
In beiden Studien nimmt die Empfehlung, Private Markets stärker zu gewichten, den größten Raum ein. Blackrock argumentiert, dass Infrastruktur, Private Equity und Private Credit nicht nur höhere Renditeerwartungen bieten als liquide Märkte, sondern auch eine geringere Streuung der Ergebnisse über die drei Szenarien hinweg aufweisen.
Für Infrastruktur verweist das Haus auf einen globalen Investitionsbedarf von rund 84 Billionen US-Dollar bis 2040 und sieht besondere Chancen in Datenzentren, Energiespeicherung sowie Logistikinfrastruktur. Im Bereich Private Credit hebt Blackrock europäisches Direct Lending hervor, dessen Spreads im Jahr 2025 zwar von 564 auf 529 Basispunkte zurückgegangen seien, aber noch immer eine Prämie von rund 150 Basispunkten gegenüber syndizierten Loans böten.
Wo sich die Wege trennen
Die pensionsspezifische Ausgabe geht einen entscheidenden Schritt weiter: Infrastructure Debt wird dort explizit als Instrument zur Deckung langfristiger Verbindlichkeiten positioniert. Wegen seines überwiegend Investment-Grade-Status, stabiler Spreads und partieller Inflationskopplung eigne sich das Segment besonders für Pensionsfonds, so Blackrock. In der Family-Office-Ausgabe fehlt diese Einordnung.
Auch die jeweiligen Fallstudien setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Für Family Offices untersucht Blackrock, wie Infrastruktur-Allokationen am effizientesten finanziert werden – aus dem gesamten Alternatives-Bereich oder gezielt aus Private Equity. Das Ergebnis: Eine Finanzierung aus Private Equity senkt das Gesamtportfoliorisiko am deutlichsten, während eine Umschichtung aus dem breiteren Alternatives-Bereich die erwartete Rendite stärker anhebt. Beide Varianten verbessern das Rendite-Risiko-Verhältnis – auf unterschiedliche Weise.
Für Pensionsfonds steht dagegen die Frage im Mittelpunkt, wie Private Debt – konkret Direct Lending und Infrastruktur-Debt – die Effizienz eines anleihelastigen Portfolios verbessern kann. Am Beispiel eines illustrativen Schweizer Pensionsportfolios – mit entsprechend CHF-dominierter Anleihestruktur – zeigt Blackrock: Eine Allokation von 30 Prozent des Anleihe-Sleeve in Private Debt hebt die erwartete Rendite dieses Sleeve von 1,1 auf 2,2 Prozent, während das Risiko nur moderat von 4,0 auf 4,6 Prozent steigt. Die grundsätzliche Logik – Private Debt als Renditeturbo im Anleihebereich – dürfte auch für Pensionsfonds außerhalb der Schweiz relevant sein, auch wenn die konkreten Zahlen auf CHF-Verhältnisse zugeschnitten sind.
Hedgefonds, CLOs und Implementierung
In beiden Studien identisch sind die Empfehlungen zu liquiden Anlagen: Blackrock plädiert für eine strategische Allokation in Makro-Hedgefonds sowie in europäische High-Yield-Anleihen und EUR-AAA-CLOs. Das globale Hedgefonds-Vermögen habe im vierten Quartal 2025 mit 5,16 Billionen US-Dollar einen neuen Höchststand erreicht. CLOs – Collateralised Loan Obligations – werden als Instrument positioniert, das höhere Spreads als Investment-Grade-Unternehmensanleihen bei kürzerer Duration biete und zudem gering mit anderen Assetklassen korreliere. Bemerkenswert ist der Hinweis, dass auf AAA-Ebene noch kein CLO je ausgefallen sei.
Auf Implementierungsebene empfiehlt Blackrock beiden Investorentypen, Futures-Positionen auf den S&P 500 durch ETFs zu ersetzen – die Roll-Kosten für entsprechende Futures-Kontrakte hätten im vierten Quartal 2025 rund 90 Basispunkte annualisiert betragen. Zudem plädiert das Haus für eine partielle Absicherung des US-Dollar-Risikos: rund 60 bis 65 Prozent für anleihelastige Portfolios, rund 30 Prozent für aktienlastige.
Einordnung
Beide Studien liefern für Family Offices und Pensionsfonds, die ihre Private-Markets-Strategie überdenken oder CLOs als Assetklasse neu bewerten, nützliches Orientierungsmaterial. Allerdings gilt für beide: GIP für Infrastruktur, HPS für Private Credit und CLO-Zugang werden ohne Eintrittswahrscheinlichkeiten präsentiert, was den praktischen Entscheidungsnutzen einschränkt.
Die Studien „Investment Directions for Institutions 2026 – Family office edition" und „Investment Directions for Institutions 2026 – Pension edition" sind auf der Website von Blackrock abrufbar.