Kryptodienstleistungen Bitcoin Suisse startet mit Micar-Lizenz in Deutschland

Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Andrej Majcen von Bitcoin Suisse

Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Andrej Majcen von Bitcoin Suisse Bildquelle: Bitcoin Suisse

Bitcoin Suisse weitet sein Geschäft zum 14. Juli 2026 auf Deutschland aus. Grundlage ist die Micar-Lizenz (Micar = Markets in Crypto Assets Regulation), die per Passporting regulierte Krypto-Dienstleistungen im gesamten europäischen Wirtschaftsraum ermöglicht. Bislang zählte das Unternehmen zwar deutsche Kunden, konnte sie aber nicht gezielt ansprechen. Das ändert sich nun. „Sie müssen den Weg zu Bitcoin Suisse nicht mehr selbst finden, sondern wir können sie aktiv ansprechen, anbinden und ihnen Zugang zu unserem Angebot geben“, sagt Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Andrej Majcen gegenüber dem private banking magazin.

Zielgruppe sind vermögende Privatkunden, Family Offices, Vermögensverwalter, Unternehmen und institutionelle Investoren – nicht der Retailmarkt. Das Leistungsspektrum umfasst Handel, Verwahrung und Staking, jeweils mit persönlichem Ansprechpartner.

Verwahrung vor Handel und Staking

Nach Majcens Erfahrung beginnt die Diskussion mit deutschen Kunden fast immer bei der Verwahrung: Wo liegen die Vermögenswerte, wie sind sie getrennt, wer darf Transaktionen freigeben. Handel und Staking folgen erst danach – Staking sei „meist nicht der Einstieg, sondern der nächste Schritt, wenn Verwahrung und Governance geklärt sind“. Von Banken mit eigenem Krypto-Angebot grenzt sich Bitcoin Suisse dort ab, wo Kunden Krypto „nicht nur als Beimischung“, sondern als eigene Vermögenskategorie professionell halten wollen.

Bei der Anbindung von Family Offices und Vermögensverwaltern sind laut Majcen zwei Modelle möglich: die direkte Kundenbeziehung oder eine Rollenteilung, bei der der Vermögensverwalter Ansprechpartner für seine Mandanten bleibt, während Bitcoin Suisse die Infrastruktur für Verwahrung, Ausführung und Staking liefert. Eine feste Vermögensschwelle für die Zusammenarbeit nennt er nicht: Entscheidend sei der konkrete Bedarf, nicht eine starre Zahl.

 

Mehrere Schutzebenen bei der Verwahrung

Zur Absicherung nennt Majcen mehrere Ebenen: Cold-Storage-Setups, Multi-Signatur-Prozesse, geografische Redundanz sowie die Trennung von Kunden- und Unternehmensvermögen. Die Verwahrprozesse würden zudem extern geprüft, unter anderem durch eine jährliche ISAE-3402-Type-2-Auditierung, Penetrationstests und unabhängige Code-Audits. Für Bestände, die über die europäische Gesellschaft unter Micar verwahrt werden, gelten zusätzlich die Micar-Vorgaben zur Trennung von Kunden-Krypto-Vermögenswerten und Kundengeldern vom Eigenbestand des Anbieters. Von einer pauschalen Versicherung sämtlicher Risiken grenzt Majcen sich ab: Der Schutz ergebe sich aus dem Zusammenspiel von getrennten Vermögen, geprüften Prozessen und regulatorischen Vorgaben.

Die Leitung des Europageschäfts verantwortet Roman Przibylla als Vorstandsvorsitzender von Bitcoin Suisse. Er war zuvor unter anderem für Deutsche Bank, Commerzbank, HSBC und Vontobel im institutionellen Vertrieb tätig. Dem Verwaltungsrat gehören zudem Adrian Hasler, Marco Menotti und der frühere Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler an.

Für die kommenden drei Jahre strebt Majcen keine Massenmarkt-Position an: Bitcoin Suisse wolle im „anspruchsvolleren Segment ein etablierter Spezialist“ werden, ohne klassische Banken oder Verwahrstellen zu ersetzen.

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