BlackRock-Experte „Europas Dividendentitel haben Aufholpotenzial“

Andreas Zöllinger, Fondsmanager BGF European Equity Income Fund, Blackrock

Andreas Zöllinger, Fondsmanager BGF European Equity Income Fund, Blackrock

Herr Zöllinger, sind europäische Aktien nach dem Kursanstieg nicht schon zu teuer?

Andreas Zöllinger: Seit Mitte 2013 ist viel Kapital nach Europa geflossen. Entsprechend sind die Bewertungen gestiegen. Sie entsprechen jetzt ihrem langfristigen Durchschnitt. Damit sind sie weder historisch noch im Vergleich zu anderen Marktsegmenten wie Unternehmensanleihen teuer. Jedoch eilt der Marktzyklus der Realwirtschaft voraus, so dass eine stärkere Gewinndynamik notwendig ist, bevor es weitere Kurssteigerungen geben wird.

Wie beurteilen Sie das aktuelle Umfeld im Hinblick auf die Gewinnentwicklung?

Die makroökonomischen Daten deuten auf eine konjunkturelle Erholung hin, auch wenn die Zahlen zum ersten Quartal enttäuschten. Allerdings erwirtschaften Europas Firmen ihre Umsätze zu 50 Prozent außerhalb des Kontinents. Deshalb ist die globale Konjunktur auch wichtig. Und da sieht es in diesem Jahr gut aus, wobei natürlich die Geldpolitik der Schlüssel für das weltweite Wachstum bleibt. Wir gehen für 2014 von einem Anstieg der Firmenerträge von acht Prozent aus. Der Konsens lag übrigens bis vor kurzem bei Plus 15 Prozent, er ist inzwischen aber auf acht Prozent zurückgegangen. Das dürfte angesichts der recht moderaten Konjunkturerholung realistisch sein.

Und das macht Europas Aktienmärkte derzeit attraktiv?

Ja. Denn auf dem reduzierten Niveau könnten die Aktien von einer Erholung der Binnenwirtschaft profitieren. Dazu kommt, dass das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko sich bei Aktien in den vergangenen drei Jahren verbessert hat, während es sich bei Anleihen verschlechterte. Vor allem aber bieten europäische Aktien höchst attraktive Dividendenrenditen, womit sie eine Lösung für das aktuelle Niedrigzinsumfeld sind.

Wie hoch sind die Dividendenrenditen im Vergleich zu anderen Anlageklassen?

2010 zum Beispiel rentierten Investment-Grade-Anleihen im Durchschnitt mit 3,7 Prozent pro Jahr. Heute sind es nur 1,8 Prozent. Fünfjährige Bundesanleihen oder der Geldmarkt bringen deutlich weniger. Die Dividendenrendite beim MSCI World Index liegt zwar bei rund 2,5 Prozent, beim MSCI Europe aber sind es 3,5 Prozent. Zudem haben Europas Dividendentitel Nachholbedarf. Während Investoren in US- oder globale Dividendenaktien hunderte von Milliarden Dollar investiert haben, fällt auf europäische Dividendentitel ein verschwindend geringes Gewicht in den Portfolios.

Dennoch sind die Dividendenrenditen auf Grund des Kursanstiegs gesunken. Ist es für eine solche Strategie nicht zu spät?

Keineswegs. In der Vergangenheit brachten dividendenstarke Aktien in Phasen schwachen Wachstums die höchsten Erträge. Dazu kommt, dass eine Dividendenstrategie Schutz gegen einen starken Anstieg der Teuerungsrate bringt und die Ausschüttungen Kursverluste abfedern. Diese Strategie zahlt sich deshalb dann gerade aus, wenn die Märkte nach unten gehen. In der Historie schlugen Dividendentitel den Markt in Verlustmonaten im Schnitt um 74 Basispunkte. Das macht die Strategie langfristig so erfolgreich.

Wie setzen Anleger diese Strategie am besten um?

Investments in einzelne Titel sind riskant. Besser ist ein breit gestreutes Portfolio, in dem viele Titel aus verschiedenen Ländern und Regionen gemischt sind. Wichtig ist es dabei, nicht allein auf hohe Dividendenrenditen zu achten, sondern auch auf die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen, auf die Qualität des Managements, auf eine starke Wettbewerbsposition oder die Finanzdisziplin, also ob ein Unternehmen eine gesunde Bilanz hat.

Wie setzen Sie die Strategie in Ihrem Fonds um?

Dividendenstarke Titel machen 60 Prozent im Portfolio aus. Hinzu kommen Qualitätsfirmen, die zwar eine vergleichsweise niedrige Dividendenrendite aufweisen, bei denen wir aber von einem starken, nachhaltigen Wachstum der Ausschüttungen ausgehen.

Welche Vorteile bietet eine Dividendenstrategie im Produktmantel?

Aktives Management ist sehr wichtig. So hatten wir Ende 2011 den Finanzsektor nur mit rund sechs Prozent gewichtet, weil damals die Risiken überwogen. Heute ist es unser größter Sektor, wobei wir Banken, die klassischerweise hohe Dividenden zahlen, aber nach wie vor meiden. Die Unsicherheit bezüglich der künftigen Ausschüttungen und deren Kursschwankungen sind uns einfach zu hoch. Besser aufgehoben fühlen wir uns aktuell bei Versicherern oder Immobilienfirmen. Ebenso wichtig ist es aber, sich rechtzeitig von Titeln zu trennen. Wir tun dies, wenn wir nur das kleinste Risiko einer Dividendenkürzung erkennen.