private banking magazin: Herr Osswald, seit Mai dieses Jahres bietet die erste Volksbank den Handel mit Kryptowährungen für Selbstentscheider an. Stellen Sie ein großes Interesse bei Ihren Kunden fest?
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private banking magazin: Herr Osswald, seit Mai dieses Jahres bietet die erste Volksbank den Handel mit Kryptowährungen für Selbstentscheider an. Stellen Sie ein großes Interesse bei Ihren Kunden fest?
Jonathan Osswald: Ja, in der Tat. Kunden kamen schon sehr frühzeitig zu den Volks- und Raiffeisenbanken und haben danach gefragt. Sie könnten zwar Aktien, festverzinsliche Wertpapiere oder Gold kaufen, aber keine Kryptowährungen. Dabei ging es auch nicht um Exchange Traded Products auf den Bitcoin, sondern tatsächlich um den physischen Erwerb.
Aufgrund des allgemeinen Interesses an Kryptowährungen und der Nachfrage unserer Kunden haben wir uns entschlossen, über die VR-Banking-App den Kauf und den Verkauf von Kryptowährungen zu ermöglichen. Erste Pilotbanken setzen das seit Mai um. Dort können Selbstentscheider führende Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether kaufen.
Warum wollen Kunden Kryptowährungen auch über Banken direkt kaufen? Dafür gibt es ja eigentlich Kryptobörsen...
Osswald: Gerade für die Kunden der Volksbanken dürfte es ein wichtiges Argument sein, dass sie bei ihren Investments den gewohnten Weg gehen können. Es gibt dann in der Online-App einen weiteren Reiter, auf den man klicken kann, um Kryptowährungen zu kaufen. Zudem dürfte das Vertrauen in etablierte Finanzinstitute eine wichtige Rollte spielen. Man muss bedenken, dass es rund um Kryptowährungen und -börsen viele negative Schlagzeilen gibt. Auch deshalb dürften es viele Kunden bevorzugen, direkte Krypto-Investments über ihre Bank zu tätigen.
Ein weiterer Vorteil ist vermutlich, dass dann die Wertentwicklung in das eigene Portfolio integriert ist?
Osswald: Ja, man hat sein gesamtes Portfolio inklusive der Kryptowährungen im Überblick, was ein zentraler Vorteil ist. Auch die Steuernachweise bekommen Sie für diese entsprechende Kategorie. Dem gegenüber steht das spezifische Risiko von Self?Custody?Wallets außerhalb des traditionellen Finanzsystems. Wenn ich den Zugang, also meinen Private Key, dazu verliere, dann sind die dort liegenden Kryptowährungen verloren. Wenn ein Kunde aber über seine Bank kauft, kann er im Zweifelsfall dorthin gehen, sich ausweisen und ein neues Login beantragen.
Schätzungen gehen davon aus, dass vier bis fünf Millionen Bitcoin verloren sind, weil Investoren die Zugangsdaten verlegt oder die Festplatte entsorgt haben. Und schließlich haben Banken schon immer die Verwahrrolle eingenommen und warum sollten sie das nicht auch bei digitalen Vermögenswerten tun?
War das auch ein Grund, warum sich das DZ Bank Research mit diesem Thema befasst?
Osswald: Wir haben das Thema im Research bereits 2017 aufgegriffen, weil wir ein hohes öffentliches Interesse und immer wieder die Nachfrage von Kunden festgestellt haben. Uns war es dabei wichtig, die Scheuklappen abzulegen und klar zu kommunizieren, dass Kryptowährungen wie Bitcoin sowohl Chancen als auch Risiken bergen. Financial Literacy ist hier das Stichwort. Kryptowährungen sind eine junge Assetklasse und basieren auf einer neuen Technologie. Deshalb brauchen sie Erklärung und kontinuierliche Beobachtung.
Was macht Bitcoin aus und wie kommt die Kursentwicklung zustande?
Osswald: Der Bitcoin ist eine eigene Anlageklasse, die auf 21 Millionen Einheiten begrenzt ist. Seine Kursentwicklung wurde in erster Linie von kryptospezifischen Faktoren geprägt. Dazu gehören zum Beispiel das Bitcoin-Halving und ebenso wichtig ist die zunehmende Nutzung und Akzeptanz durch Anleger sowie das wachsende Krypto?Ökosystem. Die Kursentwicklung wurde 2024 zusätzlich befeuert, als die ersten Bitcoin?ETFs aufgelegt wurden.
Seitdem haben wir zusätzlich institutionelles Kapital und damit auch makroökonomische Faktoren, die den Kurs beeinflussen. Entscheidend sind letztlich aber Angebot und Nachfrage, wobei der Krypto-Markt eine vergleichsweise geringe Liquidität hat. Das bedeutet, dass einzelne Ereignisse oder auch Aussagen bedeutender Marktteilnehmer erheblichen Einfluss auf den Kurs haben können – nach oben wie nach unten.