Weltweit wollen Versicherer den Anteil ihrer Privatmarktanlagen erhöhen und dazu verstärkt Technologie einsetzen. Das geht aus dem 13. Global Insurance Report von Blackrock hervor. Der Bericht fasst die Ergebnisse aus einer Umfrage von Blackrock in 32 Märkten zusammen, an der sich 410 Führungskräfte aus Versicherungsunternehmen beteiligten, die ein Vermögen von insgesamt fast 27 Billionen US-Dollar verwalten.
Einsatz von Technologie für Privatmarktanlagen und Betriebskosten
Versicherer integrieren zunehmend Technologieplattformen, um Bausteine des Risikomanagements in ihre Kapitalanlage implementieren zu können. Höchste Priorität räumen die Befragten beim Investmentmanagement den Punkten der integrierten Assetallokation (SAA/TAA) und dem Asset Liability Management (ALM) ein (siehe Grafik).
Aber auch erweiterter Datensätze für ESG sowie die verbesserte Abdeckung der analytischen Fähigkeiten bei privaten Kreditanlagen spielen für die Versicherer eine wichtige Rolle. In dem jährlich erscheinenden Bericht geben 91 Prozent der Versicherungsgesellschaften an, in den nächsten zwei Jahren vermehrt in Privatmarktanlagen zu investieren.
„Seit einigen Jahren beobachten wir bei Versicherern eine stark gestiegene Nachfrage nach Privatmarktanlagen, da diese nicht nur der Diversifizierung von Portfolios dienen, sondern auch höhere Erträge liefern können“, sagt Mark Erickson, Leiter der Financial Institutions Group bei Blackrock. Da die privaten Märkte eine wichtigere Rolle spielen und Versicherer ihr Engagement erhöhen wollen, wird laut dem Bericht die dafür erforderliche Technologie zunehmend eingebunden.
Für die befragten Versicherer spielt Technologie auch eine Rolle in der Assetallokation. Sowohl der Inflationsschutz bei Anleihen, als auch die Modellierung von Privatmarktportfolios sind für 53 Prozent Sektoren, wo Technologie Mehrwerte schafft.
Versicherer sind beim Betriebsmodell geteilter Meinung
Beim Blick auf das aktuelle Betriebsmodell sind die Versicherer geteilter Meinung. Die eine Hälfte ist der Meinung, dass ihr Modell dynamisch genug ist, um strategische Prioritäten zu unterstützen. Die andere Hälfte braucht hingegen Rationalisierungen. Laut den Studienautoren zeigte sich in Gesprächen mit Investmentchefs, dass die Strategien flexibel sein müssen. Nur so könne man auf ein sich veränderndes Marktumfeld reagieren.
Versicherer könnten zudem von Partnerschaften profitieren, um ihr internes Fachwissen zu erweitern. Laut 40 Prozent der Umfrageteilnehmer ist es wichtig, einen Anlagepartner zu haben, der sowohl ihr Versicherungsgeschäft als auch das Betriebsmodell versteht.
„Wir stellen fest, dass die Anlageportfolios von Versicherungen immer komplexer werden, mit zunehmenden Anteilen an privaten Märkten und vielschichtigen Anlagezielen“, schreiben die Studienautoren in dem Bericht. Ein erfolgreicher Investmentansatz erfordere Größe, Ressourcen und Innovation. Gleichzeitig müssten die Versicherer ihre Betriebskosten senken und Ressourcen freisetzen, um zu wachsen und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Anleihen und Privatmärkte für Versicherer wichtigste Sektoren
Da 2024 ein Jahr mit außerordentlich vielen richtungweisenden Wahlen ist, befürchten Versicherer, dass sich politische Unsicherheiten auf die Wirtschaft auswirken: 68 Prozent nennen regulatorische Entwicklungen und 61 Prozent zunehmende geopolitische Spannungen sowie die Fragmentierung als ihre größten Sorgen. Im Zins- und im Liquiditätsrisiko sehen 69 Prozent beziehungsweise 52 Prozent der Befragten die größten Marktrisiken für die Versicherungsbranche. Dennoch planen 74 Prozent der Versicherungsgesellschaften derzeit keine Änderung ihres Risikoprofils.
An den Kapitalmärkten wollen 37 Prozent der Befragten in EMEA ihre Zuteilungen in Anleihen staatlicher und halbstaatlicher Emittenten aufstocken. Inflationsgeschützte Anleihen haben ebenfalls Priorität: 32 Prozent planen, deren Anteil zu erhöhen. EMEA ist zudem die einzige Region, in der grüne, soziale und nachhaltige Anleihen auf dem ersten Platz rangieren: 44 Prozent wollen hier innerhalb der kommenden zwei Jahre mehr allokieren.
An den Privatmärkten wollen Versicherer stärker in die verschiedenen Kategorien von Private Debt investieren. Die ist laut den Studienautoren deutlich gewachsen und beinhaltet inzwischen eine größere Auswahl an Anlagechancen im Bereich Direct Lending (siehe Grafik).
„Versicherungen stellen die strategische Allokation in alternative Anlagen, regulatorische Fragen, die Bewertung des Liquiditätsbedarfs und höhere Kapitalanforderungen vor besondere Herausforderungen“, erläutert Marcus Severin, Leiter Versicherungen Nordeuropa bei Blackrock. Versicherer bräuchten daher Anbieter, die bei diesen komplexen Fragen helfen, um ein bestmögliches langfristiges Portfolioergebnis zu erzielen.
Die vollständige Studie auf Englisch finden Sie hier.
